05.05.12

Kleine Fluchten

Eine Nacht im Musterzimmer verbringen

Zwei in einem: Wer in das Rosenbohm Designhotel in Oldenburg einchecken möchte, muss erst einmal in das gleichnamige Möbelhaus.

Von Wolfgang Stelljes
Foto: Wolfgang Stelljes
Möbelhaus und Hotel unter einem Dach: An der Rezeption bei Mathias Oechsle trennen sich die Wege der Besucher
Möbelhaus und Hotel unter einem Dach: An der Rezeption bei Mathias Oechsle trennen sich die Wege der Besucher

Oldenburg. Er ist Verkehrsknotenpunkt und Marktplatz zugleich - der Pferdemarkt am Nordrand der Oldenburger Innenstadt. Noch heute wird der einstmals prächtigste Platz der Stadt von klassizistischen Bauten reinster Prägung gesäumt. Seit einigen Monaten gesellt sich dazu ein kleines Hotel, untergebracht unter dem Dach eines Hauses, das für Oldenburger seit über 110 Jahren ein Begriff für stilvolles Wohnen ist: das Möbelhaus Rosenbohm. Möbelhaus und Hotel sind eine Einheit, Besucher betreten das Haus durch denselben Eingang. Nur dass sich all jene, die ihre eigenen vier Wände neu gestalten möchten, bei der Rezeption links halten, Hotelgäste dagegen rechts.

Eine alte Holztreppe führt hinauf in den ersten und zweiten Stock, der hochflorige Teppich dämpft jeden Schritt. Hier befinden sich die acht Zimmer, zwischen 18 und 35 Quadratmeter groß und von acht verschiedenen Innenarchitekten gestaltet. Zimmer Nummer 5 trägt zum Beispiel die Handschrift von Sybille Heppner: eine Suite von kleiner Grundfläche und großer Behaglichkeit. Hier, aber auch in den anderen Zimmern, zeigt sich, was der geschickte Einsatz von Farbe, Trennwänden oder auch nur eines Spiegels bewirken kann. Qualität offenbart sich gerade bei kleinen Dingen, dem Kleiderhaken zum Beispiel, den man aus einer Schiene an der Wand klappen kann. Ein Musterbeispiel für gute Raumnutzung ist auch das Bad: Alles ist vorhanden, nichts zufällig oder gewöhnlich. Es ist die Konzentration auf das Wesentliche, die den Reiz dieses Hauses ausmacht. Und dieses Wesentliche ist hochwertig.

Mehrfachverglaste Fenster halten großstadttypische Geräusche fern

Das gilt auch für den Schallschutz. Mehrfachverglaste Fenster halten fern, was an großstadttypischen Geräuschen an das Ohr des Gastes dringen kann, angesichts einer nahen Bahntrasse eine kluge Investition. Die Zimmer zum Innenhof, in dem im Sommer auch gefrühstückt werden kann, sind am ruhigsten. Zimmer 2, etwas dunkler gehalten und hausintern auch das "Männerzimmer" genannt, verfügt sogar über eine eigene kleine Terrasse.

Inhaberin Kristin Stratmann möchte dem Gast das Gefühl geben, "zu Hause zu sein". Und sie nimmt für sich in Anspruch, ein Haus zu leiten, das den Zusatz "Designhotel" auch wirklich verdient. Mit Recht. Wer sich in eine Lampe oder ein Sofa verguckt, kann das gute Stück gleich mitnehmen - in die entsprechende Abteilung des Möbelhauses sind es ja nur ein paar Schritte. Auch wird kaum jemand Stratmann widersprechen, wenn sie sagt, dass es in einer Stadt wie Oldenburg für ein Hotel der gehobenen Kategorie durchaus noch "Bedarf" gibt.

Und doch sind im Rosenbohm ein paar Dinge anders als in anderen Hotels dieser Güteklasse. Es gibt keinen Fahrstuhl, keine Bar und keinen Wellnessbereich. Dafür aber eine Kooperation mit einem Fitnessstudio ganz in der Nähe. Außerdem findet der Gast in seinem Zimmer zwei Kärtchen: Das eine verrät, wo man gekühlte Softdrinks findet (in einem Retro-Kühlschrank am Ende des Flures) oder sich einen Kaffee oder Tee bereiten kann (im Erdgeschoss), auf dem zweiten notiert man seinen Verzehr. Eine kleine Flasche guten Rotweins kostet sechs Euro, und auch sonst sind die Preise zivil. Wer einen Champagner wünscht, wendet sich an Mathias Oechsle. Er sorgt im Alltag für reibungslose Abläufe und zufriedene Gäste. Sollte Oechsle fragen, ob er Ihnen noch eine Kleinigkeit zu essen bereiten soll, dann sagen Sie Ja. Allein das Rührei zum Frühstück - hervorragend.

Apropos Frühstück: Auch das ist anders als in vielen Häusern. Die Leckereien werden nicht in Büfettform präsentiert, sondern auf einer Etagere, eine Anregung, die Stratmann einem Besuch im Louis C. Jacob verdankt, dem Fünf-Sterne-Hotel an der Hamburger Elbchaussee. Wobei die 42-Jährige ansonsten auf Sterne wenig gibt, weil diese mehr mit dem Vorhandensein eines Fernsehers und Föns zu tun hätten als mit hochwertigem Design. Die Gäste honorieren dieses Konzept. Freuen würde sich die Hotelchefin über kulturell interessierte Städtetouristen an Wochenenden. Das Horst-Janssen-Museum liegt quasi um die Ecke. Auch der Gang in die andere Richtung lohnt. Im Johannisviertel findet man noch die "Oldenburger Hundehütte". Gleich nebenan liegen mit dem "Casablanca" und dem "Laboratorium" ein preisgekröntes Programmkino und das erfolgreichste Privattheater Niedersachsens (unbedingt vorher reservieren). Und zum Standesamt ist es ebenfalls nur ein Katzensprung - hier schnürt Stratmann bereits Angebots-Pakete.

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