Die Stadtwerke von Norderstedt und Neumünster gründen die Nordlicht GmbH und verkaufen gemeinsam Energie.

Norderstedt. In ihrer letzten Sitzung vor der Kommunalwahl am 25. Mai haben die Norderstedter Stadtvertreter wichtige Beschlüsse für die Zukunft gefasst. So wird die Stadt auch künftig das Altpapier einsammeln - die Politiker hatten das städtische Betriebsamt zunächst bis Ende 2008 mit dieser Aufgabe betraut. Das Geschäft erweist sich als lukrativ: Im vorigen Jahr hat das Fachamt einen Überschuss von 233 045Euro erwirtschaft, gut 70 000 Euro mehr als kalkuliert. Die Nachfrage nach Altpapier ist hoch, und sie wird durch den steigenden Bedarf von China, Indien und anderen Schwellenländern weiter steigen, heißt es in der Vorlage des Betriebsamtes für die Sitzung. Dadurch sei auch für die nächsten Jahre mit wachsenden Erlösen zu rechnen - Geld, das die Stadt einsetzt, um die Müllgebühren trotz steigender Energiepreise stabil zu halten.

CDU und SPD setzten mit deutlicher Mehrheit auch die Nordlicht Energie GmbH durch - unter diesem Namen firmiert die neue gemeinsame Vertriebsgesellschaft der Stadtwerke Norderstedt und Neumünster. Die Nordlicht GmbH will Gas, Strom und, über den Sohn der Stadtwerke Norderstedt, "wilelm.tel", Telekommunikation verkaufen. In Norderstedt und Neumünster bleibt ausschließlich das örtliche Stadtwerk aktiv. Nachdem die Stadtvertreter in Neumünster der Kooperation schon zugestimmt hatten, ist mit dem positiven Votum der Norderstedter der Weg nun frei für die gemeinsame Gesellschaft.

"Ich halte die Kooperation für einen nötigen Schritt, um die kommunalen Energieversorger im zunehmenden Wettbewerb zu erhalten", sagte Peter Behr (SPD). Auch CDU-Kollege Gert Leiteritz sah die Energieversorgung nun gesichert. "Das ist doch die Privatisierung durch die Hintertür", sagte Anette Reinders von der Grünen Alternativen Liste in Norderstedt (GALiN). SPD und FDP machten deutlich, dass die Stadtwerke Norderstedt in jedem Fall ein städtischer Eigenbetrieb und Teil der Verwaltung bleiben sollen.

Streitpunkt war die Schulreform. CDU und Verwaltung wollen die vier Gymnasien erhalten sowie je drei Regional- und Gemeinschaftsschulen einrichten. (wir berichteten). "Alle Bildungsstudien sagen aus, dass Kinder aller Begabungen und unterschiedlicher sozialer Herkunft die Schule am erfolgreichsten absolvieren, wenn sie möglichst lange gemeinsam lernen", sagte Sybille Hahn (SPD). Das garantiere die Gemeinschaftsschule, in der die Schüler bis zum 10. Schuljahr zusammenbleiben. Außerdem hätten sich die Eltern mehrheitlich für diese Schulform ausgesprochen. Anette Reinders (GALiN) befürchtete, dass die Regionalschulen nicht genügend Anmeldungen bekommen werden. Darauf deuteten die ersten Anmelderunden in Schleswig-Holstein hin: "Und dann haben wir Schulen mit viel Geld falsch umgebaut." GALiN und SPD forderten vier Gemeinschafts- und eine Regionalschule, konnten sich aber gegen CDU und FDP nicht durchsetzen.