Die große neue Schulserie im Hamburger Abendblatt. Heute: Die weiterführenden Schulen. Im Moment ändert sich die Schullandschaft rasant. Wohin geht die Entwicklung? Was können Sie tun, wenn Sie mit der Schullaufbahnempfehlung nach der vierten Klasse nicht einverstanden sind?
Kreis Segeberg. Es ist für Eltern eine der schwierigsten Entscheidungen in der Schulzeit ihres Kindes: Welche weiterführende Schule ist die richtige? Angesichts der Neuordnung der Schullandschaft, die vor allem auf längeres gemeinsames Lernen setzt, sind die Wahlmöglichkeiten nach der Grundschule unterschiedlich. Einheitlich sind dagegen die Abschlüsse: Nach neun Pflichtschuljahren kann der Hauptschulabschluss abgelegt werden, nach zehn Jahren der Realschulabschluss und nach zwölf oder 13 Jahren das Abitur.
Die Grundschulen geben mit den Halbjahreszeugnissen eine Empfehlung für die weitere Schullaufbahn, die aber nicht bindend ist. In Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen entscheiden letztlich die Eltern, welche Schulform ihr Kind besuchen soll. In Schleswig-Holstein können sie - ähnlich wie in Hamburg - auch unabhängig von Einzugsgebieten über die konkrete Schule entscheiden. Grundsätzlich gibt es nach der Konzeption "Zweigliedrigkeit plus" folgende weiterführende Schulformen:
Regionalschule
Geeignet für Kinder mit einer Haupt- oder Realschulempfehlung. Nach einer gemeinsamen Orientierungsstufe in den Klassen 5 und 6 besuchen die Schüler den Hauptschul-Bildungsgang (7. bis 9. Klasse) oder den Realschul-Bildungsgang (7. bis 10. Klasse). In den Kernfächern Deutsch, Mathe und Englisch wird getrennt auf unterschiedlichem Lernniveau unterrichtet, in den anderen Fächern ist gemeinsamer Unterricht möglich. Nach der 8. Jahrgangsstufe bekommt jeder Schüler eine Abschlussprognose - mit Wechselmöglichkeit. Im laufenden Schuljahr machen Haupt- und Realschüler zum ersten Mal eine Prüfung, die - wie auch das Zentral-Abitur - im ganzen Land gleich ist. Mit einem Realschulabschluss ist der Übergang in die gymnasiale Oberstufe möglich. Derzeit gibt es 35 Regionalschulen in Schleswig-Holstein.
Gemeinschaftsschulen
Geeignet für Kinder mit einer Haupt-, Realschul- oder Gymnasialempfehlung. Die Schüler lernen von der 5. bis zur 10. Klasse gemeinsam. Unterschiedliche Leistungsmöglichkeiten sollen durch unterschiedliche Lernanforderungen im Unterricht (Binnendifferenzierung) ausgeglichen werden. Wie eine Schule konkret inhaltlich arbeitet, ergibt sich aus ihrem pädagogischen Konzept, das vom Ministerium geprüft und genehmigt werden muss. Nach der neunten Klasse kann der Hauptschulabschluss, nach der zehnten Klasse der Realschulabschluss erworben werden. Für die Versetzung in die gymnasiale Oberstufe ist ein Notendurchschnitt von 2,4 in den Kernfächern notwendig. Das Abitur wird nach 13 Jahren erreicht. Derzeit gibt es 55 Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein.
Gymnasium
Geeignet für Kinder mit Gymnasialempfehlung. Es führt in acht Schuljahren zum (Zentral-) Abitur (G8). Nach Ende der elften Jahrgangsstufe kann die Fachhochschulreife abgelegt werden. Derzeit gibt es 98 Gymnasien in Schleswig-Holstein.
Auslaufende Schulformen
Für eine Übergangsphase bis 2010 gibt es in Schleswig-Holstein ein Nebeneinander der neuen Schulformen und der bestehenden Haupt- und Realschulen sowie der Gesamtschulen. Für Haupt- und Realschulen ist der letzte Einschulungsjahrgang auf 2009/10 terminiert. Danach müssen die Standorte fusionieren oder sich zu Gemeinschaftsschulen wandeln. In den 25 Gesamtschulen lernen die Schüler gemeinsam, werden aber je nach Leistungsfähigkeit in Kurse eingeteilt. Alle Abschlüsse sind möglich, das Abitur wird nach 13 Jahren erreicht. Spätestens 2010 werden alle Gesamtschulen zu Gemeinschaftsschulen.
Die neuen Schulformen, die mehr Durchlässigkeit ermöglichen, verändern auch die Rolle der Schulempfehlung. Die wird allerdings schon jetzt oft nicht befolgt. So wurde in Schleswig-Holstein im Schuljahr 2008/2009 (Stand April 2008) gut 34 Prozent der Viertklässer der Gymnasialbesuch empfohlen, tatsächlich angemeldet wurden fast fünf Prozent mehr. Entgegengesetzt ist das Anmeldeverhalten an den Hauptschulen: 24,3 Prozent hatten eine Empfehlung, angemeldet wurden 7,7 Prozent. Insgesamt sind 81,5 Prozent der Eltern bei der Wahl der weiterführenden Schule der Schullaufbahnempfehlung gefolgt. "Diese Entscheidung ist so schwierig, weil das Verhalten der Schüler über einen längeren Zeitraum nicht vorhersehbar ist", sagt Rainer Adam, Schulpsychologe der niedersächsischen Landesschulbehörde für den Bereich Stade und Cuxhaven. In Schleswig-Holstein soll die Bedeutung der Schulempfehlung aus Sicht des Bildungsministeriums deshalb auch deutlich abnehmen und "zu einer Orientierung für die Eltern werden", so Ministeriumssprecher Sven Runde. Ausnahme: Mit einer Hauptschulempfehlung kann ein Schüler in Schleswig-Holstein nicht aufs Gymnasium gehen.
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