Stormarn
19.09.12

Sohn von getöteter Geschäftsfrau belastet Angeklagten

Beim Prozess um den Tod der Ahrensburgerin Ursula M. im Jahr 1993 berichtet der Zeuge, dass seine Mutter von Annäherungsversuchen genervt war

Lübeck/Ahrensburg. Der Prozess um den gewaltsamen Tod der Ahrensburger Geschäftsfrau Ursula M. im Jahr 1993 ist gestern vor der I. Großen Strafkammer des Landgerichts Lübeck mit weiteren Zeugenaussagen fortgesetzt worden. So wurden der Sohn des Opfers und ihr damaliger Lebensgefährte vernommen. Letzterer hatte die Frau am Abend des 18. Juli 1993 im Kleiderschrank ihres Hauses an der Ahrensburger Straße Vierbergen gefunden. Die Obduktion ergab später, dass die damals 49-Jährige am Tag vorher, dem 17. Juli 1993, erdrosselt worden war.

Als mutmaßlicher Täter steht ein heute 47 Jahre alter Mann vor Gericht. Die Anklage gegen ihn lautet auf Totschlag. Der Verdächtige sitzt bereits im Gefängnis, weil er wegen eines Angriffs auf seine damalige Freundin im Jahr 2010 zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt worden war. Wegen dieses Verbrechens war seine DNA bei der Polizei gespeichert. Ein routinemäßiger Vergleich alter DNA-Spuren, die sich an der Kleidung von Ursula M. befanden, mit den gespeicherten des Angeklagten brachte die Polizei dann dieses Jahr auf die Spur des Mannes und führte zur Anklage.

Der Tatverdächtige war bereits nach dem Tod von Ursula M. im Jahr 1993 von der Polizei vernommen worden. In dem Prozess hat er bislang geschwiegen. Aus einem aufgezeichneten Telefonat des Angeklagten mit einer Bekannten geht jedoch hervor, dass der Angeklagte möglicherweise mit Ursula M. in Streit geraten war, weil sie seine Annäherungsversuche zurückgewiesen hatte.

Gestern sagte der heute 37 Jahre alte Sohn des Opfers aus. Seine Mutter sei am 17. Juli 1993, ihrem Todestag, mit dem damals 28 Jahre alten Angeklagten verabredet gewesen. Den Grund wisse er nicht. Sie habe ihn gekannt. Der Angeklagte sei angeblich Vermögensberater gewesen und habe ihr Versicherungen verkaufen wollen. "Er hat um ihre Aufmerksamkeit gebuhlt", sagte der Sohn. Er hätte ihr Blumen geschickt, Briefe geschrieben und sie angerufen. Der Sohn erzählte auch von einer Postkarte des Angeklagten an seine Mutter. Er erkannte die Karte wieder, als der Vorsitzende Richter Christian Singelmann ihm diese als Beweisstück zeigte. Der Angeklagte redete Ursula M. darin mit "Meine Schöne" an und schrieb: "Ich sehne mich nach dir". Die Karte beendete er mit "Dein Biest".

"Meine Mutter war irritiert und genervt von diesem Verhalten", sagte der Sohn. Er bezeichnete den Angeklagten als Stalker. Eine Beziehung zu dem Mann habe seine Mutter nicht gehabt. Der Sohn selbst war am Tattag nicht in Ahrensburg, sondern mit Freunden an der Ostsee.

Er berichtete auch, dass seine Mutter Streit mit ihrem Bruder, ihrem Vater und ihrem Ex-Freund gehabt hätte. "Die wollten alle nur Geld von ihr", sagte er. Die Inhaberin einer Firma für Oberflächentechnik habe die drei Männer jedoch irgendwann nicht mehr finanziell unterstützt. Daraufhin sei sie insbesondere von ihrem Bruder und ihrem Ex-Freund beschimpft und bedroht worden. So habe der Bruder gedroht, sie umzubringen. Und ihr Ex-Freund habe sie noch einen Tag vor ihrem Tod in der Firma sprechen wollen. "Meine Mutter hatte eine Zeit lang einen Leibwächter engagiert", berichtete der Sohn.

Von diesen Problemen erzählte auch der damalige Lebensgefährte dem Gericht. Er war im Jahr 1993 mit von Ursula M. zusammen. "Sie hatte Angst, dass etwas passierte", sagte er. Wovor sie genau Angst hatte, sagte sie ihm jedoch nicht. Ursula M. habe auch Vorkehrungen für ihren Tod getroffen.

Auch der Lebenspartner war am Tattag nicht in Ahrensburg, sondern auf Rügen. Er kehrte erst am 18. Juli abends zurück. Erst als ihm der Richter eine frühere Aussage vorhielt, erinnerte er sich an den Angeklagten und sagte, dieser habe Ursula M. Briefe geschrieben und sie getroffen. Er habe damals gedacht, dass es dabei um Versicherungsgeschäfte ginge. "Sie hat ihre Geheimnisse gehabt", sagte er. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

(cit)
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