Er oder sie kommt aus Deutschland, ist aber noch völlig anonym. Mathies kann wieder ganz gesund werden.
Norderstedt. Es ist die Nachricht, auf die Mathies, seine Familie und die ganze Stadt sehnlichst gewartet haben: Ein Lebensretter für den an der schweren aplastischen Anämie erkrankten fünfjährigen Jungen ist gefunden. Wenn alles gut geht, kann Mathies vielleicht bald wieder ein ganz normaler Junge sein.
Spender gefunden: Neue Hoffnung für Mathies
Vater Gunnar Becker ist am Montag selbst am Telefon die grenzenlose Erleichterung anzumerken. "Endlich hat dieses Warten ein Ende", sagt Becker. Seit über einem Jahr suchen die Beckers für ihren todkranken Sohn nach dem passenden Knochenmarkspender. "Vor etwa einer Woche haben wir die Nachricht über einen potenziellen Spender bekommen. Bei ihm waren neun der entscheidenden zehn Gewebemerkmale mit denen von Mathies übereinstimmend", sagt Gunnar Becker. Wer der Spender oder die Spenderin ist, ob er oder sie vielleicht unter den fast 4000 Menschen waren, die sich bei der Aktion der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) in Norderstedt typisieren ließen, wird zu diesem Zeitpunkt von den Ärzten nicht verraten. Nur so viel: Es soll sich um einen deutschen Bürger handeln. Frühestens sechs Monate nach einer erfolgreichen Transplantation von Stammzellen kann sich der Spender entscheiden, ob er Kontakt zum Empfänger der Stammzellen haben möchte.
Auf jeden Fall hat sich der Spender bereit erklärt, Mathies zu helfen. Deswegen wurde er abermals auf Herz und Nieren untersucht. "Am Freitag kam das Okay der Ärzte: Es passt alles", sagt Gunnar Becker.
Am Beginn seines vielleicht neuen, gesunden Lebens steht für Mathies nun eine sehr harte Phase. Gleich am Freitag wurde der Fünfjährige auf der onkologischen Abteilung des UKE auf einer Spezialstation untergebracht. Gunnar Becker: "Die Räume dort stehen unter Überdruck, die schmutzige Luft mit all ihren schädlichen Keimen soll draußen bleiben. Alles ist völlig steril auf der Abteilung. Meine Frau und ich müssen Spezialanzüge tragen, um dort überhaupt rein zu dürfen." Denn Mathies muss nun eine hammerharte Chemotherapie durchstehen. Alle kranken Zellen in seinem Körper werden platt gemacht, damit die neuen Stammzellen freie Bahn haben. "Am 15. und am 16. Dezember bekommt Mathies die erste Stammzellengabe", sagt Gunnar Becker. Und dann beginnt wieder das Warten.
Darauf nämlich, ob die Therapie anschlägt. "Nach zehn bis vierzehn Tagen soll klar sein, ob die Zellen anwachsen oder ob es größere Komplikationen gibt. Nach drei bis vier Wochen werden wir die Gewissheit haben, ob Mathies' Leben gerettet ist", sagt Gunnar Becker. Die Statistik macht Hoffnung: Angeblich hat die Stammzellen-Therapie bei 95 Prozent der Fälle Erfolg - je jünger der Patient, desto besser. Mathies' Chance auf ein gesundes Leben steht also 95:5. Die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Spender für ihn zu finden, lag bei eins zu mehreren Millionen.
Bei den drei Patinnen von Mathies, Silke Brachmeyer, Connie Suhr und Anja Fürstenberg, die unermüdlich für ihr Patenkind Blut- und Geldspenden sammeln, ist die Freude grenzenlos. "Das kann man irgendwie noch gar nicht fassen. Es ist überwältigend. Wir sind überglücklich. Hoffentlich geht jetzt auch alles gut", sagt Silke Brachmeyer.
Gunnar Becker hat großen Respekt vor der Aufgabe, die jetzt vor Mathies liegt. "Mathies wird einiges durchzustehen haben. Seine Schleimhäute werden durch die Chemotherapie zum Beispiel völlig zerstört. Er wird eine Zeit lang nichts schmecken, und jeder Schluck wird ihm wehtun", sagt Becker.
Doch bei all diesen Qualen werden ihm seine Mutter und sein Vater nicht von der Seite weichen. Gunnar Becker betont: "Wir wechseln uns im Krankenhaus immer ab. Heute nach der Arbeit fahre ich gleich ins UKE. So sind ich oder meine Frau immer bei ihm."











