Norderstedt
20.08.08

Leichtathletik: Olympia 1968 brachten ihnen das Glück

"Manon ist meine schönste Medaille"

Manon und Jochen Eigenherr verliebten sich im Olympiadorf in Mexiko-City. Die Spiele in Peking sehen sie kritisch.

Von Frank Knittermeier

Klein Rönnau. Die russische Stabhochspringerin Issinbajewa springt Weltrekord mit fantastischen 5,05 Metern. Aber Jochen Eigenherr (61) mag gar nicht mehr so richtig hinsehen. "Die enormen Schultern der Athletinnen und oft auch die Zahnspangen", sagt er, "das deutet alles auf Doping hin." Er verfolgt die Olympischen Spiele in Peking mit gemischten Gefühlen. Seine Ehefrau Manon sitzt neben ihm und blickt ebenfalls skeptisch. "Das geht alles nicht mehr mit rechten Dingen zu; die olympische Idee wird dem Geschäft geopfert."

Das Ehepaar Eigenherr weiß ganz genau, wovon es spricht: Es gehörte zu den deutschen Spitzenleichtathleten, als Doping noch kein verbreitetes Thema war. Bei den olympischen Spielen in Mexiko-City vor 40 Jahren waren beide am Start. Jochen Eigenherr, der promovierte Zahnmediziner, stand 1968 in dem 200-Meter-Finale, das in die olympische Geschichte eingegangen ist: Sieger Tommie Smith und Bronzemedaillengewinner John Carlos hoben während der Siegerehrung ihre schwarzbehandschuhten Fäuste, um gegen die Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung in den USA zu protestieren. Bis heute ist die Blackpower-Demonstration unvergessen. Jochen Eigenherr, der im Finale den achten Platz belegte, ist für die Medien plötzlich wieder ein interessanter Mann geworden: Wie war es damals, in Mexiko-City?, fragen ihn Zeitungen und Radio-Sender. Smith und Carlos waren für den Deutschen Athleten von einem anderen Stern. Liebenswert, aber arrogant. Menschlich näher fühlte er sich dem Silbermedaillengewinner Peter Norman aus Australien, dessen Lebensweg er verfolgte: "Lange war er in Australien ein Ausgestoßener, weil er während der Siegerehrung die Plakette der Menschenrechtsbewegung Olympic Project for Human am Trikot trug."

Über den achten Rang war Jochen Eigenherr ein wenig enttäuscht, aber darüber kam der siebenfache Deutsche Meister und Ex-Europarekordler über 200 Meter schnell hinweg. "Als einer von acht Menschen auf der Welt in einem olympischen Finale zu stehen, davon kann man als kleiner Junge noch nicht einmal träumen."

Als Schlussmann der 100-Meter-Staffel erlief Jochen Eigenherr noch den sechsten Platz, trotzdem fuhr er mit einem ganz persönlichen Sieg nach Hause. "Manon ist meine schönste Medaille", sagt er und nimmt seine Frau in den Arm. Manon, geborene Bornholdt aus Wahlstedt, feiert heute ihren 58. Geburtstag. Vor 40 Jahren war sie für die Olympischen Spiele in Mexiko eigentlich zu jung. Aber mit einer Ausnahmegenehmigung durfte die deutsche Jugendmeisterin im Fünfkampf schließlich doch starten und belegte den fünften Platz. Die Gymnasiastin war ein Medienstar. Jochen und Manon kannten sich von Wettkämpfen und vom Training in Leverkusen, in Mexiko-City aber verliebten sie sich. 1972 wurde geheiratet. Die Töchter Cornelia (32) und Berit (29) waren ebenfalls Spitzenleichtathletinnen.

Jochen Eigenherr hat seine Zahnarztpraxis in Bad Segeberg zum Jahresbeginn verkauft, Manon Eigenherr hat sich gerade von ihrem Dienst als Grundschullehrerin beurlauben lassen. In ihrem geräumigen Reetdachhaus in Klein Rönnau genießen sie das Leben, treiben Freizeitsport und wollen viel auf Reisen gehen. "Aber nicht unbedingt zu Olympischen Spielen, wir wollen die Länder im Normalzustand kennenlernen."

Top Bilder
Blankenese

Das Elbe-Camp am Falkensteiner Ufer

Fußball

Diese Legenden kommen ans Millerntor

Open Air

Wacken - Schlamm und Heavy Metal

Hamburg

Müllhalden entlang der Außenalster

Top Videos
Service für Harburg
Finden Sie Ihren Traumjob!
Mieten und Kaufen in Harburg und Umland
Schalten Sie kostenlos Ihre Anzeige
Suchen und Finden Sie Ihre Experten aus Harburg

Alles über Ihre Straße