02.07.11

Kleine Fluchten

Königlicher Kro mit regionalem Geschmack

Neben historischem Charme bietet das Hotel Saxkjøbing auf der dänischen Insel Lolland innovative regionale Gourmetgenüsse

Von Christoph Schumann
Foto: schumann
Viele Gäste kommen aufgrund der Berühmtheit des Spitzenkochs Claus Meyer
Viele Gäste kommen aufgrund der Berühmtheit des Spitzenkochs Claus Meyer

Mit seinem warmen Gelb dominiert das Hotel Saxkjøbing den Marktplatz von Sakskøbing auf Lolland. Fast scheint es, als throne das historische Gebäude selbstbewusst in unmittelbarer Nachbarschaft von roter Backsteinkirche und altem Rathaus der Provinzstadt im Nordosten der dänischen Ostseeinsel. Ein Eindruck, der nicht täuscht: Immerhin erhielt das Haus schon 1835 den Titel eines "Kongelig Priviligeret Kro", eines vom Königshaus ausgezeichneten Landgasthauses also.

Seitdem hat das kleine Hotel viel Geschichte und Geschichten erlebt, bis zur neuen Schreibweise seines Heimatortes - mit "ks" und ohne "j". Immer geblieben aber ist die Funktion des Hotels als zentrale Anlaufstelle der Stadt, in dessen Restaurant und Versammlungsräumen sich Einwohner und Reisende begegneten.

Eine Neuerweckung erlebte das Landhotel 2005. Damals kaufte der dänische Spitzenkoch Claus Meyer mit Gleichgesinnten das Anwesen. Der 1963 in Nykøbing zur Welt gekommenen Gastrostar gehört zu den Gründern des Kopenhagener Restaurants Noma (von nordisk mad - nordisches Essen), das in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge zum besten Restaurant der Welt gekürt wurde. Meyer hat einen Traum: Er möchte die regionale Küche dort wiederentdecken und neu beleben, wo sie "erfunden" wurde und noch heute zum Einsatz kommt - in der Provinz.

Damit steht das Hotel Saxkjøbing ganz im Geist der von Meyer und anderen skandinavischen Köchen 2004 ins Leben gerufenen "Neuen Nordischen Küche", die mit dänischen Esserlebnissen rund um den Globus für Verzückung sorgt. "Für meine Gerichte werden nur ausgesuchte, frische Zutaten der jeweiligen Region verwendet", sagt Claus Meyer. "Ich arbeite ganz nah an der Natur und dem Wechsel der Jahreszeiten. Meine Gerichte entspringen der heimischen Landschaft." Zwar steht Meyer nicht selbst in der Küche des Hotels, erzählt Andreas Wagner, einer der Hausköche. Doch einmal in der Woche schaue er vorbei. "Wir entwickeln alle Gerichte mit Claus Meyer und stehen in ständigem Kontakt", sagt Wagner.

Gäste können Genüsse wie "Meyers kalt geräucherten Lachs mit Apfel-Sellerie-Salat" kosten. Dazu gibt es das monatlich wechselnde Gericht "Smag Lolland-Falster", sprich: "Koste Lolland-Falster", ein jeweils saisonal typisches Essen der Region. Alles zu Preisen zwischen umgerechnet 15 und 30 Euro für den Hauptgang. Die Zutaten stammen von Produzenten aus dem Umkreis. "Loma" wird die Art zu kochen genannt, in Anlehnung an das bekannte Noma - "Lollandsk mad", Essen von Lolland.

"Zu unseren Lieferanten gehören der Bio-Bauernhof Knuthenlund oder der Obsthof Lolles Gård auf der Insel", erzählt Hilary Karlson, die seit Herbst 2010 das Hotel leitet. Dazu Biere und Säfte aus Meyers eigener Produktion - der Koch besitzt Obstplantagen auf Fejø im Smålandsfahrwasser, auf denen auch alte Apfelsorten gepflegt werden.

Monatlicher Gourmet-Höhepunkt im Hotel Saxkjøbing ist die Volksküche, zu der bekannte Köche aus dem ganzen Königreich eingeladen sind, ihre Interpretation der neuen lokalen Küche zu präsentieren. In diesem Jahr gehören dazu Katrine Klinken, Kochbuch-Autorin, und David Fischer vom Pastaværtshus aus Kopenhagen. Claus Meyer ist im September zu Gast im eigenen Haus, dann geht es um die Verbindung aus Obsternte und Volksküche.

Für jenes Wochenende sind alle 24 Doppelzimmer im Hotel Saxkjøbing schon ausgebucht. Wie überhaupt vorrangig an Wochenenden aus Kopenhagen zahlreiche Gäste anreisen. Sie kommen meist wegen des großen Namens Claus Meyer. Aber auch, um "bei uns auf dem Land zu entspannen und die einmalige Mischung aus stressfreier Atmosphäre und heimischen Gaumenfreuden zu erleben", so die gebürtige Britin Hilary Karlson, die vor ihrem Umzug nach Lolland ein Weingut in Frankreich führte. Diese Leidenschaft fügte sie ihrem neuen Haus als weitere Note hinzu, auf dessen Karte man jetzt rund 150 verschiedene Weine findet.

Die Zimmer des Hotels Saxkjøbing sind zwar eher klein, verströmen aber viel Charme. Ausgestattet teils mit Erbmöbeln aus dem Besitz von Claus Meyer, teils designt vom dänischen Künstler John Kørner, passen die Unterkünfte perfekt zum Gesamtkonzept des "Projekts", als das man das Hotel Saxkjøbing ohne Frage bezeichnen kann: Das Einfache, Unaufwendige mit höchsten Ansprüchen zu verbinden. Und das nicht in einer europäischen Metropole, sondern bewusst abseits der internationalen Zentren - in der Provinz.

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