17.01.13

Schleswig-Holstein

Plattdeutscher Rat fordert Sprachunterricht für Kinder

Nach dem Willen des Rates sollen künftig in allen Grundschulklassen des Landes zwei Stunden pro Woche auf plattdeutsch abgehalten werden.

Foto: pa/dpa/dpaweb
Grundschulkinder
Schülerin einer Grundschule

Kiel. Der Plattdeutsche Rat fordert verbindlichen Unterricht in Niederdeutsch für Grundschüler im Norden ab 2016. Die Landesregierung habe die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen unterzeichnet, nun müssten auch einzelne Punkte verabschiedet werden, sagte der Sprecher des Rates, Klaus Nielsky, am Donnerstag in Kiel. Es gebe im Land noch eine hohe Zahl an Lehrkräften, die des Niederdeutschen mächtig seien.

Nach dem Willen des Plattdeutschen Rates sollen künftig in allen Grundschul-Klassen des Landes jeweils zwei Unterrichtsstunden pro Woche auf Plattdeutsch abgehalten werden. Dabei kann es sich entweder um klassischen Sprachunterricht handeln oder beispielsweise Geschichtsunterricht auf Niederdeutsch. Dies ist Kernpunkt eines Resolutionsentwurfs, der am Freitag auf einer Konferenz des Rates in Leck (Kreis Nordfriesland) verabschiedet werden soll. Dort werden 100 Teilnehmer erwartet.

Aktuell gibt es im Norden nach Angaben des Bildungsministeriums 96.500 Grundschüler. Rein rechnerisch liegt die durchschnittliche Klassengröße bei 22 Schülern. Für die Umsetzung der Forderung seien 313,5 zusätzliche Lehrerstellen notwendig, sagte Ministeriumssprecher Thomas Schunck der Nachrichtenagentur dpa. Diese Stellenzahl hätte ein Haushaltsvolumen von mehr als 15 Millionen Euro.

Nach dem Willen des Plattdeutschen Rates soll aber bereits in den Kindergärten mehr Platt gesprochen werden. Umfangreiche Angebote gibt es aktuell lediglich in 30 bis 40 Kindergärten des Landes. An geeigneten Erziehern mangelt es nach Angaben des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes bislang noch nicht. Mit Neid schaut der Plattdeutsche Rat derzeit in Richtung Hamburg. Dort gibt es ein Dutzend Modellschulen, in denen Plattdeutsch verpflichtend ist.

Die Sprache hat ein echtes Nachwuchsproblem. Nur noch etwa jeder Zehnte im Land beherrscht das Niederdeutsche. "Die Zahl der plattdeutsch sprechenden Menschen in der Bevölkerung nimmt rapide ab", sagte Nielsky. Ihr Anteil ist umso größer, je älter die Menschen sind. Von einer aussterbenden Sprache will Nielsky aber nicht sprechen. Im Gegenteil verweist er auf die positiven Einflüsse, wenn Kinder Plattdeutsch sprechen. "Die Kenntnis einer Sprache erleichtert den Einstieg in die Nächste."

Aktuell finanziert das Land 2,5 Stellen für die plattdeutsche Arbeit. Angesichts der Charta-Zeichnung sieht Nielsky das Land im Zugzwang: "Das ist geltendes Recht." Im Koalitionsvertrag haben die Regierungsparteien vereinbart, dass sie gemeinsam mit den Kommunen einen Handlungsplan Sprachenpolitik erarbeiten wollen.

(dpa)
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