Pinneberg
20.10.12

Schenefeld

Lebenshilfe-Gärtnerei vor der Insolvenz

Radikale Schritte sind nötig: Der Verein will vier Immobilien verkaufen. Die Mitarbeiter verzichten auf ihr Weihnachtsgeld.

Von Katy Krause
Foto: Marvin Mertens
Die Gärtnerei der Lebenshilfe Schenefeld steckt in den roten Zahlen. Die Insolvenz soll beantragt werden
Die Gärtnerei der Lebenshilfe Schenefeld steckt in den roten Zahlen. Die Insolvenz soll beantragt werden

Schenefeld. Für manche war es ein Schock, für andere keine große Überraschung. Die Lebenshilfe Schenefeld befindet sich in einer finanziell so verfahrenen Situation, dass jetzt nur noch radikale Schritte wie der Verkauf von gleich vier Immobilien und die Insolvenz der angegliederten Gärtnerei den ins Trudeln geratenen Ortsverband retten können. Das erfuhren die Mitarbeiter während einer Versammlung am Freitagmorgen. Einen Tag zuvor waren die Angestellten des gemeinnützigen Unternehmens, zu dem unter anderem auch die Gärtnerei an der Blankeneser Chaussee gehört, über die bevorstehende Insolvenz informiert worden. Die Eltern der Betreuten sollen am kommenden Mittwoch über die Situation aufgeklärt werden. Bürgermeisterin Christiane Küchenhof wurde am Donnerstag über die heikle Situation informiert. Die Lebenshilfe betreibt auch drei Kindergärten in Schenefeld.

Wie es mit dem Pflanzenanzuchtbetrieb, der derzeit etwa 100 Menschen mit und ohne Behinderung Arbeit bietet, weitergeht, ist allerdings noch unklar. Klar ist dagegen, dass für die dort Betreuten gesorgt wird. Laut Abendblatt-Informationen hat die Lebenshilfe Pinneberg ihre Unterstützung zugesagt. Es gibt Pläne, dass die Pinneberger Lebenshilfe den Gartenbetrieb zusammen mit dem Schenefelder Ortsverein weiterführen will. Ob alle Arbeitsplätze gesichert sind und inwieweit die Struktur sich ändert - dazu äußerte sich die Geschäftsführung der Gärtnerei während der Betriebsversammlung nicht. Michael Behrens, Geschäftsführer der Lebenshilfe Pinneberg, war am Freitag nicht zu erreichen. Zu einer Stellungnahme war auch Christine Heins, neue Chefin der Lebenshilfe Schenefeld, mit Hinweis auf die laufenden Verhandlungen nicht bereit.

Christine Heins, 45, ist erst seit dem 21. Juni im Amt. Nach monatelangen in der Öffentlichkeit ausgetragenen Querelen um schwere Mobbing-Vorwürfe unter den Wohngruppenleitern und einem Machtkampf innerhalb des alten Vorstandes hatte der Dachverband der Lebenshilfen in Schleswig-Holstein die Reißleine gezogen. Die Landesvorsitzende Susanne Stojan-Rayer setzte den Schenefeldern ein Ultimatum: Entweder gibt es einen personellen und inhaltlichen Neuanfang oder die Schenefelder Ortsgruppe fliegt aus dem Verband raus. Das Ausschlussverfahren wurde nach den Neuwahlen, bei denen Christine Heins Vorsitzende wurde, vorerst auf Eis gelegt. Es ist aber nicht vom Tisch. Am 27. Oktober steht der Ausschluss der Ortsgruppe auf der Tagesordnung der Mitgliederversammlung des Dachverbandes. Eine 13-köpfige Delegation aus Schenefeld wird nach Neumünster reisen, um die Vereinslage zu schildern.

Das Problem ist die geforderte, aber nach wie vor fehlende inhaltliche Neuausrichtung des Vereins, die mit Hilfe einer Satzungsänderung eingeleitet werden soll. Ursprünglich war geplant, dass der Schenefelder Ortsverein eine Mitgliederversammlung im September einberuft, die neue Struktur debattiert und verabschiedet. Bis heute sind aber durch die dringenderen finanziellen Probleme keine Einladung zur Jahreshauptversammlung rausgeschickt worden. Derzeit gibt es Planungen, im November ein Treffen einzuberufen, bei dem dann die 700 Mitglieder der größten Lebenshilfegruppe in Schleswig-Holstein informiert werden.

Hauptthema dürfte dann auch das Gutachten eines Hamburger Unternehmensberaters sein, das seit einigen Tagen vorliegt. Die von den Kredit gebenden Instituten geforderte Überprüfung von Verein und angegliedertem Unternehmen inklusive Gärtnerei offenbarte ein chaotische Buchhaltung und einige Versäumnisse der Geschäftsführung.

Laut Abendblatt-Informationen wurden unter anderem Fördermittel im sechsstelligen Bereich nicht eingeworben. Das wurde nachgeholt.

Der Unternehmensberater rät dem gemeinnützigen dazu, Immobilien zu veräußern. Von den folgenden vier Objekten in Schenefeld will sich die Lebenshilfe trennen: Häuser an der Lornsenstraße und an der Blankeneser Chaussee, das Gebäude an der Friedrich-Ebert-Allee, wo derzeit die Verwaltung eines der größten Arbeitgebers in Schenefeld untergebracht ist, sowie das ehemalige Restaurant Teufelsbrück an der Elbchaussee. Die leer stehende Immobilie, steht bereits seit zwei Jahren zum Verkauf, und kostet den Verein pro Jahr 110 000 Euro. Geld, das der Verein derzeit dringend braucht.

So dringend, dass die etwa 300 Mitarbeiter auf Gehalt verzichten müssen. Die Lebenshilfe Schenefeld kann nicht das volle Weihnachtsgeld an die Angestellten auszahlen. Ende des Monats gibt es weitere Gespräche mit der Bank.

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