Kleine Fluchten
Berlin-Mitte: Vintage-Stil und "Sex in der Luft"
Das Hotel Mani in Berlin gehört zu einer Gruppe von familiengeführten Designhotels und punktet mit französisch-israelischer Küche.
Berlin. Manche meinen, das heutige Berlin sei das New York Europas. Fest steht, dass Berlin mehr Hotelbetten hat als Manhattan. Und die Kapazitäten werden ständig erweitert. So hat das Hotel Amano Zuwachs bekommen. Ermutigt durch den großen Zuspruch lag es für die Inhaber nahe, zu expandieren. Nur wenige Hundert Meter entfernt liegt die neue Dependance an der Torstraße in Berlin-Mitte. In Anlehnung an Soho in New York wird diese Gegend auch "SoTo" genannt (South of Torstraße).
Die Fassade des Hotels Mani ist streng und gradlinig konzipiert. "Klein, aber fein" ist die Devise - bedingt durch das schmale Grundstück, gibt man sich bescheiden. In der Lobby befindet sich die Rezeption, in der fünf übergroße Uhren an der Wand hängen, die merkwürdigerweise alle dieselbe Zeit anzeigen. Sie stehen für die Hotels, die die Inhaber deutschlandweit besitzen. Außerdem ist im Empfangsbereich die Bibliothek mit Coffee-Table-Books untergebracht. Über einem dunkelblau bezogenen Samtsofa hängt ein großformatiges Farbfoto, das eine nackte Frau mit fünf Männern zeigt. Es stammt von dem Berliner Fotografen Oliver Rath, der die Verantwortlichen des Hauses auf witzige Weise aufgenommen hat. Im Restaurantbereich hängen weitere Schwarz-Weiß-Porträts der Mitarbeiter, die in originellen Posen abgelichtet wurden.
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Zufällig ist auch Ester Bruzkus an diesem Tag unter den Besuchern. Sie ist die Innenarchitektin des Hotels. Die Berlinerin wollte nach eigener Aussage eigentlich kein Designhotel machen, ließ sich aber umstimmen. Ihr Konzept ist, "die 70er-Jahre-Eleganz wieder zu beleben", wie sie sagt, "Romy-Schneider-mäßig". "Die dunklen Farben waren der Wunsch des Bauherrn", erklärt sie die ungewöhnliche Farbgebung. Das Hotel habe "Sex in der Luft", wozu die dunklen, polierten Flächen ebenso beitrügen wie das glänzende Vintage-Leder der Bestuhlung.
"Bei der Zimmergröße waren wir durch die Maße des Grundstücks beschränkt, denn ein Hotel in dieser Kategorie muss mindestens 60 Zimmer haben, um profitabel zu sein", begründet Hotelmanager Ariel Schiff die nicht allzu großen Unterkünfte. Es wurden viele Überlegungen angestellt, um diese möglichst ökonomisch zu gestalten und alle Einrichtungsgegenstände aufeinander abzustimmen. "Das Praktische sollte mit dem Ästhetischen verbunden werden, wobei gleichzeitig die private Atmosphäre betont wird", so die Herausforderung, "weshalb ich die Räume vor allem durch eingeschobene Boxen architektonisch gestaltet habe", erklärt die Designerin die gelungene Umsetzung. Der große, von der Decke bis zum Boden reichende Spiegel vergrößert den Raum optisch. In der gediegenen Atmosphäre fühlt man sich gleich wohl, und das Ganze wirkt auf unaufdringliche Weise luxuriös.
+++Berlin drohen finstere Zeiten+++
Highlight des "Cosyhotels", wie solche Häuser im heutigen Fachjargon genannt werden, ist sicherlich der Restaurantbereich mit offener Küche, der morgens als Frühstücksraum und tagsüber als Lounge genutzt wird. Konsequent durchgestylt, gibt es hier einen in grünem Marmor eingefassten gläsernen Kamin, bequeme Ledersessel, gedämpftes Licht und als einzigen Farbtupfer tiefrote Ingwerblüten in großen Vasen. Dazu ertönt dezent Lounge- und Jazzmusik. Hier herrscht der gewisse Klubcharakter, der besonders beim jüngeren Publikum gut ankommt.
Die Speisekarte bietet auch für Berlin etwas Besonderes, nämlich eine französisch-israelische Küche, denn die Inhaber gehören der jüdischen Gemeinde an. "Wir möchten den Gast auf eine kulinarische Reise von Tel Aviv nach Paris mitnehmen", sagt Küchenchef Martin Schanninger. Der Mittdreißiger machte seine Lehre vor zehn Jahren im Berliner Restaurant Vau und arbeitete sich dann schnell nach oben. Flaggschiff im Mani sind die "Chuzpeles", viele "kleine Schweinereien". Sie sind unter Verwendung mediterraner Gewürze einfach köstlich! Unbedingt probieren sollte man die gefüllten "Jerusalem Artischocken". Dazu wählt man den hervorragenden israelischen Wein "Galil Mountain". So passt die innovative Küche hervorragend zu dieser Stadt, die sich permanent neu erfindet.
Erfolg beflügelt bekanntlich, und so sind bereits vier weitere Hotels in Planung, unter anderem ein Neubau direkt am Berliner Hauptbahnhof. "Wir werden aber keine Hotelkette, und da wir ein Familienunternehmen sind, legen wir Wert auf Individualität, weshalb jedes Haus vollkommen anders konzipiert wird", verspricht Ariel. Man darf gespannt sein.













