Sevilla häppchenweise erleben

Nicht nur Carmen macht den Ruf der Stadt aus - Kenner loben die Vielfalt der Tapa-Bars.

Sevilla. Liegt Kolumbus, der Entdecker Amerikas, nun in der Kathedrale von Sevilla begraben oder doch in der Hauptstadt der Dominikanischen Republik? Das Rätsel wollen spanische Wissenschaftler im Dezember an Hand des Erbguts von Kolumbus' Bruder Diego lösen. Wie dem auch sei: Der von vier Statuen - sie symbolisieren die Königreiche Len, Kastilien, Aragon und Navarra - flankierte Sarkophag aus Bronze und Alabaster wird eine der Touristenattraktionen bleiben. Denn die Legende weiß: Es bringt Glück, mit der Hand über den nackten Fuß der Len-Statue zu streichen. Der ist deshalb schon blitzblank gerieben.

Sevilla, quirlige Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, Sitz von Regierung und Parlament der autonomen Region Andalusien und viertgrößte Stadt Spaniens, liegt am Fluss Guadalquivir und ist an Schönheit und pulsierender Lebensfreude kaum zu übertreffen. Prachtstraßen laden ganzjährig zum Flanieren und Einkaufen ein, wie das Labyrinth verwinkelter Gässchen des ehemaligen Judenviertels Santa Cruz. Durch kunstvoll geschmiedete schwarze Fenster- und Balkongitter leuchten kontrastreich rote Geranien an kalkweißen Fassaden. Offene Türen erlauben einen Blick in blumenübersäte Patios, jene schattig-kühlen Innenhöfe.

Mittags, abends, nachts ist "ir de tapas" angesagt. Zusammen mit Freunden geht man kleine Happen essen. Von Bar zu Bar, von Taverne zu Taverne. Verführerisch duften von der Decke hängende Schinken, Teller mit kleinen Köstlichkeiten machen Appetit. Man steht am Tresen oder setzt sich an winzige Tische und wartet, dass der Kellner immer neue unterschiedlich belegte Teller nachschiebt: Langostinos, Gambas al pil pil (Shrimps in heißem Knoblauchöl), Boquerones (sauer eingelegte Sardellen), Coquinas del Mar, Conchas finas und Almejas (drei Muschelarten), Tintenfischringe, winzige frittierte Fischlein. Es können folgen: zarte kleine Fleischfilets, Stierschwanz-Stückchen, Croquetas, mit Hühnchen oder Fisch gefüllt, Tortilla, (das herzhafte Kartoffelomelett). Alles mundgerecht portioniert. Dazu Scheiben vom luftgetrockneten Jabugo-Schinken oder dem Pata negra vom iberischen schwarzen Schwein, der einem schon beim Anblick den Mund wässrig macht. Dann noch eine Portion Manchego-Käse, auch die Vielfalt an Oliven ist verlockend. Dazu trinkt man "una copa" - ein oder in der Regel natürlich gleich mehrere Gläser Fino oder Amontillado, wie der trockene oder halbtrockene Sherry heißt. "Salud, amor y dinero" - Gesundheit, Liebe und Geld wünschen die Spanier beim Zuprosten, Stimmung und Lautstärke steigen von Glas zu Glas. Gern wechselt man die Tapa-Bar, denn die nächste verführt mit einer anderen Auswahl.

"El Rinconcillo" ist die älteste Bar Sevillas, ihre Tapas gehören zu den besten. In derselben Straße, Calle Gerona, versteckt sich das zentral gelegene Hotel "Don Pedro", ein ehemaliger Palast. Zwar nur mit zwei Sternen bestückt, überzeugt es seine Gäste mit elegantem Charme, Marmorfußböden, alten Kacheln, einer imposanten Treppe und verspieltem Brunnenplätschern.

Schwarzes, streng zurückgekämmtes Haar mit eine rote Blume darin, wirbelnde, farbintensive Volantkleider: Was wäre die Stadt von Carmen ohne ihre Tänzerinnen? Wenn sie mit Kastagnetten klappern und kunstvoll aufstampfend zu Gitarre und rhythmischem Klatschen tanzen, dann offenbart sich das feurige Temperament von Andalusiern sowie übrigen Spaniern gleichermaßen - und von Sevillanern im Besonderen. Keiner kann es sich verkneifen, verbal mitzumischen. Zumindest aus Männermund kommt des öfteren ein zackiges "Ole!" Wer die Flamenco-Show mit den Tapas kombinieren will, ist im "Tablao El Arenal" bestens aufgehoben.

Reich ist Sevilla an Sehenswürdigkeiten. An erster Stelle stehen dabei die Giralda, Kathedrale und Wahrzeichen der Stadt, sowie der königliche Festungspalast Alcazar mit seinen arabischen Gärten und Wasserspielen. Ob man den Stierkampf, eine "corrida", besucht, muss jeder für sich entscheiden. Immerhin ist die Arena von Sevilla die größte und eine der berühmtesten Spaniens.

Aber den Glockenturm des ehemaligen Minaretts sollte man schon ersteigen.Auf die Giralda führen statt Stufen steinerne Rampen - damit man auf Pferden hochreiten konnte. 34 Stockwerke zeigt der Turm an. Die Ausstellungsstücke in den Nischen gönnen einem Verschnaufpausen. Jedes der vergitterten Balkonfenster bietet neue Ansichten von Stadt und Kathedrale. Oben angekommen, belohnt den Besucher ein grandioser Rundumblick - und zur vollen Stunde heftiges Glockengeläut.

Oper: Vom 4. bis 14. September 2003 gibt es eine Carmen-Opernaufführung, die die Zuschauer zu originalen Schauplätzen bringt. Sie beginnt in der ehemaligen Tabakfabrik und endet an der Stierkampfarena, wo sie dem Roman nach den Tod fand.

Buchung: U. a. mit TUI (eine Ü/F bei eigener Anreise ab 41 Euro/Person im DZ), mit Wolters (eine Nacht ab 38 Euro/Pers. im DZ, Flug mit Iberia ab Hamburg ab 380 Euro) und mit Airtours (eine Nacht in Sevillas erster Adresse "Alfonso XIII." inkl. Iberia-Flug ab HH, ab 501 Euro/Person im DZ).

Auskunft: Spanisches Fremdenverkehrsamt Frankfurt, Telefon: 069/72 50 38, E-Mail: frankfurt@tourspain.es, Internet: www.turismo.sevilla.org.