Norderstedt
10.10.07

Bad Segeberg: Heute vor 70 Jahren wurde in der Kreisstadt die Kalkbergarena eröffnet

Es begann 1937 - als Feierstätte der Nazis

Die Nationalsozialisten hatten den Kalksteinbruch als einen von 400 Plätzen in Deutschland für den Bau von "Thingplätzen" auserkoren. Der Segeberger Hans-Peter Sparr hat die Geschichte des Freilichttheaters erforscht.

Von Frank Knittermeier

Bad Segeberg. 10. Oktober 1937: Ein großer Tag für Bad Segeberg. Damals. Heute würden die Segeberger diesen Tag lieber aus der Stadtgeschichte streichen. Reichspropagandaminister Dr. Joseph Goebbels reist an, um die "Nordmark-Feierstätte" zu eröffnen. Und wie sie ihn verehren: Tausende jubeln mit Fähnchen am Straßenrand, 20 000 Gäste in der Feierstätte begrüßen ihn mit tosenden Heilrufen. "Die 20 000 erheben sich wie ein Mann und grüßen Dr. Goebbels, den Schildträger der Kultur des neuen Deutschland mit einem Begeisterungssturm ohne gleichen", schreibt ein Chronist. Die Ereignisse dieses Tages sind verblasst, die frühere Feierstätte der Nazis aber ist bis heute ein Mittelpunkt der Kreisstadt: Das Freilichttheater am Kalkberg wird Jahr für Jahr von Hunderttausenden von Menschen besucht. Heute wird es 70 Jahre alt.

Der Segeberger Fotograf, Autor und Heimatforscher Hans-Peter Sparr hat die Geschichte des Kalkbergstadions akribisch erforscht. Wenn er mit Besuchern in seinem Büro am Computer sitzt, kommt er ins Erzählen: Hunderte, vielleicht Tausende von historischen Fotos hat er auf Festplatte und CD-Rom gespeichert. Immer wieder überlassen ihm alteingesessene Segeberger Fotos aus vergangenen Tagen. Gerade hat er wieder eine Bildersammlung eingescannt und archiviert. Und zu fast jedem Foto kann Hans-Peter Sparr eine Geschichte erzählen.

Die Geschichte des Freilichttheaters beginnt aus heutiger Sicht unrühmlich. Aber an Bedeutung hat die Open-Air-Arena bis heute nichts verloren: Nach den Recherchen von Hans-Peter Sparr ist kein anderes Freilichttheater in Europa so kontinuierlich genutzt worden wie dieses.

Die Nationalsozialisten erkoren den Kalkberg und den Kalksteinbruch als einen von 400 Plätzen in Deutschland für den Bau von "Thingplätzen" aus. Männer des Arbeitsdienstes, viele von ihnen aus Hamburg, gehen an die Arbeit - zunächst als Freiwillige, ab 1935 als Pflichtarbeiter des Reichsarbeitsdienstes. Das Projekt schleppt sich dahin: Geldmangel nach falscher Kalkulation, Schwierigkeiten beim Bau mit dem harten Gestein, der harte Winter 1936/1937. Oft stockt der Bau längere Zeit, manchmal sogar für Monate. Zwischen 1934 und 1937 werden auf dem Gelände 15 000 Kubikmeter Boden bewegt und 3000 Kubikmeter Kalkstein weggesprengt. 1200 Tonnen Granit werden für den Bau der Treppenstufen aus Schlesien angefahren und verbaut. Auf 125 248,99 Reichsmark lautet die Schlussrechnung - der Berliner Regierungsbaumeister Fritz Schaller hatte ursprünglich 20 000 Reichsmark für das ehrgeizige Projekt veranschlagt.

Eigentlich soll die "Nordmark-Feierstätte" zum 800. Stadtgeburtstag Segebergs eingeweiht werden. Daraus wird nichts, weil es im Freilichttheater zu einem Einsturz kommt: Steine und Geröll rutschen in die Kalkberghöhlen. Das Loch wird mühsam mit 1500 Kubikmetern Boden aufgefüllt.

Dann die Einweihung heute vor 70 Jahren. "Hier soll das Volk Erhebung und Erbauung suchen und finden", ruft Goebbels den Menschen im Freilichttheater zu. "Diese Stätte soll eine politische Kirche sein, in der für Jahrzehnte und Jahrhunderte die Menschen zu wahren Nationalsozialisten erzogen werden." In seinem Tagebuch schreibt der Propagandaminister: "Die Feierstätte selbst ist ganz passabel. Kein Kunstwerk, aber immerhin erträglich."

400 Feierstätten dieser Art wollten die Nazis in Großdeutschland bauen. Nach dem Masterplan des Regierungsbaumeisters Schaller werden schließlich jedoch nur 40 fast baugleiche Stätten errichtet. Neben dem Segeberger Freilichttheater sind die Berliner Waldbühne und das Freilichttheater an der Loreley die bekanntesten. Hier fanden und finden immer noch Konzerte statt. Jedoch nie ohne längere Pausen. In Segeberg jedoch wird kontinuierlich gespielt und musiziert: Seit 1952 ist die Freilichtbühne Heimat der Karl-May-Spiele, seit 30 Jahren treten hier Showstars auf.

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