Seltsame Tipps für US-Touristen
Der Irak-Konflikt hat auch weitab der Golfregion Konsequenzen.
Washington/Hamburg. Der Streit um die Irak-Frage beeinflusst auch den transatlantischen Tourismus. So raten US-Experten ihren Landsleuten neuerdings bei Reisen nach Europa besondere Vorsicht walten zu lassen. Die Firma iJet Travel Intelligence, auf die Sicherheit von Reisenden spezialisiert, veröffentlichte in der Zeitung "USA Today" eine Reihe von Tipps, um Konfrontationen mit Europäern zu vermeiden. Dazu gehört, dass US-Touristen politische Diskussionen nur an privaten Orten führen sollten und nicht etwa "in Kneipen mit rowdyhaftem Charakter". Auch sollten sie amerikanische Fast-Food-Ketten meiden und nach Möglichkeit ihren Reisepass nicht zeigen. Laut "USA Today" ist die Atmosphäre für US-Bürger in Europa zunehmend unangenehmer geworden: "Von spanischen Plazas bis zur Pariser Metro werden amerikanische Touristen befragt, in die Mangel genommen und sogar bespuckt", heißt es in dem Blatt. Colleen Frost, eine Zahntechnikern aus dem US-Bundesstaat New Mexico, wurde nach eigener Schilderung an ihrem ersten Tag in Berlin von ihrem Taxifahrer mit dem Vorwurf von "Amerikas Größenwahn" konfrontiert. Laurel Scapiccio ausMassachusetts erzählte der Zeitung, zwei Männer hätten sie und ihre 13-jährige Tochter an einer Metro-Haltestelle in Paris als "Schweine" beschimpft. Vanina Eckblad wurde auf der Straße aufgefordert, "dorthin zurückzugehen, wo sie herkomme". Angesichts solcher Vorfälle rät Bruce McIndoe, der Chef von iJet Travel Intelligence, US-Touristen, Kleidung mit der US-Fahne oder dem Logo von US-Sportteams zu vermeiden. Auch sollten sie leiser sprechen: "Amerikaner stechen ihre Gastgeber typischerweise in der Lautstärke aus." Aus Sorge um ihr Ansehen in Nordamerika haben unterdessen die zehn französischen Hotels der Sofitel-Kette die Trikolore eingeholt. In diesen Zeiten könnten die US-Gäste die französische Flagge als "Provokation" missverstehen, sagte eine Sprecherin des Mutterkonzerns Accor in New York. "Die Töne gegen Frankreich in den USA sind hart", erklärte Helen Lalitte. "Sobald sich die Dinge etwas beruhigt haben, werden wir die Fahnen wieder hissen." Das Einholen der Flaggen sei "keine politische Entscheidung". Aber: Im Zuge des Streits im Sicherheitsrat, wo Frankreich mit seinem Veto ein UN-Mandat für einen Irak-Krieg blockieren könnte, habe Sofitel zahlreiche feindliche Briefe und Anrufe erhalten. Ganz wollten die Hotels ihre französische Herkunft dennoch nicht verheimlichen, sagte Lalitte. Weine aus Bordeaux und Haute Cuisine blieben auf der Speisekarte. "Sie werden immer noch mit einem "Bonjour" begrüßt", fügte die Sprecherin hinzu. In den USA war bereits mehrfach die Forderung nach einem Boykott französischer und deutscher Produkte laut geworden. Auch die Urlaubsplanung der Deutschen gerät durch den Irak-Konflikt durcheinander. Gaben 2002 noch 28 Prozent aller Reiselustigen an, durch die Krise am Golf und Terrorgefahren verunsichert zu sein, sind es derzeit 44 Prozent, so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des "Stern". Demnach schätzen die Deutschen die Schweiz derzeit als sicherstes Reiseland ein. Als gefährliche Regionen empfinden sie dagegen Südamerika, Südostasien, Nordafrika - und die USA.



Branchenbuch Hamburg


100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages





