03.12.11

Kleine Fluchten

Ein Neubau, der Erinnerungen weckt

Die an historischer Stelle errichtete Upstalsboom Hotelresidenz im Ostseebad Kühlungsborn wird sehr gut angenommen.

Foto: PR
Das Hotel mit 152 Zimmern und 18 Suiten inmitten einer alten Parkanlage
Das Hotel mit 152 Zimmern und 18 Suiten inmitten einer alten Parkanlage.

Im Fahrstuhl trifft Hoteldirektor Thomas Peruzzo einen Gast, eine Dame, die aus Kühlungsborn stammt, aber jetzt in Hamburg lebt: "Hier, an dieser Stelle bin ich geboren. Und hier haben sich meine Großeltern beim Tanzen kennengelernt."

Wie das sein kann? Ganz einfach: Wo seit dem 1. April das neue, schneeweiße "Schloss" der renommierten Usptalsboom-Hotelkette steht und mit dem Namen "Residenz & Spa" glänzt, stand vor dem Krieg das Kurhaus der erst 1938 zu Kühlungsborn zusammengelegten Gemeinden Arendsee, Brunshaupten und Fulgen. Im Zweiten Weltkrieg diente dieser ehemalige Tanzpalast als Lazarett für verwundete Soldaten. Später, in der DDR-Zeit, war es das Kreiskrankenhaus, in dem viele Menschen aus der Region geboren oder gesund gepflegt wurden.

Thomas Peruzzo, der in Kopenhagen geboren wurde und das Temperament seines italienischen Vaters und die für die Dänen typische Fröhlichkeit der Mutter geerbt hat, freut sich über solche Begegnungen. Er kennt natürlich die Geschichte des Kurhauses und weiß spätestens seit Ende März um die emotionale Bedeutung des Ortes für die Menschen an diesem schönen Stück mecklenburgischer Küste. Kurz vor der Eröffnung kamen 3500 Menschen zum Tag der offenen Tür, und der 36-jährige Hotelfachmann hörte von allen Seiten: "Weiß du noch, damals ..."

Die neue Residenz ist kein kleines Kuschelhotel, sondern eher ein junges Grandhotel mit immerhin 152 komfortablen und großen Zimmern sowie 18 luxuriösen Suiten. Es zeichnet sich aus durch viel Charme, lebhafte Farben und sympathische Nostalgie-Anklänge. An vielen Stellen nimmt es geschickt die Geschichte des Vorgängerhauses auf, das 2009 abgerissen wurde. Erhalten blieb die alte Parkanlage hinter dem Haus, die so beruhigend wirkt, dass es schon jetzt Gäste gibt, die beim zweiten und dritten Besuch ganz bewusst nicht den Seeblick, sondern die Aussicht ins Grüne buchen.

In der Lobby setzt ein Kronleuchter das in den Boden eingelassene Stadtwappen mit den drei Möwen ins rechte Licht; sie symbolisieren die Ursprungsorte von Kühlungsborn. An diese ehemaligen Dörfer erinnern auch die Namen dreier ganz unterschiedlicher Lokale: Im Genießer-Restaurant Brunshaupten, mit warmen Brauntönen im Bistro-Stil eingerichtet, kocht Fritz Glasow ambitioniert und ausgesprochen experimentierfreudig; das Restaurant Fulgen unter Leitung von Matthias Seifert bietet gutbürgerliche und anspruchsvolle Küche, dort wird auch das Frühstück eingenommen, im Sommer besonders gern auf der Terrasse vor der Kulisse der alten Bäume im Park; das Wiener Café Arendsee verwöhnt mit feinstem Naschwerk aus eigener Patisserie und einem Kaffee-Angebot, wie es heute selbst an der Donau selten geworden ist. Und die Raucherecke weist auf das Gründungsjahr des einstigen Kurhauses hin: Smoker's Lounge 1906.

Dem gesamten kulinarischen Bereich steht Christian Tröger vor, der zugleich Peruzzos Stellvertreter ist. Allen wesentlichen Abteilungen sind Handschrift und Herkunft der leitenden Personen anzumerken. So bringt die Hausdame Nadine Kann entsprechende Erfahrungen aus dem Hamburger Atlantic-Hotel ein. Und die Spa-Chefin Nadine Juras, die mit ihrem Team ein Verwöhnreich von 1300 Quadratmetern mit Schwung und Stil ausfüllt, hat Thomas Peruzzo aus dem Düsseldorfer Hotel Nikko weggelockt, das er zu Beginn des Jahres verlassen hat, um die Upstalsboom-Residenz zum ersten Haus in Kühlungsborn zu machen.

Eine Hotelfachzeitschrift brachte kürzlich Ambiente und Atmosphäre der Residenz auf den Punkt: "Gehoben, aber nicht abgehoben". Im Neubau an der Ostseeallee, einer schmalen Tempo-30-Straße, geht es locker zu, von den Zimmern mit ihren großen Balkonen - zum Meer wie zum Park hin - bis zur Pool-Landschaft und dem Sauna-Bereich oder dem Spa.

Überall verstärken maritime Details wie Steh- und Tischlampen aus Treibholz oder große Fotos mit See- und Strandmotiven hinter den Betten den Eindruck des Individuellen. Für Touren in die reizvollen Umgebung, zum Höhenzug Kühlung, nach Bad Doberan oder Heiligendamm, stehen 80 Gäste-Fahrräder, davon 15 mit elektrischem Antrieb, zur Verfügung. Thomas Peruzzo freut sich auch darüber und sagt: "Sie wurden schon in der ersten Saison so gut angenommen wie das ganze Haus."

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