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Reise

Der stille Reiz der Bedächtigkeit

Goriska Brda: Die andere Seite des Friaul - Sloweniens charmanteste und edelste Weinregion.

Wien. Zlatko Mavric, Winzer im slowenischen Weindorf Medana, platzt vor Tatendrang. Eifrig präsentiert er das Modell eines Hausanbaus mit Fremdenzimmern, der bis 2004 fertig sein soll. "Die Leute werden gerne hierher kommen", meint er. Stimmt. Die wenigen Gäste, die sich schon heute in die so genannte Goriska Brda verirren, fühlen sich sofort in ein Reservat selten gewordener bukolischer Freuden versetzt. Unerwartet finden sie sich in einer Mini-Toskana. Überall freundliche runde Hügel mit weißen Kirchen darauf, überall adrett gepflanzte Rebstöcke, efeuüberwachsene Adelssitze, Steinhäuser, Zypressen, Kirschgärten und Kellertreppen, die tief ins Erdreich führen. Das oft missbrauchte Wort "Idylle" drängt sich hartnäckig auf.

Geografisch ein Teil der friaulanischen Görzer Hügel ("Collio"), gehörte die Goriska Brda bis 1918 zum Habsburger Imperium und anschließend zu Italien, ehe sie nach dem Zweiten Weltkrieg an Titos Jugoslawien fiel. Slowenen, Österreicher und Italiener lebten jahrhundertelang Tür an Tür. Entsprechend multikulturell geht es immer noch zu. Die "Brici", wie sich die Brdabewohner nennen, reden das Italienische so flott wie eine zweite Muttersprache. Ihre Architektur mixt südliche und nördliche Einflüsse. Auf den Speisekarten gesellt sich das Wiener Schnitzel zum Triestiner Scampi-Risotto und einem krapfenähnlichen Kuchen namens Gubana. Der luftgetrocknete Rohschinken schließlich, slowenisch Prsut, stammt vom liebevoll gemästeten Hausschwein, ist daher unübertrefflich zart und verweist industriell gefertigte Vorbilder in die Supermarktregale. Von den 900 Winzern, die zu kommunistischer Zeit in der kollektiven Genossenschaft werkeln mussten, haben sich nach der Wende an die 150 selbstständig gemacht und dem internationalen Wettbewerb gestellt. Einige von ihnen - Stojan Scurek zum Beispiel, Edi Simcic, Aleks Klinec, Rudolf Skocaj - werden als viel versprechende Newcomer gehandelt, deren Sauvignon oder Grauburgunder kaum hinter den hochgeschätzten nachbarlichen Collio-Gewächsen zurücksteht. "Unsere Weine müssen unverwechselbar werden", so legt Topwinzer Ales Kristancic sich selbst und seinen Kollegen die Latte denkbar hoch. Offenbar sitzt ihm der Ehrgeiz in den Genen. Seine Familie, seit Generationen im Besitz des 1820 gegründeten Weinguts Movia, hatte selbst im roten Jugoslawien die Nase vorn. Wider die sozialistischen Sitten durfte sie als einzige außerhalb der Genossenschaft bleiben, allerdings mit der strikten Auflage, ihren gesamten Rebensaft abzüglich kleiner Mengen für den Hausgebrauch an Tito persönlich zu liefern. Welcher Typ von Urlauber hierher passt? Nur einer, der sich gerne in bäuerliche Bedächtigkeit hineinziehen lässt. Wandern zwischen Weingärten, begleitet von ganztägigem Vogelgezwitscher, ist angesagt. Radeln in eine Welt von gestern, bestückt mit zwei Meter hohen Rosen und sonnensatten Lavendelbüschen. Halt machen auf einem Aussichtsberg, über die Dörfer schauen, tief durchatmen. Am späten Nachmittag landet der Gast stillvergnügt in der Vinothek des Renaissanceschlosses Dobrovo, streckt die Beine unter den Holztisch und ordert neugierig eine halbe Flasche vom besten Rebula, jener Traubensorte, die nachweislich schon im 13. Jahrhundert auf den Brda-Hügeln wuchs. Das Getränk, leicht und frisch, gefällt ihm sehr. Selbiges lässt sich auch von der angenehm moderaten Rechnung sagen. Gewiss, die touristische Infrastruktur der Brda-Orte ist noch verbesserungswürdig. Es gibt nirgendwo ein Hotel und keineswegs an jeder Ecke ein Restaurant. Die rund 80 Fremdenzimmer in kleinen Gasthöfen und bei Winzern befriedigen bloß teilweise die üblichen Komfortwünsche. Den Brici ging es vorrangig darum, ihre Weingärten in Ordnung zu bringen. Erst seit kurzem liebäugeln sie mit dem zweiten Standbein Fremdenverkehr. Ganze Orte wie Smartno sind vom Baueifer erfasst und renovieren neue Mietappartments in alte Mauern hinein. Massentourismus ist aber nicht geplant. Die Goriska Brda soll auch künftig ein exklusives Plätzchen für Fein- und Weinschmecker sein. Information: Slowenisches Fremdenverkehrsamt, Maximiliansplatz 12 a, 80333 München, Telefon: 089/29 16 12-02, Fax: -73, E-Mail: slowenien.fva@-online.de TIC Brda, SI-5212 Dobrovo, Trg 25, Maja 2, Slovenija, Telefon: 00386/5/39 59 59-4, Fax: -5, E-Mail: obcina.brda@guest.arnes.si

 

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