Die drei SPD-Stadtvertreter Thomas Jäger, Gisela Wendland und Christoph Mendel lehnen die Einladung der Stadtwerke zur Weihnachtsfeier ab - weil sie sich nicht kaufen lassen wollen. Jetzt diskutieren unsere Leser das Thema im Internet und in Leserbriefen. Mit deutlichen Worten schalteten sich auch die Verantwortlichen der Stadtwerke in die Diskussion ein.

Die persönliche Integrität ist gleichwertig mit der Würde des Menschen, und in sofern verstehe ich Herrn Jäger, wenn er an der Weihnachtsfeier der Stadtwerke und wilhelm.tel nicht teilnehmen will. Auch wenn ich dies für mich nicht nachvollziehen kann, ist die Entscheidung akzeptabel. Es hilft da wenig, über die Persönlichkeit von Thomas Jäger und die der anderen Stadtvertreter hinweg abwertend und anzüglich zu sein. Aus diesem Grund hoffe ich, dass sich ein mäßigender Ton in dieser Sache einstellen wird. Ebenso ist es für mich unverständlich und unakzeptabel Herrn Hallwachs und den Einladenden niedere Beweggründe in Form von versuchter Einflussnahme zu unterstellen. Ein toleranter Umgang mit Andersdenkenden hat was mit Kultur und Anstand zu tun. Ich glaube, wir sind in Norderstedt dabei, hier einiges zu lernen.

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Hamburger Abendblatt

Theo Weirich, Geschäftsführer wilhelm.tel

Yes we can! Solche Politiker wie Obama gab es früher auch in unserem Land. Und zwar bei der SPD. Nun scheint es aber immer seltener der Fall zu sein. Es gibt immer mehr Leute wie die Ypsilanti. So die drei aus Norderstedt, die den Ruf der SPD schädigen! Also so schnell wie möglich aus der Partei austreten, sich bei Herrn Hallwachs entschuldigen und dann lieber zu Hause bleiben! Das ist die beste Lösung - sowohl für die drei "Politiker" als auch für die SPD.

Dr. Panos Memetzidis, Vertriebsleiter Stadtwerke

Dass Herr Jäger und seine aufrechten Genossen sich von ein paar Canapes, einer Bockwurst und ein paar Getränken in ihrer Integrität bedroht fühlen, lässt mich frösteln. Besteht tatsächlich die Gefahr, dass SPD-Mitglieder sich durch ein solch opulentes Mahl in ihrer Meinung beeinflussen lassen? Nehmen wir mal an, ich würde vor einer Sitzung der Stadtvertretung 49 halbe Hähnchen verteilen, könnte ich dann mit einer absoluten Mehrheit für meine Ideen rechnen?

Gerd Nothhaft, im Internet

Wenn die drei Stadtvertreter bei einer Einladung zu einer Weihnachtsfeier bereits die Straftatbestände der Bestechung und Korruption in Betracht ziehen, sollten sie besser ihre eigene politische und menschliche Standfestigkeit überprüfen. Billig!

Michael Beeck, im Internet

Ein von den Stadtwerken selbst gekochtes Essen verputzen und ein Stadtwerke-Kochbuch als Präsent - welcher Kleingeist kann bei solchem Firlefanz an Korruption denken?

Peter Johannsen, im Internet

Es ist falsch verstandener Ehrgeiz, anderen alle Schlechtigkeit dieser Welt zu unterstellen, um sich selbst moralisch zu überhöhen. Hier wird letztlich doch nur das eigene furchtbare Wertesystem sichtbar. Ein menschliches Angebot mit einer warmen Geste annehmen heißt noch lange nicht, korrumpierbar zu sein, vielmehr zeigt es menschliche Größe, sich auch mit Andersdenkenden an einen Tisch zu setzen und einmal im Jahr positiven Gedanken und sozialen Gesten Raum zu geben.

Harry Bröhmer, im Internet

Im Geschäftsleben und dem öffentlichen Leben ist es gute Tradition, in der Adventszeit die schweren Geschütze ruhen zu lassen und mit kleinen Gesten aufeinander zuzugehen. Diese Tradition sollten wir nicht aufgeben! Miteinander reden heißt insbesondere auch, dass man sich besser kennenlernt und dabei erfährt, warum das eine getan und das andere unterlassen wird. Die Rechnungsprüfung hat in den vergangenen Jahrzehnten an der geübten Praxis der Stadtwerke nichts Anstößiges finden können. Jetzt den Begriff von einer juristischen Grenzwertigkeit ins Spiel zu bringen, ist lediglich ein populistischer Popanz, welcher von der Partei der Genossen aufgebauscht wird, um von deren eigentlichen Problemen abzulenken.

Hilmar Benkmann, im Internet

Man sollte ausschließen, dass unsere gewählten Stadtvertreter durch Weihnachtsfeiern "bestochen" werden könnten. Steuerlich "grenzwertig" könnte allenfalls die Behandlung des Aufwandes als "Werbungskosten" bei den Stadtwerken selbst sein.

Jürgen Meßfeldt, im Internet

Es war schon in früheren Zeiten, als Finanz- und Werksausschuss zusammengefasst waren, üblich, dass Ausschuss-Sitzungen zu Werksangelegenheiten schon wegen der dort angebotenen guten Verpflegung nicht im Rathaus, sondern bei den Stadtwerken stattfanden. Nicht wenige Ausschussmitglieder legten darauf großen Wert. Ihre wohlwollende Haltung zu den von den Stadtwerken vorgelegten Anträgen wurde sicherlich noch verstärkt, zumal die erforderliche Sachkompetenz meistens nicht vorhanden war und auch heute noch fehlt. Ob allerdings ein Ausfall des "gemütlichen weihnachtlichen Beisammenseins" die Qualität dieses Kontrollorgans erhöht, ist zu bezweifeln.

Horst Hinkel, im Internet

Im heutigen "Global Play" ist es sehr angeraten, die Messlatte für Bestechung sehr hoch anzulegen. Soweit ist es bei den Stadtwerken nicht. Aber auch die Kommunalebene ist gefordert, sodass Berufung auf die Tradition, Einladung der Ehepartner und selbst gekochtes Essen keine Unbedenklichkeit bescheinigen. Es ist lobenswert, dass wenigstens einige jüngere Stadtvertreter mit gutem Beispiel vorangehen. Man sieht sonst zu schnell über den einen oder anderen Fehler hinweg. Es wäre mehr als nur eine Geste, wenn die Geschäftsführer die Kosten aus eigener Tasche trügen.

Wolfgang Herz, im Internet

Politik ist eine hohe Kunst, gutes Benehmen offensichtlich eine noch höhere, manchmal sogar reine Glückssache. Dass eine Einladung zur Weihnachtsfeier einer juristischen Prüfung unterzogen und die Einladenden dann öffentlich verdächtigt und beschimpft werden, habe ich in meinem langen Leben noch nicht erfahren müssen. Ich dachte bisher, dass man eine Einladung entweder annimmt, oder höflich ablehnt. Wenn Fehlverhalten bei Personen des öffentlichen Dienstes vermutet wird, sind für deren Verfolgung andere Wege vorgesehen, die man auch konsequent beschreiten sollte.

Bruno Lorenzen, Norderstedt

Für sehr empfindliche Nasen könnte die in Rede stehende Einladung ein gewisses "Geschmäckle" haben. Sie ist sicher nicht ohne Selbstzweck, das weiß jeder. Aber ob sich jemand dadurch korrumpieren lässt, ist eine Frage des Charakters. Und diesen setze ich bei Stadtvertretern voraus. Wer sich jedoch bestochen oder ungebührlich stark beeinflusst fühlt, sollte dennoch diese Einladung annehmen und seine Kontrollfunktion umso schärfer ausüben.

Günter Matiba, Norderstedt

Merkwürdig, dass genau einen Monat, bevor Volker Hallwachs in den Ruhestand verabschiedet wird, wieder einmal mit Dreck nach ihm geworfen wird. Seit 40 Jahren gibt es diese Tradition der weihnachtlichen Zusammenkunft. Immer auch mit Teilnahme der SPD-Stadtvertreter. Haben sich diese mit der Teilnahme in den letzten 39 Jahren Vorteile verschafft oder die Geschäftsführung der Stadtwerke- und von wilhelm.tel durch einen Schweinebraten-Schleier wahrgenommen?

Goetz von Trotha, per E-Mail

Wenn die Genossen von der SPD sich nicht sicher sind, gegen jede Art von Bestechung gefeit zu sein, sollten sie wegbleiben.


Gerhard Hammerich, Norderstedt

Zu der umstrittenen Weihnachtsfeier-Einladung passt eher der Begriff einer Werbeveranstaltung, und da liegen die erwähnten Kosten sehr wohl im Rahmen. Bedenke man die großen bis gigantischen Aufgaben dieser Stadtwerke, etwa dem Großauftrag bei der Saga in Hamburg. Dort werden doppelt so viele Wohnungen an das wilhelm.tel-Netz angeschlossen, als Norderstedt Einwohner hat.


Hans Schwarz, Norderstedt

Eine Weihnachtsfeier dieser Art ist steuerrechtlich und juristisch eine Annehmlichkeit und darf daher angenommen werden. Wer das als Bestechungsgefahr sieht, macht sich lächerlich.

Uwe R. Westphal, Norderstedt

Das Verhalten dieser SPD-Abgeordneten gleicht eher einem Amoklauf als souveränem Handeln. Warum soll das Weihnachtsessen in den vergangenen 40 Jahren keine Bestechung gewesen sein, dieses Jahr plötzlich aber doch? Wenn das wirklich so wäre, müsste ja der Staatsanwalt auch gegen die SPD-Abgeordneten ermitteln, die in den letzten 40 Jahren wie selbstverständlich daran teilgenommen hatten. Aber wenn diese Abgeordneten schon so schwere Geschütze auffahren, dann sollte man im nächsten Jahr mal ganz genau darauf achten, von wem sich diese Stadtvertreter einladen lassen.

Jürgen Jeschke, Norderstedt

Solch eine seit Jahren gepflegte, völlig normale Einladung nicht mehr annehmen zu wollen, halte ich für dekadent. Es besteht darüber offensichtlich sogar "Fraktionszwang" bei der örtlichen SPD!


Claus-Peter Thomsen, Norderstedt