28.02.13

Schleswig-Holstein

Ausbau der Windenergie im Norden droht zu stocken

Die Windkraft-Branche ist besorgt und beklagt Gegenwind aus Berlin. 2012 ging der Ausbau im Norden noch kräftig voran. Windmühlen decken schon die Hälfte des Stromverbrauchs ab.

Foto: dpa

Der Ausbau von Windenergie droht im Norden zu stocken
Der Ausbau von Windenergie droht im Norden zu stocken

Kiel. Der Ausbau der Windenergie in Schleswig-Holstein ist im vergangenen Jahr weiter vorangekommen, stößt jetzt aber offenkundig auf politische Hindernisse. 124 neue Anlagen mit einer Gesamtleistung von 308 Megawatt wurden 2011 errichtet, berichtete am Donnerstag die Landwirtschaftskammer. Damit lag das Land beim Zubau in Deutschland an zweiter Stelle nach Niedersachsen. Da zugleich 61 ältere und leistungsschwächere Anlagen abgebaut wurden, blieb ein Nettozuwachs von 267 Megawatt.

Nach Angaben des Bundesverbandes Windenergie werden mit Windkraft aus Schleswig-Holstein inzwischen rund 1,6 Millionen Menschen mit Strom versorgt. Die installierte Gesamtleistung stieg 2012 auf 3403 Megawatt. In den nächsten Jahren sollen es 9000 Megawatt werden. Ziel ist es, dass die erneuerbaren Energien im Jahr 2020 das Dreifache des Stromverbrauchs im Land produzieren.

Nun könnte Gegenwind aus Berlin den weiteren Ausbau bremsen, befürchtet der Bundesverband Windenergie angesichts jüngster Äußerungen von Umweltminister Peter Altmaier (CDU). Die Pläne, Vergütungskürzungen bereits zum 1. August oder gar rückwirkend einzuführen, schreckten viele Finanzierer und Investoren ab, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende Martin Grundmann. Bestellungen würden bereits eingefroren und Risikoaufschläge auf Zinsen verlangt. Ohne weitere Investitionen gerate der Standortvorteil des Windlandes Schleswig-Holstein in Gefahr. Grundmann forderte Planungssicherheit. Die Bundesregierung müsse auf die Länder hören und eine Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes wie geplant im Jahr 2015 angehen – wohlüberlegt und unabhängig vom Wahlkampf.

Es gibt auch einen technischen Grund, weshalb die Potenziale der Windenergie nicht stärker ausgeschöpft werden: Die Windmühlen sind im Norden mit durchschnittlich 123 Metern deutlich niedriger als im Bundesmittel (154 Meter)."Das ist im Grunde verschenkter Ertrag", sagte Walter Eggersglüß von der Landwirtschaftskammer. Mit 15 Metern mehr an Höhe liefere eine Anlage zehn Prozent mehr Strom. Der Verband Windenergie rief die Kommunen auf, ihre Höhenbegrenzungen zu überdenken. In Nordfriesland sei keine Anlage höher als 100 Meter, weil sie dann beleuchtet werden müssten und die Kommunen das nicht wollten. Zum Argument, höhere Windmühlen störten das Landschaftsbild, meinte Eggersglüß: "Die größeren Rotoren haben einen positiven Effekt, weil sie langsamer drehen."

Zwei Drittel der Windkraft im Norden werden an der Westküste erzeugt. An der Spitze steht Dithmarschen mit 830 Anlagen und 1009 Megawatt, gefolgt von Nordfriesland (641 Anlagen/954 MW). In Ostholstein stehen 313 Anlagen mit zusammen 422 Megawatt.

Die Potenziale der Windkraft im Norden unterstreichen Untersuchungen an der Universität Flensburg: Bis 2022 könnten demnach zwischen 2600 und 7600 Megawatt hinzukommen. "Dies kann Investitionen von 3,9 bis 11,4 Milliarden Euro im ländlichen Raum auslösen", sagte der Projektkoordinator der Netzwerkagentur windcomm, Matthias Hüppauf. Der Ausbau der Windenergie lässt auch die Kassen der Gemeinen klingeln: 35 Millionen Euro erhielten sie 2012 an Gewerbesteuern. Bei einer Verdopplung der Kapazität bis 2022 kämen 62 Millionen Euro zusammen.

(dpa)
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