Kleine Fluchten
Ein märchenhaftes Zimmer namens Schabernack
Das neue Familienhotel Plumbohms in Bad Harzburg bietet Bio-Suiten mit viel Komfort und kreativen Namen: "Schnarchzimmer" und Co.
Thema der Inneneinrichtung ist die schöne Harzer Natur
Foto: PR
Manche Hoteliers werden in alte Familienbetriebe hineingeboren. Andere kaufen florierende Häuser, um am Erfolg zu profitieren. Wieder andere werden Gastgeber aus Zufall - und Leidenschaft. Dirk Junicke ist so einer. Vor einigen Jahren verliebte sich der Bad Harzburger in das historische Holzhotel Wiener Hof an der Herzog-Wilhelm-Straße im Herzen seiner Heimatstadt. Der Plan des Bauunternehmers: das einst renommierte Haus restaurieren und wieder beleben.
Doch der Dornröschenschlaf des Wiener Hofs hatte bereits zu lange gedauert. "Schon nach der ersten Besichtigung stellte sich heraus, dass die Substanz zu stark gelitten hatte und eine Restaurierung unrealistisch war", erinnert sich der 1960 geborene Junicke. Doch der Wunsch, neue Zeichen im besonders in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts populären Kurort zu setzen, war geweckt. Schließlich müsse der Ort an sich arbeiten und sich neu erfinden: "Wie andere Verwöhnte hat auch Harzburg feststellen müssen, dass der größte Feind der Erneuerung der Erfolg ist. Und irgendwann fehlt plötzlich die Qualität, die Urlauber erwarten", sagt Junicke.
Das wollten Junicke und seine Frau Kirsten besser machen, und darum stellten sie sich der Herausforderung des Gastgewerbes. Ihr Hotel sollte so sein, wie sie und ihre - mittlerweile erwachsenen - Kinder es sich auf ihren Reisen immer gewünscht haben. Dirk Junicke: "Auch in einem Urlaubsdomizil braucht man Platz, und das nicht nur bei schlechtem Wetter."
Entwickelt wurde ein Haus mit kompaktem, aber flexiblem Grundriss und Pensionscharakter: so viel Freiraum wie möglich und dezenter Service. Das Ergebnis, das im Herbst 2011 unter dem Namen Plumbohms eröffnete, kann sich sehen lassen.
Das neue Hotel an Bad Harzburgs Bummel- und Shoppingmeile besitzt 20 Ferienwohnungen, Suiten genannt, sowie sechs Doppel- und ein Einzel-, das "Schnarcherzimmer". Die Suiten bieten Platz für vier, maximal fünf Feriengäste: Dank einer Zwischentür lassen sich die Räume der Fünf-Sterne-Kategorie als etwa 60 bis 70 Quadratmeter große Suite mit zwei Schlafräumen oder als Suite plus separates Doppelzimmer nutzen. Alle Appartements haben getrennte Wohn- und Schlafzimmer, Küche, ein großzügiges Bad und einen Balkon. Angenehmer Luxus im Winter: Neben der Heizung sorgt in den meisten Suiten ein Holzofen für gemütliche Wärme. Den Grundriss der Zimmer mit Ablagemöglichkeiten und einer Sitzecke hat sich der Bauherr beim Luxusliner "Queen Mary 2" abgeguckt.
Die Natur des Harzes findet sich im Plumbohms wieder. Ziel Junickes war die Verwendung so vieler natürlicher Baumaterialien wie möglich. Herausgekommen sind Bio-Suiten, die ihrem Namen gerecht werden: Es wurde viel Holz verwendet - echtes Eichenholzparkett und Holzmöbel von regionalen Herstellern. Auch wertvolle Antiquitäten - für Junicke "die edelste Form des Recyclings" -, natürliche Lehmfarben, schadstofffreie Lacke, moderne Dämmung, teils selbst erzeugter Strom und diverse Energieeinsparungen gehören zum Gesamtkonzept.
Bei allem Ernst ist die Ironie des Hausherrn nicht auf der Strecke geblieben. Junickes Motto vom "Urlaub als experimentelle Lebensart" spiegelt sich in den Suiten in Details wie dem mit Lektüre aus der Hausbibliothek bestückten Bücherschrank und einem Plattenspieler mit kleiner LP-Sammlung. Der Name "Plumbohms" deutet auf die gelungene Verbindung der Jahrhundertwende um 1900 mit dem 21. Jahrhundert: Er ist eine Reminiszenz an Minna Plumbohm, mit langem "u". Die großherzige Frau "Pflaumenbaum", so die hochdeutsche Übersetzung, verfiel Albert Junicke, dem Großvater Dirk Junickes. Auch an anderen Stellen schlägt das Plumbohms eine Brücke zwischen altem und neuem Harz. So tragen Suite und Zimmer Namen fast vergessener Begriffe wie "Wonne", "Schabernack" und "Augenstern". Die Fassade ziert, als Zitat der Stuckelemente an Hotels der Harzburger Bäderzeit, ein "Wortmuseum" mit Wörtern, die Junicke am Herzen liegen: "Habseligkeiten", "Backfisch", "Beromünster" und viele andere. "Hier und an anderen Stellen", sagt Junicke freimütig, "nehmen wir den Harz auf die Schippe." Und zeigt damit, dass die Region dabei ist, sich neu zu erfinden.
Erholungs- und Aktivmöglichkeiten finden Gäste vor der Hoteltür: Bei guter Schneelage wie jetzt führen Langlaufloipen fast am Hotel vorbei; das Skigebiet Torfhaus liegt nur wenige Autominuten entfernt. Der Nationalpark Harz lockt zu Wanderungen oder Mountainbike-Touren. Entspannung und Erholung bieten Spaziergänge im Kurpark und Besuche von Sole-Therme und Bad Harzburgs historischem Kurhaus. Oder die hauseigene Sauna im kleinen Wellnessbereich des Plumbohms. Ebenfalls im Haus, aber verpachtet, ist das Café Sax mit exzellentem Frühstück und noch besserem Kuchen vom Bäckermeister. Ein weiteres Extra: Wer möchte, darf im hauseigenen VW Käfer zu Ausflügen aufbrechen. Karte und Tipps gibt's kostenlos dazu.




Urlaub an der See
Branchenbuch Hamburg


100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages




