Stormarn
27.02.13

Bad Oldesloe

Kreisbauerntag: Landwirte kämpfen um guten Ruf

Ein Lebensmittelchemiker rät den Landwirten beim Kreisbauerntag in Bad Oldesloe dazu, bei Skandalen offensiv auf die Kunden zuzugehen.

Von Marianne Achterberg
Foto: ZB/DPA
Trecker auf dem Acker
Ein Traktor zieht einen Pflug über einen Acker (Archivbild)

Bad Oldesloe. In der Vergangenheit machten Ehec-Keime auf Sprossen und Dioxin in Hühnereiern, die Vogelgrippe und der Rinderwahnsinn die Verbraucher unsicher. Nun wurden auch noch Fälle von Pferdefleisch in Fertigprodukten und Betrügereien mit Bio-Eiern bekannt. Die Auswirkungen der Lebensmittelskandale bekommen auch Stormarns Landwirten zu spüren. Beim Kreisbauerntag in Bad Oldesloe stand die Diskussion über solche Vorfälle im Mittelpunkt.

"Das Ansehen der Landwirte in der Bevölkerung macht uns Sorgen", sagte der Vorsitzende des Kreisbauernverbands, Hans-Joachim Wendt. Er verwies damit nicht nur auf aktuelle Vorkommnisse in der Lebensmittelproduktion, sondern auch auf ständige Themen wie die Tierhaltung und den Einsatz von Medikamenten in der Mast. "Es scheint in zu sein, auf die Landwirtschaft zu schimpfen", so Wendt.

Und das, obwohl die Ergebnisse der neuesten Infratest-Umfrage ein anderes Ergebnis zeigten. "Dort heißt es, dass den Landwirten vertraut und die Qualität der deutschen Nahrungsmittel als sehr hoch angesehen werde", so Wendt. Doch jeder neue Lebensmittelskandal sei ein Ärgernis, oft sogar ein Fallstrick für die Landwirtschaft. Wendt: "Egal ob schlechte Schweinepreise wegen der Schweinegrippe oder unverkäufliches Gemüse durch Ehec auf Sprossen - die Landwirte waren immer die Leidtragenden."

Um in Zukunft besser mit Meldungen umgehen zu können, die einen neuen Skandal verkünden, hatte der Kreisbauernverband den Lebensmittelchemiker Udo Pollmer vom Europäischen Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften in die mit mehr als 500 Gästen vollbesetzte Stormarnhalle eingeladen.

Pollmer hielt den Landwirten auch ihre Fehler vor Augen. "Natürlich hat die Thematik etwas Bitteres für die Landwirtschaft", sagte er. "Besonders im aktuellen Pferdefleischskandal kommt auch noch die emotionale Komponente dazu. Es kann aber nicht sein, dass die Landwirte nicken und sich zur Opferrolle bekennen." Vielmehr sei es an ihnen, bei einem Skandal erklärend einzugreifen und die Verbraucher richtig zu informieren. "Es ist wichtig, bei aufkommenden Skandalen intelligent zu reagieren und sich zu wehren", so Pollmers Rat an die Bauern. Die Themen müssten von der jeweils betroffenen Berufsgruppe - wie zum Beispiel den Bauern - künftig aktiver behandelt werden. Pollmer: "Nur so lassen sich unqualifizierte Anwürfe abwehren."

Dass den Landwirten durch Berichte wie über den aktuellen Pferdefleischskandal viel Geld verloren geht, hat auch Jungbauer Marcus Babbe schon zu spüren bekommen. "Bereits wenige Tage, nachdem falsch deklariertes Fleisch in Fertigprodukten gefunden wurde, ist der Rindfleischpreis erheblich gesunken", sagte er. "So etwas schadet der ganzen Branche und bedeutet einen enormen Einkommensverlust." Babbe findet es äußerst ärgerlich, dass sich der Ruf der Landwirte verschlechtere, obwohl Fleisch in Deutschland hochwertig produziert und sehr gut überwacht werde. Babbe: "Es wundert mich, dass es überhaupt möglich ist, das Fleisch falsch zu deklarieren."

Sein Kollege Till Schorr aus Havighorst bei Reinfeld hält es für wichtig, die Herkunft des Fleisches aus Fertigprodukten so genau wie möglich auszuweisen. "Der genaue Nachweis könnte helfen, eine falsche Deklaration noch schwieriger zu machen", sagte er.

Doch nicht nur für die Landwirte, sondern auch für den Verbraucher hatte Pollmer einige Tipps im Umgang mit Lebensmittelskandalen parat. "Glauben Sie nicht alles, was Sie hören", rief er in den Saal, in dem neben Bauern auch etliche Politiker saßen. Denn oftmals seien die sogenannten Skandale weitaus weniger dramatisch, als es vorerst den Anschein habe. Pollmer: "Die Menschen lassen sich zu leicht verrückt machen." Denn nicht alles, was als schädlich angeprangert werde, sei auch automatisch gesundheitsgefährdend. "Als Dioxin in Eiern gefunden wurde, waren alle in Panik", sagte Pollmer. "Dabei hätte es allein 300 Millionen Eier gebraucht, um nur einen Hamster zu vergiften." Man solle bedenken, dass viele Versuche, die im Labor durchgeführt werden, nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragbar seien. "Der Mensch kommt mit vielen Stoffen eben besser zurecht als die Labormaus", so Pollmer.

Der Lebensmittelchemiker rief die Verbraucher aber nicht dazu auf, alle Lebensmittel völlig sorglos zu konsumieren. Er sagte: "Wenn man glaubt, dass etwas wirklich schädlich sein könnte, sollte man der Sache selbst nachgehen und sich gut informieren."

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