Stormarn
09.01.13

Prozess

Sohn zerstückelt – Vater soll Mord zugegeben haben

Hat ein Vater seinen Sohn mit einem Feuerwerkskörper heimtückisch ermordet und die Leiche zerstückelt in einer Jauchegrube versenkt?

Foto: Antonia Thiele
Beamte der Spurensicherung untersuchen das Bauernhaus und die Scheune
Spezialisten der Kieler Kriminalpolizei sichern nach der Entdeckung der zerstückelten Leiche Spuren auf dem Sülfelder Bauernhof

Kiel. Ein wegen des heimtückischen Mordes an seinem Sohn angeklagter ehemaliger Schweinemäster aus Sülfeld (Kreis Segeberg) soll sich vor seiner Ehefrau der Tat bezichtigt haben. Ihr Mann habe ihr zwei Tage nach dem Verschwinden des Sohnes gesagt: "Ich habe ihn umgebracht. Den siehst Du nie wieder", sagte die 65-jährige Rentnerin am Mittwoch vor dem Kieler Landgericht. Sie und ihr ältester Sohn hätten ihm das aber nicht geglaubt. Noch am selben Abend fand die Schwester Leichenteile des Opfers in einer Jauchegrube auf dem väterlichen Bauernhof.

Laut Anklage tötete der Frührentner seinen Sohn am 17. Juni 2012 auf seinem Bauernhof aus Hass. Der 63-Jährige habe nach einem Streit seinem betrunken am Küchentisch eingeschlafenen Sohn einen angezündeten Kanonenschlag in den Mund gesteckt. Der 27-jährige erstickte. Dann zerstückelte der 63-jährige die Leiche und versenkte die Teile in der Güllegrube seines Hofes.

Der Angeklagte hatte zu Prozessbeginn gestanden, den Sohn zersägt und in der Güllegrube beseitigt zu haben. Den Mord bestritt der 63-Jährige. Nach seiner Darstellung hatte sein Sohn mit dem Feuerwerkskörper hantiert und ihn sich selbst im Mund entzündet, nachdem er, der Vater, den Raum verlassen habe. Als er ihn wenig später fand und beseitigte, habe er unter Schock gestanden und der Schwester einen Schock ersparen wollen.

Das Opfer erstickte an dem detonierten Kanonenschlag, der in der Mundhöhle fest verkeilt stecken blieb, sagte eine Gerichtsmedizinerin aus. Spuren, dass dem 27-Jährigen der Feuerwerkskörper gewaltsam in den Mund geschoben wurde, fanden sich eben so wenig wie Abwehrverletzungen. Dies würde die Version des Vaters stützen.

Doch auf mehrfache Nachfragen schloss die Rechtsmedizinerin nicht aus, dass das alkoholisierte Opfer mit nach hinten geneigtem Kopf und offenem Mund schlief. Dabei hätte ihm der Kanonenschlag in den Mund geschoben werden können. Dass der Kopf bei der Detonation im Nacken lag, hielt auch ein pyrotechnischer Sachverständiger des Landeskriminalamtes in Kiel angesichts der Verbrennungsspuren im Gesicht des Opfers für wahrscheinlich. Das würde die Anklage untermauern.

Nach Ansicht eines psychiatrischen Gutachters war der Vater zur Tatzeit zwar depressiv erkrankt. Aber seine Einsichts- und Steuerungsfähigkeit sei nicht eingeschränkt gewesen. Damit wäre er voll schuldfähig.

Auch der zweite Verhandlungstag offenbarte beklemmende Einblicke in eine emotional völlig erstarrte Familie. Die Mutter und der älteste Sohn beschrieben den Vater als kaltherzig. Er habe kein gutes Haar am Opfer gelassen und den Sohn immer herabgewürdigt. "Wir waren keine Bilderbuch-Familie", sagte dessen älterer Bruder vor Gericht. Der Vater und die Tochter hatten die Mutter als Schuldige bezichtigt.

Die 65-Jährige schilderte Szenen einer über 30 Jahre währenden Albtraum-Ehe. Den getöteten Sohn habe der Vater von Anfang an nicht gewollt und von ihr vergebens eine Abtreibung verlangt. Ihr Mann sei gegen sie immer wieder auch körperlich übergriffig geworden, bis sie ihn schließlich wenige Wochen vor der Tat des Hauses verwies. Bis dahin hatte er bei ihr in Bad Oldesloe gelebt und den Hof in Sülfeld im Nebenerwerb bewirtschaftet.

Der Prozess wird am 11. Januar fortgesetzt. Dann sollen die Plädoyers gehalten werden.

(dpa)
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