Kleine Fluchten
Bed & Breakfast mitten in Lüneburg
Die Pension SahaRa in der altren Salzstadt birgt ein überraschendes Interieur. Afrikanisches Ambiente trifft auf Kolonialstil im Fachwerkhaus.
Draußen vor der Tür ist die Pension ein typisch norddeutscher Fachwerkbau – der Name Sahara auf dem ovalen Schild gibt zunächst Rätsel auf
Foto: pasdzior
Früher nannte man sie Frühstückspension. Dahinter verbarg sich eine einfache Übernachtungsherberge mit oft spießigem Ambiente. Dass es auch anders geht, haben Reisende vor allem in England und Frankreich kennengelernt, wo Bed-&-Breakfast-Pensionen und chambre d'hotes von ungleich mehr Gemütlichkeit geprägt sind. Das ansprechende Flair dieser Häuser kommt bei den Gästen seit jeher gut an. Zunehmend werden solche Unterkünfte nun auch in Deutschland etabliert. Auch die Pension SahaRa in der alten Salzstadt Lüneburg gehört dazu.
Für Susanne Radtke war ein längerer Aufenthalt in Namibia prägend, der sie letztlich veranlasste, in dieser Stadt ein Domizil dieser Art zu etablieren. Die Schleswig-Holsteinerin erlernte zunächst das Hotelfach, bevor sie ihrem anderen großen Interesse folgte und sich zur biologisch-technischen Assistentin ausbilden ließ. "Ich wollte schon immer ins Ausland", erzählt sie. Diesen Wunsch erfüllte sie sich dann, durch eine Beurlaubung ging sie zunächst nach Kanada und dann nach Afrika, wo sie auf einer Gästefarm arbeitete. Und aus dem ursprünglich geplanten einem Jahr wurden dann ganze drei.
Nachdem sie ihren Mann geheiratet hatte, kehrte sie nach Deutschland zurück. "Mich hatten die B & Bs in Namibia sehr begeistert, und nun suchte ich nach einem Ort, um eine kleine und charmante Gästepension zu gründen", erzählt sie. Da ihr Mann in Hamburg als Ingenieur arbeitet, sollte es in näherer Umgebung sein. "Lüneburg kannte ich von einem Schulausflug", erinnert sie sich, "und nun stellte ich fest, dass es hier viel Tourismus, aber nicht ausreichend Übernachtungsmöglichkeiten gibt." Sie entdeckte diese Immobilie, die war "nett, günstig, zentral und individuell", wie sie befand. "Hier passt alles zusammen, die Größe ist überschaubar, der Aufwand hält sich in Grenzen, und die vielen netten Gäste bereichern mein Leben. Alles genauso, wie ich es mir gewünscht habe", sagt sie.
2008 erwarb das Paar das denkmalgeschützte Haus, und nach einer Komplettsanierung wurde es ein Jahr später eröffnet. Zuvor waren hier eine Segelschule, ein Frauenhaus, ein buddhistisches Zentrum sowie ein kleines Kinderheim beheimatet. Die Benennung der Pension war schnell gefunden. Obwohl die Sahara bekanntlich in Afrika liegt, hat der Name dennoch nichts damit zu tun, sondern setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen der Familie, nämlich Susanne, Andreas, Henri, Alexander und dem Nachnamen Radtke zusammen.
Die Herberge liegt nur einen Steinwurf vom Rathaus an einer ruhigen Seitenstraße mit dem ungewöhnlichen Namen "Zum reitenden Diener". Dieser weist darauf hin, dass hier früher die Angehörigen der Reitergarde für den Stadtrat gewohnt haben, angeblich in den ersten Reihenhäusern Deutschlands. An den Häusern sind noch die schmuckvollen Familienwappen zu sehen. Das rotbraune Fachwerkgebäude, in dem sich die Pension befindet, fällt in dieser Häuserzeile sofort auf.
Die Diele in afrikanisch anmutendem Ambiente überrascht zunächst, wirkt jedoch sehr gemütlich. Die fünf Zimmer und eine Ferienwohnung tragen so schöne Namen wie Akazie, Morgenröte, Wüstenblume oder Zimmer zum Garten und kennzeichnen damit das jeweils Charakteristische der Räume. "Ich habe die Einrichtung im Kolonialstil selbst erstellt", sagt die Inhaberin, "wobei mir die Abstimmung von Farben und Materialien wichtig war."
So zieht sich das afrikanische Thema durch das ganze Haus, und wenn man nicht wüsste, dass es inmitten der Stadt steht, könnte man glauben, man befände sich auf einer einsamen Lodge irgendwo in Afrika. Auch für Kinder ist diese Unterkunft gut geeignet. So stehen Babybetten und -wannen ebenso zur Verfügung wie Hochstuhl und Spielsachen. Zudem ist das Haus ein Nichtraucherhotel. Eine Missachtung kommt den Gast teuer zu stehen, denn für die Komplettreinigung werden 150 Euro in Rechnung gestellt, worauf dezent hingewiesen wird.
Morgens kommen zum Frühstück alle Gäste in der Wohnküche an einem Tisch zusammen, auf dem unter anderem köstliche, selbst gemachte Bio-Marmeladen bereit stehen. In geselliger Runde kommt man schnell mit den anderen Urlaubern ins Gespräch. Die Gastlichkeit kommt gut an, fast alle Besucher versprechen, wiederzukommen.
"Hier wird man nicht, wie in der Wüste, stehen gelassen, sondern warmherzig empfangen und beherbergt", steht dementsprechend im Gästebuch. "Das Sahara ist eine wundervolle Oase in einer wunderbaren Stadt", schreibt ein anderer Besucher. Dem ist nichts hinzuzufügen.




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