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Reise

Ausflüge, Teil 11: Amrum & Föhr

Insel-Romantik: Große Freiheit, treue Liebe

Nirgendwo ist der Strand breiter als auf Amrum, sind die Wiesen grüner als auf Föhr. Wer in Stille genießen kann, wird auf den beiden Nordseeinseln glücklich.

Wyk auf Föhr
Foto: Johannes Arlt

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Amrum. Amrum, Insel der Freiheit. Der wilden Natur an leeren Stränden. Der lauschigen Stunden im Kiefernwald nach einer Radtour. Der langen Nächte auf dem Balkon einer Ferienwohnung mit Bier und Krabbenbrot. Wer einmal diese friesische Freiheit in vollen Zügen genossen hat, der ist Amrum verfallen. Föhr, die grüne Insel mit weißem Strand, scheint dagegen nur ein leidiger Zwischenstopp auf der Fährfahrt von Dagebüll mit der Wyker Dampfschiffreederei.

Dabei sind sich die beiden nordfriesischen Inseln ähnlicher als man denkt. Egal ob Föhr oder Amrum - wer hierher fährt, sucht die Ruhe eher als das laute Zurschaustellen. Fast scheint es so, als hätten sich die Schwestern unterhalb von Sylt gegen ihre mondäne Konkurrentin verschworen - mitsamt ihren Urlaubern.

Ein längerer Zwischenstopp als die fahrplanmäßigen 15 Minuten in Wyk auf Föhr lohnt sich. Nicht zuletzt, weil Föhr schöner ist, als der Fährgast auf den ersten Blick von Bord erkennen kann. Die modernen Hotels an der gerade sanierten Promenade von Wyk wirken wie Bausünden, wie man sie von Ostseebädern kennt. Zwei Großbrände im 19. Jahrhundert zerstörten weite Teile der Altstadt. Blickt man aber hinter diese Kulisse, entdeckt man bezaubernde Gassen wie die Carl-Haeberlin-Straße mit den kleinen Kapitänshäuschen und winzigen Gärten davor. Mittendrin: Entspannte Inselbewohner, die mit einem freundlichen "Moin" grüßen und das Streichen des Gartenzauns gern unterbrechen, um in aller Ausführlichkeit den Weg zum Hafen zu beschreiben. Auch, wenn der direkt vor der Nase liegt. Die viel beschworene Sturheit der Friesen - sie ist in Wyk und überhaupt auf Föhr nicht zu spüren.

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Die Strandpromenade Am Sandwall hat sich mit vielen Cafés und Boutiquen aufgehübscht. Touristen pendeln mit Eis und Fischbrötchen zwischen Strandkörben und Souvenirshops. Insulaner sprechen auch gern von ihrer "Hauptstadt" - bei 4500 Einwohnern! Wyk will eben mehr sein als nur Hafenstadt. Schließlich war es einst das bekannteste Seebad an der Küste und lockte neben Dänenkönig Christian VIII. auch zahlreiche Badegäste in die Sommerfrische, lange bevor irgendjemand Westerland kannte. Heute sind es hauptsächlich Familien, die es auf die landwirtschaftlich geprägte Insel mit vielen Abenteuerspielplätzen und langen Strandabschnitten zieht.

Aber auch Nachtschwärmer finden neben einigen guten Fischrestaurants richtig urige Kneipen, wie zum Beispiel Wyks älteste Seemannskneipe "Glaube Liebe Hoffnung" an der Hafenstraße. Dort treffen sich Künstler, Kaufleute und Urlauber bei Bier und Friesengeist am Tresen - unter Seeschlangen, Fangnetzen und Rumbuddeln, die von der dunkel getäfelten Decke hängen. Wer es ruhiger mag, macht einen Abstecher ins benachbarte Nieblum, einen charmanten Ort mit reetgedeckten Häuschen, kleinen Garten-Cafés und Galerien mit Kunsthandwerk. Mit dem Fahrrad ist man in zwei Stunden im Westen der Insel und bei einem weiteren Höhepunkt angelangt: Der Besuch des Friedhofs an der St. Laurentii-Kirche in Süderende, der schönsten von Föhr, ist eine Reise in die Vergangenheit. Kunstvoll bemalte Grabsteine erzählen Familiengeschichten und berichten von Schicksalen, die sich während Kriegen oder beim Walfang in der Nordsee zugetragen haben.

Auch Ausflüge zu den Halligen, naturkundliche Strandspaziergänge und Wattwanderungen zu den Nachbarinseln sollte ein Föhr-Urlauber unbedingt mitmachen. In Dunsum kann man sich am "letzten Kiosk vor Amrum", der passenderweise "Zum Wattenläufer" heißt, erfrischen, bevor es unter Leitung von Führer Heinz-Jürgen Fischer ins Watt geht.

"Das Leben mit den Gezeiten, die Abhängigkeit von Wind und Wetter. Das mag ich so", sagt der 75-Jährige, der die Touren seit 55 Jahren anbietet. Wie ein Krebs seitwärts läuft, eine Qualle im Wasser schwimmt oder eine Muschel sich bei Ebbe im Sand vergräbt - schon als Schüler hat Fischer Gruppen auf die "Schönheit des Watts" aufmerksam gemacht. Das sei auch bisher unfallfrei abgegangen, denn: "Wattwürmer beißen nicht", scherzt er. Und fügt ernster hinzu: "Ich erkenne ein Gewitter schon eine Stunde, bevor es losbricht." Dieses Gespür könne er gar nicht erklären, aber für seine Arbeit sei es ungeheuer wichtig, um Urlauber sicher durch das Wattenmeer zu führen. Von denen kommen übrigens viele schon seit ihrer Kindheit an die Nordsee. "Föhr-Urlauber lieben die Marsch, die Knicklandschaften, die gut ausgebauten Radwege, während Amrum-Liebhaber auf Dünen, Wälder und Kniepsand schwören", sagt Fischer. "Ich bin auch gern auf Amrum, aber Föhr ist nun einmal meine Heimat." Zusammen mit seiner Frau lebt der Rentner im westlich gelegenen Utersum, dem Ort mit dem schönsten Sonnuntergang auf der Insel - die benachbarten Eilande immer im Blick.

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Vom Deichparkplatz aus startet seine etwa dreistündige Tour nach Norddorf auf Amrum: sieben Kilometer, die die Urlauber barfuß und vorzugsweise in Badekleidung den Priel entlang zurücklegen, denn ein erfrischendes Bad mit Wasser bis zur Hüfte ist inklusive.

Während die Wattläufer nach und nach an der Strandhalle in Norddorf eintrudeln, liegt die Terrasse des "Café Schult" in der friedlichen Stille der Spätnachmittagssonne. "Café Schult", Bäckerei, Konditorei und Eiscafé seit 1897, ist Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens von Norddorf, um nicht zu sagen, von ganz Amrum. Hinter den mächtigen Buchweizen- und Friesentorten haben Radler und Spaziergänger Platz genommen, die von ihrer Tour entlang dem Vogelschutzgebiet oder über den Kniepsand, Europas breitesten Sandstrand, zurückgekehrt sind - erschöpft, aber glücklich. Wie Föhr ist auch Amrum eine Fahrradinsel mit entsprechend großer Anzahl von Verleihen. Ein Auto braucht man hier nicht. Vereinzelt sind schnittige Geländewagen zu sehen, die von Einheimischen und anderen Reisenden aber eher missmutig beäugt werden. Schließlich fahren Urlauber hierher wegen der gesunden Luft, und die soll doch - bitte schön - erhalten bleiben.

Diese gute Seeluft macht ganz schön hungrig: auf Krabbenbrote (am besten selbst gepult vom Fischhändler in Nebel), Muschelsuppe (im Hotel Friedrichs in Nebel), Filets vom Salzwiesenlamm oder Angeldorsch (im Hotel Seeblick in Norddorf), um nur einige Insel-Spezialitäten zu nennen.

Danach kann man sich zwischen dem winzigen Kino Lichtblick mit den durchgesessenen Stühlen und dem Gemeindehaus, wo Naturforscher Georg Quedens zum wiederholten Mal seinen Diavortrag "Nordsee ist Mordsee" hält, entscheiden. Anschließend lädt die gediegene "Entenschnackbar" des Hotels Hüttmann auf einen Absacker ein. Oder Amrums einziger Nachtklub, die "Blaue Maus" lockt den Gast mit seiner beeindruckenden Whisky-Auswahl nach Wittdün an die Inselstraße. Falls dieser sich überhaupt vom Balkon seiner Ferienwohnung fortbewegt. Amrum, Insel der großen Freiheit.

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Backsteingotik und stille Naturstrände - die Hansestadt, die Wismarbucht und die Insel Poel bieten eine einzigartige Mixtur für Menschen, die gern in Ruhe genießen.


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