Jetzt diskutiert die ganze Stadt über die Auswirkungen des Votums. Die Politik reagiertgespalten.
Norderstedt. Die Resonanz war überwältigend: 3635 Stimmen wurden bei unserer Online-Umfrage zur Wasserski-Anlage abgegeben. Keine andere Umfrage auf www.abendblatt.de - noch nicht mal die zum Wahlsieg von Barack Obama oder zum Parteiaustritt von Wolfgang Clement - beschäftigte mehr Leser. Das Ergebnis der Abstimmung ist klar: 74,4 Prozent sind für einen Norderstedter Stadtpark mit Wasserski-Anlage, 25,6 Prozent haben sich dagegen ausgesprochen.
Das sagen die Leser zur Umfrage
Die Umfrage ist nicht repräsentativ. Manche Gegner der Wasserski-Anlage werfen der Norderstedter Zeitung vor, sie betreibe Stimmungsmache zugunsten der Stadtpark GmbH. Manche Befürworter sagen, die Umfrage zeige, dass deutlich mehr Menschen in dieser Stadt für das Wasserski-Konzept seien als dagegen. Beide Standpunkte sind falsch.
Die Umfrage war ein Podium für alle, die sich zum Thema äußern wollten. Sie ist ein Vehikel, um die Diskussion um den Stadtpark, der im Zuge der Landesgartenschau 2011 für alle Bürger entstehen soll, aus den Sitzungszimmern des Rathauses in die Wohnzimmer der Norderstedter zu bringen. Das hat funktioniert: Die Menschen diskutierten heißer als bei jedem anderen Thema der jüngeren Vergangenheit. Und alle, ob Gegner oder Befürworter, trafen sich auf Abendblatt.de. Manche Vereine stimmten geschlossen ab. Und alle Altersgruppen waren vertreten. In der Redaktion meldeten sich sogar sehr betagte Leser: "Ich habe kein Internetz. Darf auch mein Enkel für mich abstimmen?"
Verändert die Umfrage die Situation? Als belastbare Aussage der Umfrage mag stehen bleiben, dass Zweifel berechtigt sind, wenn behauptet wird, das Nein zum Wasserski sei nicht nur der politische Mehrheitswille, sondern auch der der Bürger. Ob es ein Zurück zum Wasserski-Konzept der Stadtpark GmbH geben kann, ist eine Frage, die nun die Politik beantworten muss.
Günther Nicolai, Fraktionsvorsitzender der CDU: "Norderstedt freut sich! Wir beglückwünschen die Bürger, dass sie sich so zahlreich für die Nachhaltigkeit des Stadtpark-Konzeptes engagieren und ein Projekt für die Jugend stützen wollen. Wir hoffen, dass dies zum Nachdenken bei den Bedenkenträgern in dieser Stadt führt. Sie könnten einsehen, dass sie das Thema unterschätzt haben und ihre Position korrigieren - das würde Größe bedeuten. Das Konzept mit Kulturwerk, Wasserski und Naturbad ist eine große Chance für die Stadt."
Thomas Jäger, Sprecher der SPD: "Die Umfrage ist weder repräsentativ, noch in der Fragestellung präzise. Klar ist, dass es über 800 fundierte Einwände gegen Wasserski gab. Hier haben viele abgestimmt, die sich sagen: Ok, ich will Fun haben. Aber welche Tragweite das Ja zum Wasserski bedeutet, können sie nicht abschätzen. Vielleicht sollte es eine zweite Bürgeranhörung zum Thema geben. Dabei könnte die SPD ihr Nein zum Konzept noch mal deutlich machen. Für uns ist das Wasserski-Konzept Geschichte. Uns geht es vielmehr um die Suche nach einer Alternative, die für die Natur und die Anwohner erträglich ist."
Maren Plaschnick, GALiN: "Für uns hat sich das Thema Wasserski erledigt. Die Umfrage nehmen wir zur Kenntnis. Ich spüre keinen Druck, meine Meinung zu dem Thema zu überdenken. Wir sollten nicht die Schlachten von gestern noch mal schlagen. Vielmehr sollten wir uns Gedanken machen, wie unser Stadtpark nach 2012, wenn die Landesgartenschau vorbei ist, aussehen soll: Die reine Ruhe oder Angebote für alle Bürger? Bei der Nutzung der Wasserfläche denke ich eher an Bötchen fahren, Paddeln oder Tauchen. Eine Wasserski-Anlage würde die Nutzung des Wassers für andere Aktivitäten sperren."
Klaus-Peter Schroeder, Fraktionsvorsitzender der FDP: "Wir freuen uns natürlich über das deutliche Ja zum Wasserski - schließlich waren wir immer für das Projekt. Allerdings denke ich nicht, dass sich die politische Mehrheit gegen Wasserski noch brechen lässt. Wir stehen jedenfalls nach wie vor für einen Stadtpark, der Attraktionen für alle Menschen der Stadt bietet."
Miro Berbig, Fraktionsvorsitzender Die Linke: "Respekt: Der Förderverein der Landesgartenschau hat ganze Arbeit geleistet - Scherz beiseite. Über Wasserski will ich eigentlich gar nicht mehr reden - das Thema ist doch nur eine Nebelkerze, die verschleiern soll, dass bei der Landesgartenschau Millionen im Stadtpark-Teich versenkt werden. Außerdem: Wasserski-Events sind Anwohnern nicht zuzumuten, und als Finanzierung der Unterhaltskosten des Stadtparks nach 2011 taugt so eine Anlage auch nicht. Und falls es Wasserski-Begeisterte unter den Norderstedter Jugendlichen gibt, so kann ich sofort andere Jugendgruppen und ihre Interessen nennen, denen in dieser Stadt nicht mit ähnlich großen Projekten Rechnung getragen wird."
Selbstredend sorgt die Umfrage bei den Initiatoren des Stadtparkkonzeptes und beim Förderverein für gute Laune:
Kai Jörg Evers, Geschäftsführer der Stadtpark GmbH: "Wir sind überrascht über die enorme Resonanz der Umfrage und dass sich so viele Befürworter zu Wort gemeldet haben - leider etwas zu spät. Zumindest ist das Abstimmungsergebnis ein schönes Zeichen dafür, dass wir mit unserem Konzept nicht ganz falsch liegen. Vielleicht kann die Umfrage ein Anlass dafür sein, eine belastbare, repräsentative Umfrage zu starten."
Corinne Eichner, Vorsitzende des Fördervereins der Landesgartenschau: "Kein Gegner der Anlage kann jetzt noch behaupten, dass eine Mehrheit in der Stadt gegen die Anlage ist. Und die Politik muss begreifen, dass sie sich nicht auf Kosten der Landesgartenschau oder des Stadtparks profilieren sollte. SPD, GALiN und Linke wurden doch nicht gewählt, weil sie gegen Wasserski sind. Dafür waren ganz andere, wichtigere Themen ausschlaggebend."
Wie geht es jetzt weiter? Die Stadtpark GmbH ist derzeit immer noch auf der Suche nach einem Alternativ-Projekt für die von ihr offiziell eingestellte Planung zur Wasserski-Anlage. Am Freitag, 5. Dezember, treffen sich von 13 bis 17 Uhr, auf Einladung der Stadtpark GmbH Vertreter aller Fraktionen zum Workshop rund um das Thema.











