Pinneberg
Justiz-Cartoons

Ein Richter mit viel Humor und künstlerischem Talent

Foto: dpa / dpa/DPA

Tim Feicke zeichnet Justiz-Cartoons. Er hat bereits sein zweites Buch mit Stilblüten aus Polizei- und Gerichtsakten veröffentlicht.

Elmshorn. Manche machen ihr Hobby zum Beruf. Bei Tim Feicke läuft es genau umgekehrt. Der 41-Jährige ist Jugendrichter am Amtsgericht Elmshorn und verbringt seine Freizeit damit, Justiz-Cartoons zu zeichnen und Stilblüten aus Polizei- und Gerichtsakten zu sammeln. Jetzt hat Feicke sein zweites Buch herausgebracht und im Landgericht Itzehoe eine neue Cartoon-Ausstellung eröffnet.

Comics und Cartoons waren von Kindesbeinen an die Leidenschaft des Hamburgers. Er lernte mit Asterix und Obelix lesen, zeichnete die Comics ab und entwarf eigene Versionen für die Schülerzeitung. Nach einer Schaffenspause, in der Feicke Versicherungskaufmann lernte und Jura studierte, wurde er vor einigen Jahren wieder aktiv und entdeckte, dass der Alltag im Gericht lustiger ist, als so mancher denkt. "Manche Sachen sind so komisch, da muss man einfach lachen", sagt Feicke.

"Komme nicht zum Termin, bin in Südsee: Aktenperlen aus der Justiz" lautet der Titel seines ersten, im Selbstverlag herausgebrachten Buches, das Skurrilitäten aus der Justiz und Cartoons enthält. "Ich habe innerhalb von zwei Jahren 1600 Stück abgesetzt, es kamen Anfragen aus ganz Deutschland", sagt Feicke.

Aufgrund des großen Erfolges hat Feicke jetzt nachgelegt. "Habt ihr nichts Besseres zu tun? Mehr Aktenperlen aus der Justiz" lautet der Titel des Nachfolgers, das ebenfalls bei Books on demand herausgebracht wird. "Das Buch ist eigentlich ganz lustig geworden und nicht nur für Juristen geeignet." So führt Feicke das Schreiben eines Richters auf, der einen Haftbefehl wegen Fluchgefahr erlässt - Harry Potter lässt grüßen. Oder den Schriftsatz einer urlaubsreifen Anwältin, die "Wiedereinsetzung in den vorherigen Strand beantragt". Und schließlich der Brief eines erbosten Bürgers an die Polizei, der sich "Dienstaufsichtsbeschwerden, Kompetenzüberschreitung und Körperverletzung gegen ihre Beamten" vorbehält.

"Sobald ich in den Akten etwas finde, was sich für ein Buch lohnt, tippe ich das gleich ab", sagt Feicke. Die Aktenperle wird dann in einem Extrafach seines Schanks verwahrt - und hat später die Chance, anonymisiert in einem Buch zu landen. Nach dem ersten Werk melden sich oft Kollegen des Richters und versorgen ihn mit kuriosen Fundstücken. "Ich kriege Mails und Anrufe aus ganz Deutschland. Vor kurzem hat mir ein Richter, der in Pension gegangen ist, ein ganzes Paket mit lustigen Schriftstücken geschickt."

Munition für ein drittes Buch gibt es also genug. Und auch Cartoons stehen im Übermaß zur Verfügung. So zeichnet der vierfache Familienvater regelmäßig für mehrere juristische Fachzeitschriften, die zur Standardlektüre für Richter, Notare und Rechtsanwälte gehören. Es sind Insider- und Branchenwitze, die der Jurist mit spitzer Feder zu Papier bringt. Eines ist Feicke dabei wichtig: "Ich mache mich über Richter und Rechtsanwälte lustig, aber nie über Angeklagte oder Opfer."

Dabei gilt: In seinem Büro und in den Sitzungssälen ist der 41-Jährige Richter - und kein Künstler. "Das mit den Cartoons ist ein Hobby von mir. Gezeichnet wird zu Hause in der Küche oder in meinem dortigen Arbeitszimmer." Feicke macht zunächst eine Bleistiftzeichnung, malt diese schwarz über, scannt das fertige Bild dann ein und setzt den Text hinzu. Bis zu einer Stunde dauert die handwerkliche Umsetzung. "Das Schwierigste ist die Ideenfindung, die dauert deutlich länger."

Dass Feickes DIN-A4-große Justiz-Cartoons in den Fluren des Elmshorner Amtsgerichts hängen, ist ja selbstverständlich. Seine Karikaturen waren auch schon im Hamburger Haus der Gerichte sowie im Justiz-Zentrum von Stendal zu sehen.

Bis zum 3. August sind 50 Werke im Erdgeschoss des Landgerichts Itzehoe ausgestellt, dort können sie auch erworben werden. "Zu sehen ist das Beste aus fünf Jahren", sagt Feicke. Einer seiner Lieblingscartoons ist übrigens "Neue Jobs in der Justiz - Dolmetscher für Jugendsprache". Da will ein Richter von einem Jugendlichen wissen, was er in seiner Freizeit macht. Weil der die Frage nicht versteht, wird gedolmetscht: "Yo Digga, der Top-Master will von dir wissen, wo du und die Homies korrekt chillen".

Reich wird Feicke mit seinem Nebenjob, den er natürlich angemeldet hat, nicht. Dafür aber berühmt - zumindest ein bisschen. So war Feicke 2010 und 2011 für den Deutschen Cartoonpreis des Carlsen-Verlages nominiert. Im Vorjahr nahm er auch am Deutschen Karikaturistenpreis teil. Seine beiden Bücher sind zum Preis von 7,80 Euro im Buchhandel erhältlich. Weitere Infos im Internet.

www.wunschcartoon.de

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