Meilen & Mehr
Zwischenstopp in der Bahn-Ödnis
Hagenow Land gewinnt keinen Schönheitspreis. Jedenfalls nicht der Bahnhof. Vermutet man im ersten Anschauen brettervernagelter Bahnhofsfenster noch das berühmte Provisorium, spricht der leer und kaputt aussehende Aufzugschacht schon eine deutlichere Sprache. Die Lautsprecher schweigen, der Reisende muss sich seinen (ziemlich langen) Umsteigeweg gefälligst selbst suchen. Nirgendwo ist eine DB-Uniform zu sehen, dafür Automaten und Überwachungskameras. Dass, wie von der DB beklagt, hier Vandalismus blüht, ist kein Wunder.
Muss es so aussehen? Das Unternehmen nimmt für jeden der täglich 75 Züge, die halten, Stationsgebühren. Rein kaufmännisch gesehen ist das eine nette Rechnung; steht doch auf der Ausgabenseite ein vermutlich minimaler Betrag, während die Einnahmequelle lustig sprudelt.
Wie es auch anders geht, zeigen viele Bahnhöfe in Hamburgs Umgebung. Ludwigslust, nur 20 Minuten entfernt, hält sich wacker. Uelzens Hundertwasser-Station ist zu Recht vielfach besungen worden. Buchholz (Nordheide) wirkte zuletzt ebenfalls belebter als die Hagenower Ödnis. Wie es im Mecklenburgischen nachts zugeht, möchte man sich nicht ausmalen.
Natürlich könnte man einwenden, Hagenow Land sei schützenswerte Urform des Bahnfahrens, ein "Zurück zu den Wurzeln"-Bahnhof, im originalen, Nachwende-Reichsbahnzustand - jedenfalls fast. Das klappt aber nicht, weil auch Stationen ganz woanders ähnlich trostlos daherkommen. Das spätklassizistische Bahnhofsgebäude steht übrigens schon seit DDR-Zeiten tatsächlich unter Denkmalschutz, wie aus dem Ludwigsluster Landratsamt zu erfahren war.
Die kaufmännische Binsenweisheit, dass der zurückkehrende Kunde der beste ist, hat sich noch nicht in alle DB-Etagen herumgesprochen. Ein paar Eimer Farbe, ein mittelgroßer Auftrag an den ortsansässigen Glaser, vielleicht ein paar Pflanzkübel würden in Hagenow Land schon eine Menge verändern, auch wenn das Gebäude "nicht mehr betriebsnotwendig" ist.
Dass hier jetzt auf dem Bahnhof mal ein bisschen repariert werden soll, kann nur ein Anfang sein. Der Umsteiger ist jedenfalls froh, wenn der Regionalexpress nach Hamburg heranrauscht und er diesen ungastlichen Bahnhof, für den man tatsächlich einen Käufer sucht, wieder verlassen darf. Denn hier fühlt man sich nicht angekommen, sondern höchstens kurz geduldet.



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