Alle Aktiven wollen ohne Gage spielen, der Verband sagt Gelder zu, doch der TC Logopak beharrt auf der Abmeldung.

Hartenholm. Die Tennisspieler des TC Logopak Hartenholm kämpfen um den Erhalt ihrer Mannschaft. "Wir spielen auch ohne Gage", informierten die Topspieler Julian Reister und Tobias Kamke die Vertreter des Hauptsponsors Logopakpersönlich darüber, dass alle Profis auf ihre zugesagten Aufwandsentschädigungen verzichten würden. Die Truppe erhält zudem Unterstützung von einem berühmten Teamkollegen. Wimbledonsieger Michael Stich sagt seine Hilfe zu und auch der Tennisverband will mit einer stattlichen Summe den Spielbetrieb sicher stellen. Doch die im Tennissport bislang einzigartige Solidaritätsaktion der Hartenholmer Multi-Kulti-Truppe ist bislang nicht von Erfolg gekrönt. Die "Logopak-Macher" lehnen das Ansinnen der Aktiven weiter kategorisch ab

Der Tennis-Zweitligist hatte sein Team am vergangenen Sonnabend vom Spielbetrieb in der 2. Bundesliga Nord zurückgezogen. Die Pressemitteilung der Geschäftsführung der Spielbetriebs GmbH des TC Logopak Hartenholm e.V. machte die Tennisspieler im nördlichsten Bundesland sehr betroffen. Das Tennisprojekt, das Lord Chris Hastings-Long mit viel Herzblut 2002 gestartet hatte, fand national große Anerkennung. Das Team aus Schleswig-Holsteinern und Akteuren aus Ländern, in denen die Firma Logopak Niederlassungen betreibt, war nach einer beispiellosen Siegesserie aus der Bezirksliga bis in die 2. Bundesliga durchmarschiert. Die plötzliche Krankheit des tennisbegeisterten Firmenchefs und die durch das Gericht verfügte Einsetzung des Betreuers scheinen das Tennismärchen auf dem Dorf von einem Tag auf den anderen zu beenden. Rolf Lippert, inzwischen Herr über die geschäftlichen wie privaten Finanzen des erkrankten Lords, drehte gemeinsam mit den Brüdern Olivier und Stephane Ditrich, den Söhnen von Hastings-Longs Lebensgefährtin, den Geldhahn zu. Das Duo fungiert als Geschäftsführer in der Firma und der Sport-Betriebs-GmbH.

Dass Mannschaften aufgrund finanzieller Probleme abgemeldet werden, ist im Profisport an der Tagesordnung. Sportprofis, meist als moderne Gladiatoren tituliert, wird oft eine Söldnermentalität nachgesagt. Fließt das Geld nicht mehr, finden sie meist schnell neue Arbeitgeber.

Nicht so in diesem Fall. Die Spieler zeigten sich erschüttert. Zum einen über die schwere Erkrankung ihres Förderers Chris Hastings-Long, für den "seine" Aktiven stets so etwas wie eine Familie dargestellt hatten. Zum anderen über die in ihren Augen nicht nachvollziehbare kurzfristige Abmeldung vom Spielbetrieb. Sie suchten den Dialog mit den Verantwortlichen. Nach erfolglosen Versuchen, die Firmenleitung telefonisch zu erreichen, machten sich die Spitzenspieler Tobias Kamke und Julian Reister nach Hartenholm auf, um persönlich vorzusprechen. Das Duo bot nach Rücksprache mit allen Profis und Coaches an, ohne Gage in der 2. Liga aufzuschlagen. "Wir machen das für Chris und den Verein", sagt Reister.

Für den Spielbetrieb in der 2. Bundesliga hätte weder die Firma Logopak Systeme noch die Tennis Betriebs GmbH Mittel aufwenden müssen. So müsste der Verein sogar noch eine Strafe in Höhe von 4000 Euro zahlen. Doch Stephane Ditrich und Rolf Lippert lehnten ab. Einen Grund nannten die neuen Logopak-Chefs den Tennisspielern nicht.

Die Aktiven wollten es nicht bei einem "Nein" bewenden lassen und wandten sich am Mittwoch an den Schleswig-Holsteinischen Tennis Verband, der beim Deutschen Tennis Bund einen Aufschub erwirkte. "Bis zum 10. April kann der Verein seinen Rückzug zurücknehmen", tat Klaus Eberhard, Sportdirektor des Deutschen Tennis Bundes, kund. Er wundert sich über das Verhalten der Logopak-Verantwortlichen: "Ich verstehe das nicht. Die wollen lieber gestern als heute zurückziehen. Noch ist Zeit und man könnte doch die Entwicklung abwarten".

Da auch Wimbledonsieger Michael Stich (40), das wohl bekannteste Mitglied im Logopak-Bundesligateam, seinen jungen Teamkollegen Reister und Kamke Rückendeckung gibt, überzeugten die Aktiven und die Trainer Maik Schürbesmann und Mirko Schütte Vereinschef Roland Metzner in einem weiteren Gespräch, noch einmal bei der Firmenleitung zu intervenieren, um eine Lösung im Sinne der Spieler zu finden.

Das überraschende Ergebnis: Metzner bestätigte dem DTB gegenüber die Abmeldung, die TC-Logopak-Sportwart Dietmar Bröcker, ein langjähriges Mitglied der Firmenbelegschaft, nach Aufforderung durch Lippert und Ditrich dem DTB Anfang der Woche schon schriftlich übermittelt hatte. Die Mail Metzners, der als Unternehmensberater eng mit der Firma Logopak zusammenarbeitet, ging bei DTB-Sportdirektor Klaus Eberhard am Mittwochabend ein.

Ein kleiner Funken Hoffnung bleibt den Aktiven und Trainern. Schleswig-Holsteins Tennisgeschäftsführer Rüdiger Meves und Spielervater Friedrich Greve, im Hauptberuf Richter am Oberverwaltungsgericht in Kiel, prüfen derzeit vereinsrechtliche Schritte gegen die Abmeldung vom Spielbetrieb.