Flugsicherheit
Können Passagiere bald wieder ihr Wasser mit an Bord nehmen?
Eine neue Technologie ermöglicht besseres Erkennen von Sprengstoffen. Flüssigkeiten im Handgepäck sollen ab 2013 wieder erlaubt sein - wenn es bis dahin neue Scanner gibt.
Nach der aktuellen Regelung der Europäischen Union, dürfen maximal 100 Milliliter pro Behälter mitgeführt werden. Wenn es bis 2013 Scanner an den Flughafen-Sicherheitskontrollen gibt, die Flüssigsprengstoff im Handgepäck erkennen und Substanzen wie Wasser oder Shampoo unterscheiden können, soll das Verbot fallen..
Foto: DPA
Vor drei Jahren begann im weltweiten Kampf gegen den Terrorismus ein neues Zeitalter für Flugpassagiere: Die Ära von Durst auf Langstreckenflügen, erhöhter Thrombosegefahr als Folge von Wassermangel und riskanter Verpackungsarten für Flaschen im Koffer. Grundlage ist das EU-Flughafengesetz vom 6. November 2006, das aus Angst vor Bomben aus Flüssigsprengstoff, die Attentäter an Bord zünden könnten, eingeführt wurde. Seither ist nur noch die Mitnahme von Flüssigkeiten in maximal zehn 100-Milliliter-Behältern erlaubt, müssen Flaschen im aufzugebenden Gepäck verstaut werden. Da überlegt man sich zweimal, ob man Olivenöl aus der Toskana oder Champagner aus Frankreich zwischen der Kleidung im Koffer verstaut, weil die Unternehmung in einer Riesensauerei enden kann, wenn man bedenkt, dass mit dem Gepäck auf den Flughäfen nicht gerade zimperlich umgegangen wird.
Doch dieses Flüssigkeitsverbot könnte bald ein Ende haben. Die EU-Regierungen haben einen Vorschlag für die Handgepäckregelungen an europäischen Flughäfen erarbeitet und damit einen Plan der Europäischen Kommission zurückgewiesen. Dieser sah vor, das Flüssigkeitsverbot in drei Abstufungen bis 2014 zu verlängern. Die derzeitige 100-Milliliter-Plastikbeutel-Regelung gilt nur noch bis April 2010.
Nach dem neuen Vorschlag der EU-Regierungen soll das Flüssigkeitsverbot in zwei Stufen fallen: Ab 29. April 2011 sollen zunächst Transferpassagiere aus Nicht-EU-Staaten Duty-free-Einkäufe wie Spirituosen und flüssige oder gelartige Kosmetikartikel mit an Bord nehmen dürfen. Im nächsten Schritt soll 29. April 2013 das Flüssigkeitsverbot komplett aufgehoben werden.
Ohnehin sei das Flüssigkeitsverbot weitestgehend überzogen, sagt Rolf Tophoven, Leiter des Instituts für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik. Terroristen würden an den gegen sie gerichteten Sicherheitsmechanismen lernen und mit immer intelligenteren Methoden arbeiten. "Man kann das Flüssigkeitsverbot geschickt umgehen", sagt Sicherheits- und Risikoberater Sven Leidel von Airsecurity: "Derzeit könnten zehn Terroristen auf einem Flug einchecken und jeweils 100 Milliliter Flüssigsprengstoff - also insgesamt einen Liter - legal und unbehelligt mit in das Flugzeug nehmen."
Voraussetzung für die Aufhebung des Flüssigkeitsverbots ist, dass es bis 2013 Scanner an den Flughafen-Sicherheitskontrollen gibt, die Flüssigsprengstoff im Handgepäck erkennen und von Substanzen wie Wasser oder Shampoo unterscheiden können.
Hersteller entsprechender Scanner wie Reveal Imaging oder Technolog sehen ihre Technologie längst als marktreif, und mancherorts sind die Geräte schon im Einsatz - beispielsweise auf Flughäfen in Tel Aviv (Ben Gurion) und Tokio (Narita), außerdem arbeiten die USA laut "Wall Street Journal" bereits intensiv an einer Ausstattung ihrer Flughäfen mit Flüssigkeitsscannern. Europa hinkt hinterher: "Die Technologie bedarf noch der Zulassung durch die europäischen Genehmigungsbehörden. Am Flughafen in Manchester etwa stehen unsere Geräte in der Abflug-Kontrolle. Die Zulassungsprüfverfahren laufen", sagt Eric Runkel von Technolog.
Bei einer Flüssigkeitsdurchleuchtung werden mehrere spezifische Daten erfasst. Eine besondere Software erkennt dann Sprengstoffe an ihren chemisch-physikalischen Eigenschaften. Wie Messer oder Waffen bei herkömmlichen Sicherheitskontrollen wird gefährliche Flüssigkeit über einen Monitor dargestellt. "Vorhandene Röntgenscanner können nicht nachgerüstet werden", sagt Runkel. Das Umrüsten auf den rund 150 Flughäfen Europas wird teuer werden, je nach Gerätetyp kostet ein Flüssigkeitsscanner zwischen 200 000 und 300 000 Euro.
Der Flughafenverband ADV zweifelt an der Verlässlichkeit der Geräte. "Die Fehlerquote ist hoch, und ob die Technologie 2013 marktreif sein wird, ist fraglich", sagt Ralph Baisel, Hauptgeschäftsführer vom ADV. Drängt sich die Frage auf, warum Europa mit einer Zulassung auf sich warten lässt, obwohl Flüssigkeitsscanner andernorts längst in Betrieb sind. "In Europa müssen die Scanner bei deutlich mehr Flüssigkeiten Alarm schlagen als in den USA ", so Baisel.
Im schlimmsten Fall müssen sich Passagiere erneut auf unterschiedliche Sicherheitsstandards an Flughäfen einstellen.




Branchenbuch Hamburg


100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages





