Für seine Verdienste um die Musikszene wurde der Chef des Musikklubs zum "Schmuggler des Jahres" ernannt.
Norderstedt. Die Menschen in dem kleinen Raum sind schweißgebadet. Sie stehen Schulter an Schulter, über ihnen sind die Scheinwerfer angebracht, die die kleine Bühne ausleuchten. Dort stehen die fünf Musiker der Band Fairport Convention, denen der Schweiß ebenfalls auf der Stirn steht: Alltag in Norderstedts kleinem Musikklub am Harksheider Marktplatz. Vorne auf der Bühne leisten die Musiker Schwerstarbeit, das Publikum lauscht verzückt den Klängen, die keineswegs überdimensioniert laut aus den Boxen dringen. Der "Music Star" hat sich als eines der führenden norddeutschen Musiklokale etabliert, in denen die Musik wirklich noch mit der Hand gespielt wird. Er ist Treffpunkt für viele, deren Musikverständnis nicht bei Hip Hop und House aufhört.
Fünf Konzerte und ein Festival im Mai
Wolfgang Sedlatschek (51) ist das kleine Kunststück gelungen, ohne Subventionen ein Musiklokal zu etablieren, das auch Besucher aus entlegenen Regionen anlockt. 1997 begann alles mit einem Konzert der Musiklegende Eric Anderson, inzwischen kann der Norderstedter Unternehmer auf eine stattliche Liste von gut 300 Konzerten verweisen. Und immer sind es Profis, die in dem kleinen Kellerlokal musizieren. In den USA, in Kanada, Australien oder England hat es sich herumgesprochen, dass es in Norderstedt eine Auftrittsmöglichkeit für Musiker gibt, denn längst muss sich Wolfgang Sedlatschek nicht mehr bemühen, geeignete Bands für sein Lokal zu finden. "Ich kann gar nicht alle Anfragen von Musikern berücksichtigen", sagt der umtriebige Norderstedter, für den die Konzerte in seinem "Music Star" bis vor zwei Jahren noch ein Zusatzgeschäft waren. Denn die Besucher können sich kostenlos amüsieren: Eintritt verlangt der Klubchef nicht. Auch wenn eine Starband wie Fairport Convention auf der Bühne steht, muss kein Zuschauer zahlen. Dass die meisten dennoch Geld in ein Sparschwein stecken, ist ein Zeichen der Anerkennung und Verbundenheit zu diesem kleinen Klub im Tiefgeschoss des Geschäftszentrums am Harksheider Mark. Dieses Geld erhalten die Musiker. Natürlich reicht der Inhalt des Sparschweins nicht immer, um eine bekanntere Band zu bezahlen. Dann muss Wolfgang Sedlatschek draufzahlen. Allerdings stecken nicht selten durchaus größere Summen im Schwein. Denn die Besucher des Klubs haben das Schüler- oder Studentenalter in der Regel hinter sich gelassen. Aber nicht die Gagen sind der größte Kostenfaktor, sondern die Hotelkosten.
Oft versucht der 51-Jährige, diesen Ausgabenposten zu umgehen, in dem er die Musiker in seinem Haus schlafen lässt. "Etwa die Hälfte der Musiker schläft bei uns", sagt der Klubchef, dessen Markenzeichen die umgedreht aufgesetzte Baseballmütze ist.
Hinter Wolfgang Sedlatschek steht seit einiger Zeit der Verein "Musicwerkstatt" mit 60 Mitgliedern (und ihm als Vorsitzenden), die jeweils 60 Euro Jahresbeitrag zahlen. Von dem Vereinskapital werden Nebenkosten beglichen. Miete und Betriebskosten zahlt Wolfgang Sedlatschek, der sein Geld mit Firmendokumentationen, CD- und PC-Verkauf verdient. Größere Spenden, wie kürzlich die 5000 Euro von der Sparda-Bank, werden in das technische Equipement investiert. Neben den Klubkonzerten veranstaltet der Verein "Music-Werkstatt" auch Festivals: Am 17. Mai erstmals das "Festival Kulturwerk am See" mit Bands aus den USA und Australien, am 30. August das Open-Air-Festival "Rock am Markt".











