TUI nimmt das Elefantenreiten aus dem Programm

Reiseveranstalter reagieren auf die Forderung, den Tierschutz tunlichst zu berücksichtigen

Der Tierschutz gewinnt unter den Reisenden an Fürsprechern. Noch vor gut zehn Jahren befragte die BBC die Briten, welche 20 Dinge sie vor dem Tod noch tun möchten. An erster Stelle stand Delfinschwimmen. Dagegen laufen Schutzorganisationen seit Langem Sturm: keine artgerechte Haltung, mangelnde Hygiene, Unfälle. Mit Erfolg. Vor fünf Jahren nahmen deutsche Reiseveranstalter diverse Delfinarien aus ihren Programmen. Seit Anfang 2014 hat die TUI, Europas größter Reiseveranstalter, alle – außer Seaworld – gestrichen. "Das war eine schwere Entscheidung, die finanziell wehgetan hat", sagt Mario Köpers, Sprecher von TUI. Zumal es in der Branche keinen Konsens gebe. Wo die TUI den Tieren zuliebe aussteigt, füllen andere die Lücke.

Die TUI Deutschland versteht sich als Vorreiter im Tierschutz und geht Gästebeschwerden über Tierquälerei nach. Angebote wie Stier- und Hahnenkämpfe sind längst nicht mehr buchbar. Abgeschafft hat das Unternehmen auch das Fotografieren mit Papageien, Leguanen oder Koalas in Hotels. "Heute sind die Elefanten die neuen Delfine", sagt Dr. Harald Zeiss, Leiter des Nachhaltigkeitsmanagement bei TUI. Der Ritt auf dem Elefanten ist für Asienreisende ein Abenteuer. Doch der Dickhäuter ist von Natur aus ein Dünnhäuter. Um ihn gefügig zu machen, muss sein Wille gebrochen werden. "Das erreicht man nur durch Folter, Futterentzug oder tagelanges Anketten", sagt Zeiss.

Das Unternehmen weiß, dass sich die Maßnahmen nur zusammen mit Gästen und Vertragspartnern vor Ort durchführen lassen. "Veränderungen brauchen manchmal Jahre, Schritt für Schritt", sagt Zeiss. Elefantenreiten will TUI Deutschland bis Ende 2015 aus dem Programm nehmen und ersetzen: Auch eine Walking Safari neben einem Elefanten könne sehr spannend sein, meint Zeiss. Wie zwiespältig und kompliziert die Sache ist, sieht man auch an solchen Alternativen. Denn der Elefant muss auch hierfür trainiert werden. Zeiss' Perspektive: "Alle Angebote sollen aus dem Programm, bei denen Tiere gequält werden."