26.11.11

Kleine Fluchten

Pompös und herrschaftlich: Eine Nacht in Napoleons Suite

Das Hotel Burg Wanzleben in Sachsen-Anhalt beherbergte schon Kaiser und Königinnen. Die Hotelgäste von heute bewohnen Premiumzimmer.

Von Dolores Kummer
Foto: Hotel Burg Wanzleben
Die Einrichtung der Zimmer ist eine Mischung aus Mittelalter, Moderne und Fernost. In einer der Suiten übernachtete auch schon Friedrich der Große
Die Einrichtung der Zimmer ist eine Mischung aus Mittelalter, Moderne und Fernost. In einer der Suiten übernachtete auch schon Friedrich der Große

Vor den Toren der Landeshauptstadt Magdeburg liegt die Burg Wanzleben, eine der größten Flachlandburgen Europas. Typisch für diesen Landstrich sind die riesigen Rüben-, Mais- und Weizenfelder. Die Magdeburger Börde besitzt sehr fruchtbare Böden, war einst Hochburg von Zuckerbaronen und Süßwarenfabrikanten. Auch der Amthauptmann Johann Christoph Kühne, der 1778 die königlich preußische Domäne Wanzleben pachtete, war Landwirt. In fünf Generationen brachte es die Familie zu wirtschaftlichem Wohlstand, bis 1945 das Land enteignet wurde. Doch 1993 kaufte Friedrich-Wilhelm Kühne den Familiensitz zurück und begann mit einer aufwendigen Restaurierung. Zehn Jahre später kamen die ersten Hotelgäste.

Fährt man heute durch den mittelalterlichen Torbogen auf die Burg, fällt gleich der 30 Meter hohe Bergfried ins Auge. Der fünfgeschossige Wohnturm ist mehr als 1000 Jahre alt und dient heute nur noch einer Wanderfalkenfamilie als Herberge. Die Hotelgäste bewohnen die Premiumzimmer im historischen Pferdestall, Burgzimmer und Burgsuiten in der alten Meierei oder im Herrenhaus. Das Interieur ist eine Mischung aus Mittelalter, Moderne und Fernost. Die Kühnes haben lange Zeit in Asien gelebt.

Die Zimmer sind pompös und herrschaftlich, die Suiten richtige Säle, zum Teil mit mittelalterlichen Deckenbalken und Rundbögen, alles mit einem unaufdringlichen Hauch von Luxus. Die Badewannen sind groß genug für zwei, und der antik wirkende Fliesenboden ist beheizt. Besonders stilvoll sind die Stoffe in warmen, südlichen Farben mit schönen Mustern. Hier merkt man den Einfluss der Tochter des Burgherren. Elisa Kühne ist Modedesignerin. Ihre Seiden-Kollektionen präsentiert sie auch auf Burg Wanzleben.

Die Wände schmücken Ölgemälde, Stahlstiche oder Kalligrafien. Der alte Fritz ist öfter zu sehen, denn Friedrich der Große war mehrfach Gast auf Burg Wanzleben, ebenso die preußische Königin Luise und sogar Kaiser Napoleon.

Bemerkenswert ist auch der elegante Rote Saal mit seiner antiken Bestuhlung, von der keiner genau weiß, wie alt sie wirklich ist oder das Kornhaus mit der großen Hofterrasse und einem Wallnussbaum in der Mitte. Von den Balkonen des Kornhauses schaut man tief hinab an den Burgmauern in den weitläufigen Park, wo man am frühen Morgen in aller Ruhe joggen kann. Überhaupt ist es hier still. Kein Lärm, dabei ist man in 15 Minuten im Stadtzentrum von Magdeburg.

Das Gebiet zwischen Harz, Elbe und Saale erblühte im frühen Mittelalter neben Rom und Byzanz zu einem bedeutenden Zentrum der Macht. Davon zeugen zahlreiche Klöster, Burgen und Kirchen an der "Straße der Romanik", zu denen auch Wanzleben zählt. Ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge nach Halberstadt mit dem weltgrößten mittelalterlichen Domschatz oder in die Fachwerkstadt Quedlinburg, wo kürzlich das 800-jährige Fachwerkhaus, das älteste Deutschlands, entdeckt wurde.

Am Abend, wenn die Sonne sich über den Bergfried senkt, wartet noch eine besondere Überraschung auf Burg Wanzleben. Das Gourmetrestaurant Philipp August im alten Pferdestall hat 14 Punkte im Gault Millau. Es ist eins der "Top Five" im Land Sachsen-Anhalt. 1869 erbaute Philipp August Kühne diesen Stall mit einer kunstvoll gemauerten Schwalbenschwanz-Gewölbedecke. Die gusseisernen Säulen sind aus Kanonenrohren der Magdeburger Krupp Gruson Stahlfabrik. Philipp August züchtete hier rheinisch-deutsche Kaltblüter mit so klangvollen Namen wie Goliath von Wanzleben, Turmfalke oder Titus. Auf Bildern sind die jetzt in der gemütlichen Kaminlobby zu bewundern, wo es schon mal einen kleinen Aperitif vorweg gibt.

Danach darf man sich in die Obhut von Chefkoch Chris Albersdörfer und Restaurantleiter Sebastian Helmecke begeben. Mit viel Zeit begleiten sie die Gäste durchs Menü. Chris Albersdörfer kocht gerne neue deutsche Küche mit einem mediterranen Einschlag und asiatischen Elementen: Marinierte Gurke mit gebratenen Jacobsmuscheln und Senfvinaigrette oder Filet vom Saibling mit kandierter Zitrone, getrockneten Tomaten und gedünstetem Gemüse. Seine große Leidenschaft sind allerdings die süßen Dinge. Der 32-Jährige ist ein exzellenter Patissier. So serviert er gebackenen weißen Pfirsich, Kirschmousse, Limonentarte, Grapefruitgelee, Himbeermarshmellows oder hausgemachtes Schokoeis. Die begleitenden Weine kommen aus den Anbaugebieten von Saale-Unstrut und Sachsen.

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