Pinneberg
11.10.12

Pinneberger Drostei

Friedrich der Große - Grüße aus dem Jenseits

Der einstige Preußenkönig "spricht" vom Himmel aus über das kommende Barockfestival in der Pinneberger Drostei, Kunst und die Gegenwart.

Von Nadine Lischick
Foto: Drostei
Barocker Herbst
Friedrich der Große war nicht nur erfolgreicher Feldherr und Kriegsstratege, sondern auch leidenschaftlicher Kunstliebhaber und Flötist

Pinneberg. Zum mittlerweile siebten Mal lädt die Pinneberger Drostei zum "Barocken Herbst" ein. Vom 20. Oktober bis zum 4. November stehen neun Veranstaltungen auf dem Programm, darunter Konzerte, eine Filmvorführung, eine Ausstellung und ein Kinderfest. Gewidmet ist das Fest Friedrich dem Großen, der dieses Jahr 300 Jahre alt geworden wäre. Das Abendblatt funkte den einstigen Preußenkönig im Jenseits an und "sprach" mit ihm über die Bedeutung von Kunst damals und heute sowie über das Barockfestival selbst.

Hamburger Abendblatt: Sie waren stets ein großer Kunstliebhaber, das Barockfestival in Pinneberg müsste also eine Geburtstagsfeier nach Ihrem Geschmack sein, oder?

Friedrich der Große: Ich finde es sehr angemessen, weil ich alle Seiten meiner Persönlichkeit im Programm wiederfinde. Den Musiker, den Künstler, den König, aber auch den Reformer.

Sie waren als Feldherr und Kriegsstratege bekannt, eben auch als Flötist und Komponist. Wie passt das zusammen?

Friedrich der Große: Der Kriegsstratege war anerzogen. Was das betrifft, war ich ein Kind meiner Zeit. Das Interesse an Kunst, den schönen Seiten des Lebens und geistiger Erbauung hingegen lag in meiner Person. In meiner Rolle als König habe ich deshalb immer versucht, beide Seiten zu ihrem Recht kommen zu lassen, ohne das Erbe als König zu verleugnen. Meinem Vater allerdings gefiel mein Interesse für die Kunst nie, es passte nicht in sein Weltbild.

Daher war nicht nur Ihre Bibliothek geheim, sondern auch Ihr Flötenunterricht?

Friedrich der Große: Das ist richtig. Als Kind hatte ich noch eine gewisse Narrenfreiheit, bis zu meinem achten oder neunten Lebensjahr durfte ich tatsächlich Kind sein. Damals hat sich mein Vater nicht dafür interessiert, aber später musste ich vieles heimlich tun. Richtig ausleben konnte ich meine Leidenschaft für die Kunst erst, als ich König war. Natürlich muss das Volk auch satt sein, aber für mich gehörte die Kunst, Musik und Kultur immer dazu.

"Nichts gibt einem Reich mehr Glanz, als wenn die Künste unter seinem Schutz erblühen", haben Sie einmal gesagt.

Friedrich der Große: Ja, Kunst und Kultur ist das, was uns zu Menschen macht, was uns in Kontakt treten lässt. Deswegen war es mir wichtig, ein Klima zu schaffen, in dem Künstler sich entfalten können. Ich habe die Berliner Hofkapelle und das Opernhaus gegründet. Natürlich war das damals für die gehobene Gesellschaft und nicht die einfachen Arbeiter und Bauern. Aber es war ein Anfang, und es war mir wichtig. Auch, um einen gewissen Glanz nach außen zu tragen, und nicht nur als der Kriegsherr dazustehen. Es war gleichzeitig ein Statussymbol.

Wenn Sie aus dem Himmel auf die Erde blicken, wie gefällt Ihnen die heutige Kunstszene? Blüht sie?

Friedrich der Große: Sie blüht in vielen Erscheinungsformen, im Großen und im Kleinen, aber sie muss auch sehr kämpfen. Es hat sich eigentlich wenig geändert. Es ist immer noch wichtig, dass ein äußerer Rahmen gesteckt wird, dass Kultur gewollt wird und nicht als Beliebigkeit gesehen wird. Deswegen ist es nach wie vor wichtig, dass von der Politik dafür gesorgt wird, dass die Kunst sich frei entfalten kann.

Welche Veranstaltung des Barockfestivals würden Sie selbst gerne besuchen, wenn Sie könnten?

Friedrich der Große: Am liebsten alle. Zu dem Eröffnungskonzert wäre ich besonders gerne gegangen, weil es da um mein Instrument geht, die Traversflöte. An dem Abend wird Musik von mir, aber auch meinem Flötenlehrer Johann Joachim Quantz gespielt. Ehrlich gesagt hätte ich das Konzert am liebsten selbst gespielt. Aber auch "Das Musikalische Opfer" hätte ich mir gern angehört, um zu erfahren, wie die Entwicklung der Instrumente weitergegangen ist.

Bei Ihren Konzerten im Schloss Sanssouci herrschte zum Teil Anwesenheitspflicht. Mal ehrlich, wie gut waren Sie?

Friedrich der Große: Ich war schon gut! Ich war sehr diszipliniert und habe jeden Vormittag, wenn ich die wichtigsten Amtsgeschäfte erledigt hatte, ein bis zwei Stunden geübt. Ich hatte einen hervorragenden Lehrer und habe mich mit talentierten Musikern umgeben, die Musik für mich geschrieben haben. Quantz hat eine ganze Flötenschule für mich geschrieben, die lesen Flötisten heute noch. Ich war gut!

Mal angenommen, Sie würden heute leben. Wären Sie eher Robbie Williams oder Barack Obama?

Friedrich der Große: (lacht) Vielleicht gäbe es noch etwas dazwischen.

Würden Sie heute gerne noch mal mitmischen oder war früher alles besser?

Friedrich der Große: Es war anders. Ich konnte damals schalten und walten, wie ich wollte, insofern hatte ich es damals leichter. Heute müsste ich mich mit ganz vielen Entscheidungsträgern abstimmen, damals konnte ich einfach machen. Ich glaube nicht, dass ich mich dieser Rechte beraubt sehen möchte. Die repräsentative Monarchie, wie sie heute in einigen Ländern existiert, wäre nichts für mich.

Preußen wurde unter Ihnen zu einer der fünf Großmächte. Was hätten Sie geantwortet, wenn man Ihnen damals erzählt hätte, dass Preußen eines Tages nicht mehr existieren würde?

Friedrich der Große: Ich hätte es nicht geglaubt. Ich war schließlich ein Macher. Für die damalige Zeit habe ich einige wirklich verrückte Dinge durchgesetzt. Religionsfreiheit, Pressefreiheit - das gab es so vorher nicht. Und auch Menschenrechte und die Gleichheit vor dem Gesetz bekamen unter mir eine andere Bedeutung. Das hätte ich gerne fortgeführt. Unter mir wäre Preußen vermutlich nicht untergegangen!

Barocker Herbst
Foto: Nadine Lischick Stefanie Fricke, künstlerische Leiterin der Drostei, stand Friedrich bei dem Interview zur Seite
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