Die Eltern können sich die Einrichtung aussuchen und gezielt Begabungen fördern. Elternvertreter lehnen das System ab. Die Kinder würden zu wenig gefördert.

Norderstedt. Morgen wird sich entscheiden, wie die rund 3600 Kindergarten-Kinder in Norderstedt künftig betreut werden. Das Gutschein-System soll im Ausschuss für junge Menschen beschlossen werden. Die Neuregelung sieht im Wesentlichen vor:

  • Die Eltern melden der Stadt, wieviel Betreuung sie brauchen und bekommen einen Gutschein für zwölf Monate.

  • Anspruch auf einen Gutschein für mindestens vier und höchstens zwölf Stunden Betreuung an fünf Tagen in der Woche haben alle Kinder ab drei Jahre bis zum Schuleintritt. Für jüngere Kinder besteht der Anspruch, wenn beide Eltern oder der allein erziehende Elternteil berufstätig sind, studieren, eine berufliche Aus- oder Weiterbildung durchlaufen, an einer Maßnahme zur Eingliederung in Arbeit (Hartz IV) teilnehmen, einen Deutschkursus für Migranten oder einen Integrationskursus besuchen, sozial bzw. pädagogisch bedingter Bedarf zum Beispiel Sprachförderung besteht, oder das Kind behindert bzw. von Behinderung bedroht ist.

  • Darüber hinaus sollen Eltern die Möglichkeit haben, Stunden dazuzubuchen und selbst zu bezahlen.

    Die Verwaltung weist in ihrer Vorlage für die Ausschuss-Sitzung auch auf Probleme des Gutschein-Systems hin, die von den Elternvertretern geteilt werden. Die Kreiselternvertretung der Kindertagesstätten und die Interessengemeinschaft Kita-Eltern Norderstedt lehnen die Neuregelung ab.

    Sie sehen die Gefahr, dass Kinder weniger Betreuung und Förderung bekommen als nötig. Auch das "so wichtige" Mittagessen sei nicht unbedingt enthalten. Außerdem würden sich die Einrichtungen die für sie interessanten Eltern mit hohen Betreuungszeiten und entsprechend hohem Entgelt aussuchen. Dann dürfe man sich nicht wundern, dass sich das Jugendamt mit mehr vernachlässigten Kindern beschäftigen muss, und dass mehr Kinder eine längere Grundschulzeit durchlaufen, weil ihnen die Frühförderung fehlt, kritisieren die Eltern.

    Laut Verwaltung wird die Nachfrage das vorhandene Angebot an Plätzen übersteigen. Wegen der verschiedenen Gutscheine sei der Organisations-Aufwand in den Einrichtungen groß. "Mit dem vorhandenen Personal wird die Vergabe der Gutscheine nicht zu bewältigen sein", schreibt die Verwaltung.

    Die CDU befürwortet die Neuregelung: "Die Gutscheine erlauben den Eltern mehr Flexibilität. Sie können durch die Wahl der Kindertagesstätte gezielt Begabungen fördern", sagt Holger Hagemann (CDU). Er geht davon aus, dass das Gutschein-System morgen beschlossen wird. Gelten soll es aber frühestens ab August 2009/2010. "Wir wollen das in Ruhe vorbereiten", sagt Hagemann. Für die Vorbereitung soll eine Projektgruppe gebildet werden, in der Verwaltung, Politiker, Elternvertreter, Kindergarten-Leitungen und externe Berater mitarbeiten. Der Ausschuss tagt von 18.30 Uhr an im Rathaus.