Pinneberg
28.02.13

Pinneberg

Die alte Eggerstedt-Kaserne macht Schule

Ein Teil des Geländes wird zur Bildungslandschaft. Damit könnte sich der Kauf des Ex-Militärstützpunktes für Pinneberg schon rentieren.

Von Bernd-Olaf Struppek
Foto: Bernd-Olaf Struppek
Eine junge Frau geht an der Pinneberger Eggerstedt-Kaserne entlang
Eine junge Frau geht an der Pinneberger Eggerstedt-Kaserne entlang

Pinneberg. Der Dornröschenschlaf ist vorbei. In Sachen Eggerstedt-Kaserne geht es jetzt Schlag auf Schlag, wie Bürgermeisterin Urte Steinberg sagt. Nachdem die Stadt das frühere Militärgelände, von dem sich die Bundeswehr bereits vor zehn Jahren verabschiedet hatte, am 14. Februar gekauft hatte, beschloss die politische Mehrheit im Ausschuss für Wirtschaft und Finanzen am Dienstagabend, einen Teil des 37 Hektar großen Areals an den Bildungsträger WABE weiterzuverkaufen. Folgt die Ratsversammlung während ihrer Sitzung am heutigen Donnerstag diesem Votum, gehen 32.000 Quadratmeter an die WABE, die im Zentrum der künftigen "Parkstadt Eggerstedt" eine "Bildungslandschaft" realisieren möchte.

"Wir haben dann den Kaufpreis schon wieder drin", sagt der Ausschussvorsitzende und CDU-Finanzexperte Torsten Hauwetter. "Es hat sich für die Stadt jetzt schon gelohnt." 3,93 Millionen Euro hatte die Stadt als Kaufpreis an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gezahlt. Geld, für das das hoch verschuldete Pinneberg zusätzliche Kredite aufnehmen musste. Verkauft werden soll das Tortenstück Bildung vom große Kasernen-Kuchen für 4,4 Millionen Euro. "Das ist ein Signal für Pinneberg, dass es mit der Kaserne weitergeht", sagt Christdemokrat Hauwetter. CDU und SPD stimmten im Ausschuss dafür, Grüne & Unabhängige, FDP und Bürgernahe dagegen.

"Wir machen den Weg frei, die weitere Entwicklung bleibt spannend", sagt die SPD-Fraktionsvorsitzende Angela Traboldt. Möglichst bald müssten vor allem Firmen gefunden werden, die sich auf dem Gelände der früheren Kaserne ansiedeln. "Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, einen Investor für den ersten Teilabschnitt zu finden", sagte Bürgermeisterin Urte Steinberg. Die WABE - der Verein hat seinen Sitz in Hamburg - plant zunächst den Bau einer Kindertagesstätte. Zur sogenannten Bildungslandschaft sollen später auch eine private Schule, eine Fortbildungsakademie mit Übernachtungsbereich und eine Sporthalle gehören.

Erschließen muss die WABE ihre Flächen nicht. Das übernimmt nach dem Plan der Stadt derjenige Investor, der, als Ergebnis einer europaweiten Ausschreibung, den Zuschlag für den Teilabschnitt Wohnen der "Parkstadt" erhält. Annähernd 70.000 Quadratmeter sollen für den Bau von bis 250 Wohneinheiten im neuen Stadtteil verkauft werden. Der "Deal" soll so aussehen, das der Investor die gesamte innere Erschließung der früheren Kaserne übernimmt - also inklusive der Abschnitte für Bildung, Freizeit und Gewerbe. Die Erschließungskosten werden mit dem Kaufpreis verrechnet. Am Ende soll zudem mindestens ein kleiner Gewinn für die Stadt herausspringen, wie Gerhard Thomssen, SPD, sagt. Unter seiner Leitung hatte der Ausschuss für Stadtentwicklung am Dienstag den städtebaulichen Vertrag verabschiedet, der Grundlage der Verhandlungen mit dem Wohnbau-Investor sein soll. Wie im Finanzausschuss fiel die Entscheidung mit 9:4 Stimmen. CDU/SPD waren dafür, die drei kleineren Fraktionen dagegen. In der Vergangenheit war von Erschließungskosten von bis zu 20 Millionen Euro die Rede gewesen. "Bis Mitte Mai haben wir eine klare Peilung wie es weitergeht", so Thomssen. Die Verwaltung will die Ausschreibung im März auf den Weg bringen.

Die Fraktion Grüne & Unabhängige, die weiterhin die fehlende Wirtschaftslichkeitsprüfung zur Entwicklung der Kaserne bemängelt, hatte im Finanzausschuss beantragt, zunächst nur 6500 Quadratmeter für den Kita-Bau an die WABE zu verkaufen. "Wir sind zu 100 Prozent für ein Bildungskonzept. Die Auswirkungen eines Schulbaus auf die Pinneberger Schullandschaft aber haben wir noch gar nicht gemeinsam besprochen", sagt Fraktionschef Joachim Dreher. Grüne & Unabhängige wollten zudem vertraglich festlegen lassen, dass die WABE ihre Flächen ausschließlich für Betreuungs- und Bildungseinrichtungen verwendet. Die Kritiker befürchten, auf dem verhältnismäßig großen Areal könne später doch zusätzliche Wohnbebauung entstehen. Denn in den Vorlagen ist von der WABE und einem möglichen Rechtsnachfolger die Rede. "Ein einmaliger Vorgang in Pinneberg, dass wir nicht genau wissen, an wen wir verkaufen", sagt Uwe Lange, Bürgernahe. Man stelle der WABE einen Blankoscheck aus. Uwe Lange: "Aber wir haben ja bei der Kasernenentwicklung zwei starke Partner: Glaube und Hoffnung."

Am heutigen Donnerstag tagt der Rat in Pinneberg von 18.30 Uhr an im Ratssaal, Bismarckstraße 8. Auf der Tagesordnung stehen außer der "Parkstadt Eggerstedt" unter anderem auch die Privatisierung der Märkte und die Eröffnungsbilanz.

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