30.06.07

Malawi: Ein unermesslich wertvoller Schatz an Naturschönheiten

Das "warme Herz Afrikas" liegt im Süden

Urwälder, Savannen und tierreiche Nationalparks locken - und dann ist da ja auch noch dieser riesige See.

Von Andreas Fischer

Am frühen Morgen kommt Gerald vom Fischfang zurück. Mühsam zieht er sein schweres Boot, das er aus einem Baumstamm geschnitzt hat, an Land. Dann holt er aus dem Rumpf das Netz, in dem sich ein Kampango verfangen hat. Der Wels ist hier in Malawi eine Delikatesse. Von seiner Familie beobachtet, versetzt Gerald dem Fisch einen gezielten Schlag auf den Kopf und zieht ihn vorsichtig aus den Netzmaschen. "Alles, was wir zum Leben brauchen, kommt aus dem See", sagt der Fischer. "Er gibt uns Wasser und Fisch, er ist die Spielwiese unserer Kinder." Am Strand von Chembe, der in einem sanften Bogen zum felsigen Cape Maclear verläuft, tollen schon seit dem Sonnenaufgang die Dorfkinder herum. Die kleinen Jungen spielen Fangen oder werfen Steine ins Wasser, die größeren springen und tauchen - oder sie spritzen sich gegenseitig nass. Die Mädchen schrubben die Esstöpfe nach dem Frühstück mit Sand. Ihre Mütter waschen die Wäsche und tratschen dabei mit den Nachbarinnen.

Rund 700 Kilometer in der Länge und 80 Kilometer in der Breite erstreckt sich der Malawi-See im Südosten Afrikas. Er hat dem Staat, der an seinem Westufer liegt, den Namen gegeben. Malawi, ehemals britische Kolonie Nyasa, gehört zu den kleinen afrikanischen Ländern, ist aber gesegnet mit Naturschönheiten: archaischen Bergplateaus, saftig grünen Urwäldern, tierreichen Savannen und Marschen. In den Nationalparks Liwonde und Nyika sind alle großen afrikanischen Tiere anzutreffen. Mount Mulanje und Zomba Plateau eignen sich hervorragend für Trekking und zum Mountainbiking. Die alten Missionen und Kolonialstädte erzählen von der turbulenten Vergangenheit.

Die zweifellos größte Attraktion des Landes ist aber der Malawi-See selbst, endlos wie ein Meer und von kilometerlangen Sandstränden gesäumt. Hineingezwängt in den großen afrikanischen Grabenbruch, erreicht er eine Tiefe von 700 Metern und ist damit eines der fünftgrößten Süßwasserreservoirs der Welt. Darin leben über 600 verschiedene Fischarten - mehr als in Europa und Nordamerika zusammen. Darunter sind ganz besonders viele Zierfische aus der Familie der afrikanischen Buntbarsche, begehrt unter Aquarianern aus aller Welt. Mehrere Touristenzentren liegen am Malawi-See. Das exklusive Likoma Island ist von Nkhata Bay zu erreichen, Monkey Bay im Süden des Sees gilt als das Paradies von Rücksackreisenden.

Das Gebiet um Chembe und Cape Maclear wurde 1980 zum Weltkulturerbe und zum Nationalpark erklärt, dem ersten Süßwasser-Nationalpark der Welt. Rund um Cape Maclear liegen zahlreiche kleine Inseln verstreut, die wie Smaragde aus dem blauen Wasser ragen. Ihre Ufer säumen riesige Felsblöcke und Findlinge, die noch tief unter dem Wasserspiegel zu sehen sind. Diese steinernen Türme, die in der frühen Phase der Erdgeschichte angehäuft wurden, bieten den Fischen hervorragenden Lebensraum und gut geschützte Rückzugsplätze.

Der See mit seinem klaren und türkisfarbenen Wasser ist ein hervorragendes Tauch- und Schnorchelrevier. Knapp unter der Oberfläche wimmelt es von bunten Fischen, die den Menschen auch schon mal "anknabbern", wenn er sich eine Zeitlang nicht bewegt. Es ist, als ob man in einem Aquarium schwimmt: Die Schwärme der Buntbarsche schimmern in allen Regenbogenfarben: Sie sind gelb, blau und rot. Manche sind gestreift, andere gefleckt oder gepunktet. Und weil der See schon seit Urzeiten weitgehend von der Außenwelt isoliert ist, kommen die hiesigen Arten zu 90 Prozent auch nur im Malawi-See vor.

Das Tauchen und Schnorcheln ist ungefährlich: Im See gibt es kaum Strömungen, Krokodile und Nilpferde wagen sich nur selten hierhinein, weil ihnen das klare Wasser keinen Schutz bietet. Die Schnecke, die die gefährliche Krankheit Bilharziose verursacht, kommt kaum vor. Der See eignet sich auch für ausgedehnte Kajaktouren. Im Sommer startet am Cape Maclear ein mehrtägiges Yacht-Rennen, das bis Nkhata Bay im Norden führt.

An den Ufern leben verschiedene Vogelarten, darunter Reiher, Kormorane und Eisvögel, die sich von den reichen Fischbeständen ernähren. Besonders schön ist der majestätische Seeadler - schon von Weitem an seinem weißen Kopf zu erkennen. Das Wappentier von Malawi kreist immer wieder auf der Suche nach Beute hoch über dem Cape Maclear. Wenn der Räuber einen Fischschwarm geortet hat, fliegt er dicht über das Wasser, taucht seine Klauen für Bruchteile von Sekunden hinein und reißt einen zappelnden Fisch hervor.

Einst war die Gegend um den Malawi-See berüchtigt wegen des Sklavenhandels, der hier von arabischen Händlern aus Mosambik und Sansibar betrieben wurde. Sie drangen bis in das heutige Angola vor, verwüsteten ganze Landstriche und trieben die Überlebenden zu den Sklavenmärkten an die Ostküste. Tausende der Elenden starben beim Transport: Die überladenen Boote, die durch den Malawi-See fuhren, kenterten oft. Andere überlebten die Strapazen der tagelangen Märsche nicht. Ihre Leichen wurden einfach liegen gelassen oder in den See geworfen. "Der Anblick dieser armen Menschen ist furchterregend", schrieb der Brite David Livingstone, der 1859 den Malawi-See entdeckte. Livingstone errichtete die ersten Handelsstationen und Missionen in Malawi, doch seine Leute wurden krank und starben. Auch seine Ehefrau Mary, die ihn auf der zweiten Expedition begleitete, erlag dem Fieber.

Livingstones Werk wurde von dessen Reisebegleitern fortgesetzt. Ein Jahr nach seinem Tod im Jahre 1874 gründeten sie Livingstonia, das auf einem Plateau über dem Malawi-See liegt. Damals entstand auch die erste Siedlung am Cape Maclear, an die heute nur noch ein paar Gräber von den ersten Missionaren erinnern.

Auf seinen Reisen zum Malawi-See folgte Livingstone dem Shire River, dem einzigen Zufluss des Sees, quellwärts. Heute liegt an seinem Lauf der Liwonde Nationalpark, der mit die höchste Dichte an Flusspferden in Afrika vorweisen kann. Die gewichtigen Tiere wagen sich direkt an die noble "Mwuu Lodge" heran. Ihr tiefes Röhren ist nachts gut zu hören. Von einsamen Spaziergängen in der Dunkelheit muss deswegen abgeraten werden: Gereizte Hippos können einen Menschen nämlich leicht anfallen. Und sie können erstaunlich schnell laufen.

An den Flussufern treiben sich auch ganze Elefantenherden herum, die immer wieder mal ein Bad nehmen. Kommt ihnen ein Boot zu nahe, reagieren die männlichen Bullen mit Abwehrhaltung: Sie klappen die großen Ohren aus, schwenken den Kopf und heben drohend ihren Rüssel. Hin und wieder taucht ein Krokodil auf, das nahe dem Ufer nach durstigen Antilopen Ausschau hält. Im Park sind auch Löwen, Büffel und Leoparden zu Hause.

Draußen, außerhalb der Parks, sind Wildtiere nur selten zu sehen. Denn Malawi ist dicht besiedelt. Überall Felder und Dörfer; die meisten Häuser sind kleine ockerfarbige Kuben, bedeckt mit Palmblättern. Angebaut werden Mais, Kartoffeln, Tomaten, Maniok, Tabak und Tee. Die letzteren beiden sind größten Teils für den Export bestimmt.

An den Straßen herrscht reges Treiben: Frauen in farbenfrohem Tuch schleppen schwere Lasten auf dem Kopf - und meist ein Kind auf dem Rücken. Männer schieben mit Brennholz oder Wasserkanistern beladene Fahrräder. Überall wird etwas feilgeboten: hier große weiße Pilze, dort geflochtene Körbe, reife Mangos oder getrocknete Larven, die ein beliebter Imbiss sind.

Wo es von Menschen wimmelt, gibt es immer auch einen Markt. Dort ist alles zu finden, was ein Afrikaner unbedingt braucht: Holzkohle und Fahrrad-Ersatzteile, Mehl und Medizin. Die Menschen geben sich meist fröhlich und freundlich. Malawi ist das warme Herz Afrikas, heißt es in der Hauptstadt Lilongwe, "the warm Heart of Africa".

Doch Lilongwe lässt den Charme vermissen, den das Land mit seinen Naturschönheiten sonst ausstrahlt. Die drei Zentren der Stadt sind auf einem großen Areal verteilt. In der heute überwiegend muslimisch geprägten Altstadt reihen sich vor allem Läden und Werkstätten. Etwa fünf Kilometer entfernt liegt das Regierungsviertel, die Capital City, errichtet auf Befehl des Diktators Hastings Kamuzu Banda.

Banda, der Malawi 1964 in die Unabhängigkeit führte, regierte das Land 30 Jahre in Alleinherrschaft. Seit nunmehr zehn Jahren liegt sein einbalsamierter Leichnam in einem prunkvollen Mausoleum in Lilongwe.

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