Sportpromoter soll Visa gefälscht haben. Bundesbeamte: "Er war in der Botschaft in Moskau als Vieleinlader bekannt."
Brunsbek. Brunsbek, 6. Januar, 9 Uhr: Polizisten treffen im Ortsteil Kronshorst ein. Sie haben einen Durchsuchungsbefehl des Amtsgerichtes Hamburg. Ihr Ziel: das gelb geklinkerte Haus von Waldemar K. (50). Er ist Kaufmann und ein bekannten Sportpromoter. Der gebürtige Russe steht im Verdacht, gewerbsmäßig Landsleute nach Deutschland geschleust zu haben. Weitere Razzien laufen zeitgleich in Hamburg-Lohbrügge, wo der 50-Jährige ein Sportzentrum und eine international tätige Agentur betreibt. In Norderstedt durchsuchen die Ermittler die Wohnung von Jouri S., eines ehemaligen Fußballers vom FC St. Pauli.
Schleuser werden hart bestraft
Waldemar K. ist in der Sportwelt von Tennis und Fußball ein namhafter Mann. Er ist lizenzierter Spielervermittler. Sein Name findet sich auf der Fifa-Liste. In seinem Sportzentrum in Hamburg-Lohbrügge haben bereits Tennisgrößen wie Henri Leconte, Anders Jarryd und Nikolas Kiefer gespielt. Yevgeny Kafelnikov, der Olympiasieger von 2000 und ehemalige Weltrangliste-Erste, war einst mit Unterstützung von K. aus Russland in den Westen gekommen. 1995 trainierte die russische Daviscup-Mannschaft auf Vermittlung des Brunsbekers in Lütjensee. In seinem Wohnort ist der Familienvater als freundlicher, netter Mensch bekannt. Im örtlichen Tennisclub gehört er zu den Spitzenspielern. Er absolvierte in diesem Sommer vier Spiele für die "Herren 50". Die Mannschaft belegte in der Bezirksliga den dritten Platz.
Waldemar K. ist nicht Zuhause, als die Polizei vor seiner Haustür steht. Er soll jetzt auf Geschäftsreise in Dubai sein. Die Nachbarn bekommen von dem Einsatz in Brunsbek kaum etwas mit, da die meisten zur Arbeit sind.
"Bei den Durchsuchungsaktionen wurde umfangreiches Beweismaterial beschlagnahmt", sagt Wilhelm Möllers, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hamburg.
Die Beamten - 60 Kräfte aus Hamburg, Ratzeburg und Uelzen sind im Einsatz - nehmen aus den fünf Objekten unter anderem Computer, Laptops, Speichermedien und schriftliche Unterlagen mit. Das Material soll jetzt ausgewertet werden. Möllers: "Wie lange das jetzt dauert, lässt sich noch nicht absehen."
Waldemar K. steht seit April 2008 im Visier der Ermittler. Er soll nach den bisherigen Erkenntnissen der Bundespolizei Hamburg, die für diesen Fall zuständig ist, in mehr als 40 Fällen Visa-Unterlagen gefälscht haben. "Der Beschuldigte war in der Deutschen Botschaft in Moskau als 'Vieleinlader' bekannt", sagt Möllers. Er soll dort seit 2006 fingierte Einladungen sowie verfälschte Krankenversicherungsbescheinigungen vorgelegt haben, um vor allem russische Sportler, aber auch andere Leute nach Deutschland zu holen. Möllers: "In vielen Fällen standen die Angaben in den Visa-Unterlagen im Widerspruch zu den tatsächlichen Aufenthaltsgründen der Eingeladenen." Die Polizei vermutet, dass K. für diese Dienste Geld erhalten hat. Möllers: "Wir müssen jetzt klären, ob und wie viel Geld geflossen ist." Ein Haftbefehl wurde bislang nicht erlassen.
Wie die Ermittler dem Brunsbeker auf die Spur gekommen sind, gibt die Staatsanwaltschaft aus ermittlungs-taktischen Gründen nicht bekannt. Waldemar K. bestreitet die Vorwürfe. "Mein Mandant weist es weit von sich, in die Ecke von Schleuserbanden gestellt zu werden", sagt sein Anwalt Olaf R. Dahlmann, Steuer- und Wirtschaftsstrafrechtler in Hamburg. K. kenne 35 der Fälle, die ihm angelastet werden, gar nicht. Dahlmann dazu: "Es handelt sich um Fälschungen von Unterlagen, die in Moskau vorgelegt wurden."
Der Anwalt geht davon aus, dass K.'s Unterschrift nachgemacht wurde. "Die Unterschrift wird sich als Fälschung erweisen", betont er. In den übrigen sechs Fällen seien die Visa-Anträge korrekt gewesen. K. vermutet nach Angaben seines Anwalts eine Intrige hinter der ganzen Sache. "Mein Mandant hatte in Moskau erst kürzlich einen Disput mit einem Mitarbeiter der Botschaft. In den Jahren 2004 und 2007 hatte er schon Dienstaufsichtbeschwerden gegen diesen Mann gestellt, die bis heute bearbeitet wurden", erklärt Dahlmann. Und weiter: "Was die Staatsanwaltschaft gemacht hat, war völlig überzogen. Sie wird mit Schadenersatzforderungen rechnen müssen."











