Die Eltern befürchten, dass die Würfel längst gefallen sind und eine intensive Diskussion unterbunden werden soll.

Norderstedt. Die Kreiselternvertreter üben in der Diskussion um die Einführung eines Kita-Gutscheinsystems harsche Kritik an der CDU und der Norderstedter Verwaltung. Im "Hauruck-Verfahren" und ohne intensive, inhaltliche Diskussion soll das System entwickelt und beschlossen werden. "Das, wofür andere Städte Jahre benötigt haben, will die CDU innerhalb von zwei Monaten aus dem Boden stampfen. Wo bleibt da das Kindswohl?", so die Elternvertreter Katrin Schmieder und Susanne Amrhein in einer Mitteilung.

Auslöser für ihre Kritik ist eine nichtöffentliche Beratung des Ausschusses für junge Menschen im Januar, bei der offenbar nicht nur ein enger zeitlicher Rahmen (Ende April) für die Entwicklung des Systems vorgegeben wurde, sondern auch eine neue "Zielvorgabe zur Entwicklung von qualitätssteigernden Maßnahmen und einem Konzept zum Kita-Gutscheinsystem".

"Im Gespräch mit uns hat sich der CDU-Ausschussvorsitzende Holger Hagemann von seinen Äußerungen in der Norderstedter Zeitung distanziert", sagen die Elternvertreter. Hagemann hatte von einer offenen Diskussion gesprochen, an deren Ende auch ein Nein zum Gutscheinsystem stehen könnte. Ebenso äußerte sich der zuständige Dezernent im Rathaus, Torsten Thormählen. Am 31. Januar traf sich erstmals ein Arbeitskreis aus Vertretern der Eltern, der Kindergartenträger, der Erzieher und der Verwaltung, um das Für und Wider des Systems auszuloten - wie von der Politik gewünscht. "Die Zeitvorgaben für diese Arbeit sind bewusst so eng bemessen, dass eine ergebnisoffene konzeptionelle Arbeit nicht realisiert werden kann", sagen Amrhein und Schmieder. Der Eindruck entstehe, die Diskussion werde absichtlich unterbunden, und die am Arbeitskreis beteiligten hätten lediglich die Möglichkeit, Einzelfragen zu beantworten und Stellungnahmen abzugeben. Die Elternvertreter: "So wurde aus der Projektarbeit ein Beteiligungsverfahren. Mit dieser Mogelpackung trägt die CDU das letzte Vertrauen in eine bürgernahe und bürgerorientierte Entscheidungsfindung zu Grabe."

Auf Antrag der SPD-Fraktion wird in der kommenden Sitzung am 20. Februar das Thema Kita-Gutschein zur Beratung auf die Tagesordnung genommen.