Gerichtsbeschluss gegen Heidrun S., die dritte Vorsitzende der Partei. Sie verließ die repräsentive Villa ohne Kommentar.

Großhansdorf. Es ist 9 Uhr, als ein Kleintransporter, mehrere Zivilfahrzeuge und zwei Streifenwagen vorfahren. Sie halten vor einer weißen Villa, die in Großhansdorf an der Straße Himmelshorst steht. Eingetroffen ist unter anderem eine Gerichtsvollzieherin. Sie soll das repräsentative Gebäude am Waldesrand im Auftrag von Gläubigern zwangsweise räumen lassen. Es gehört Heidrun S., die dort auch wohnt. In der Waldgemeinde ist sie als Gründerin der "Gesundheitsinitiative Großhansdorf" bekannt.

Das Haus diente bisher zudem der Interim Partei Deutschland (IPD) als Bundesgeschäftsstelle (wir berichteten). Diese Splittergruppe wird vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft. Sie stellt die Legimität der Bundesrepublik in Frage und behauptet, das Deutsche Reich bestehe noch. Heidrun S. ist dritte Vorsitzende der IPD.

Die Gerichtsvollzieherin klingelt an der videoüberwachten Grundstückspforte. Nichts passiert, auch nach erneutem Klingeln nicht, bis plötzlich zwei Schäferhunde auftauchen. Die Polizei - sie ist mit 40 Mann vertreten - lässt ihre Hundeführer kommen. Die Experten nehmen die Hunde durch die Gitterstäbe hindurch an die Leine. Danach ist der Weg zur Haustür der Villa frei.

Die Nachricht, dass mit der Zwangsräumung auch die IPD-Bundeszentrale aufgelöst ist, scheint sich intern schnell zu verbreiten: Nach und nach finden sich empörte IPD-Anhänger am Eingang ein. Knapp 20 sind es letztlich.

Darunter sind manche, die sich reichlich aufspielen. Sie werfen der Polizei Rechtsbruch vor, wobei sie sich auf unzählige Paragrafen berufen, die sie monoton herunterrappeln. Einige IPD-Leute wollen in die Villa. Doch Zutritt bekommt niemand mehr, von einer Ausnahme abgesehen: Horst B. darf aufs Gelände, um seine persönlichen Sachen zu holen. Er ist Mieter.

Der IPD-Bundesvorsitzende Dr. Edgar R. Ludovici soll in der Villa bei Heidrun S. gewesen sein, als die Gerichtsvollzieherin eintrifft. Nach etwa einer Stunde verlassen die ersten Autos das Gelände am Himmelshorst. Heidrun S. fährt in einem dunklen E-Klasse-Mercedes heraus. Ein Taxi mit vollbeladenem Anhänger ist auch dabei.

Zwei Männer tragen zudem Kartons, Computer und Möbel an die Straße. Nach zwei Stunden ist die Sache gelaufen. Haus und Grundstück sind geräumt, die Schlösser ausgetauscht. "Es lief reibungslos", freut sich Einsatzleiter Jörg Marienberg. Bürgermeister Janhinnerk Voß ist froh darüber, dass die IPD ihren Sitz in Großhansdorf wegen der Zwangsräumung des Hauses aufgeben musste. Auch Passanten äußern sich erleichtert.