Mobilfunk: Die Kirchengemeinde Henstedt-Ulzburg hat für die Antenne im Gotteshaus offensichtlich 30 000 Mark zusätzlich als Spende erhalten

Henstedt-Ulzburg. In der Mobilfunkaffäre um die Henstedt-Ulzburger Erlöserkirche geraten jetzt immer mehr Details ans Licht. Offenbar hat die Kirchengemeinde deutlich mehr Geld von dem Antennenbetreiber Viag Interkom (heute O2) erhalten, als sie bislang zugegeben hat. Im Mittelpunkt des Interesses stehen hierbei der Bus, der vorwiegend von den Pfadfindergruppen der Gemeinde genutzt wird, und Pastor Lars Reimann (37), der sich seit seinem Amtsantritt in Henstedt vehement für die Belange der Pfadfinder einsetzt.

Als Reimann im Jahr 1999 als Pastor an die Erlöserkirche kam, rief er als eine seiner ersten Amtshandlungen die "Evangelische Pfadfinderschaft St. Johannes" ins Leben. Mit großem Erfolg: Schon bald nahmen mehr als 100 Kinder und Jugendliche an den Freizeitangeboten teil. Allerdings standen Reimann und seine Pfadfinder daraufhin vor einem Problem: Für Fahrten und Ausflüge hatten die Gruppen kein eigenes Gefährt, um Menschen und Material von Ort zu Ort zu transportieren.

Das änderte sich im Oktober 2000. Stolz präsentierte der Gottesmann der Öffentlichkeit einen schneeweißen VW T 4. Doch woher kam plötzlich das Geld für den begehrten Kleinbus, der neun Personen bequem Platz bietet, und der damals bereits in der Grundausstattung 35 000 Mark, mit Extras bis zu 70 000 Mark kostete? Darauf lautete vor vier Jahren die offizielle Version der Erlöserkirche: 5000 Mark seien als Spende von der Kreissparkasse gekommen, Einzelspender aus Henstedt-Ulzburg hätten weitere 6000 Mark gestiftet und 4000 Mark seien direkt von der Kirchengemeinde gekommen. Den Löwenanteil in Höhe von 30 000 Mark aber habe ein Einzelspender erbracht, dessen Namen man nicht öffentlich nennen solle und wolle.

30 000 Mark von einem unbekannten Spender? Und das ausgerechnet in jenem Jahr, da der Kirchenvorstand in geheimer Sitzung grünes Licht für das Anliegen von Viag Interkom gegeben hat, gegen eine vertragliche Zahlung von 8 000 Mark jährlich eine Mobilfunkantenne im Turm der altehrwürdigen Erlöserkirche zu errichten, seine Mitglieder aber zu strenger Verschwiegenheit über dieses Thema verpflichtet hat?

Bei den Nachfolgern von Viag Interkom kann man da keinen Zusammenhang erkennen. "Es handelt sich um einen ganz normalen Vertrag ohne weitere Zusätze. Nach meinem Kenntnisstand sind von unserem Unternehmen keine zusätzlichen Sponsorengelder an die Erlöserkirche geflossen", sagt O2-Sprecher Frank Hartmann.

Wolfgang Keuffel, der im Jahr 2000 Vorsitzender des Kirchenvorstandes war und noch immer Mitglied in diesem Gremium ist, räumte hingegen auf NZ-Anfrage ein, dass im Zusammenhang mit dem Bus Spendengelder von Viag Interkom an die Gemeinde geflossen seien. Und auch Corth Silberbauer, Vorsitzender des im Mai 2000 gegründeten Fördervereins der Erlöserkirche, bestätigte, das Mobilfunkunternehmen habe damals 30 000 Mark als Spende direkt an die Kirchengemeinde Henstedt-Ulzburg gezahlt. Pastor Reimann, dessen Pfadfinder von dieser Art des Sponsoring profitiert haben, war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Der Streit um die Antenne im Kirchturm und die Geheimniskrämerei des Kirchenvorstandes dürfte somit nicht beendet sein. Am Montagabend traf sich Annemarie Winter, die jetzige Vorsitzende des Vorstandes, mit den um ihre Gesundheit besorgten Anwohnern, um über die Mobilfunkanlage zu sprechen. Lars Reimann hingegen blieb in seinem Pastorat - mit den Nachbarn hat er nicht geredet.