Museum zeigt Nachbauten des Schalterraums der Kreissparkasse, eines Polizeipostens in den 60er-Jahren und das Wohnzimmer der Räuberin.

Kreis Segeberg. Wolfgang Klietz

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Kreis Segeberg

Der 19. Coup sollte der letzte sein. Nach drei Jahren und einer beispiellosen Serie von Banküberfällen in Norddeutschland waren sich Gisela Werler und Hermann W. einig, dass sie in der Kreissparkasse in Bad Segeberg noch einmal groß abräumen und sich danach zur Ruhe setzen wollten.

Am 15. Dezember 1967 waren alle Vorbereitungen getroffen. Von seiner Masche wich das Pärchen auch diesmal nicht ab: Hermann W. hatte sein Taxi in der Nähe des Tatorts geparkt. Mit einem gestohlenen VW Käfer fuhren sie vor die Filiale an der Oldesloer Straße. Seine Maschinenpistole hatte der Pinneberger wie immer dabei, und seine Begleiterin war wie stets bei den Überfällen maskiert. Erstmals hatte die damals 33 Jahre alte Gisela Werler Männerkleidung und eine Pudelmütze an. Bislang hatte sie immer eine blonde Perücke, eine gewaltige Sonnenbrille und elegante Kleidung getragen und sich den Spitznamen "Banklady" eingehandelt. Die Bezeichnung war nach den vielen Überfällen ein Begriff. Das Klischee von der bewaffneten Sexbombe, die trotz einer Belohnung von 16 000 Mark nicht zu fassen war, faszinierte die Deutschen. Dass die vermeintliche Lady sich ohne Maske als äußerlich unscheinbare Kriminelle entpuppen würde, ahnte niemand.

Kurz vor 18 Uhr stoppte der Käfer vor der Sparkasse, in der sich 25 Menschen befanden. Hermann W. bedrohte sie mit einer Maschinenpistole, die "Banklady" blieb wie immer höflich: "Würden Sie bitte alles Geld einpacken?"

Doch diesmal lief es nicht glatt. Kassierer Lothar B. legte nur zögernd die Scheine zurecht, die sich schließlich auf 99 800 Mark summierten. Hermann W. verlor die Nerven, stieß dem Mann den MP-Lauf in den Bauch. Gisela Werler riss das Geld an sich. Als die Scheine umher flogen, brüllte jemand: "Überfall! Überfall!"

Die Räuber rennen zum Auto. Als vier junge Bankangestellte dem Paar auf den Hof folgen, drückt Hermann W. ab, trifft aber nicht. "Das sind nur Platzpatronen!", ruft einer der Verfolger. Ein fataler Irrtum. W. schießt erneut. Die Garbe trifft die vier jungen Leute. Drei erleiden leichte Blessuren, eine Frau wird schwer getroffen. Von der Verletzung im Rücken erholte sie sich nie.

In der Bank hat ein Mitarbeiter die Alarmanlage ausgelöst, die wegen der vielen Überfälle der vergangenen Jahre installiert worden war. Die Banklady und Hermann W. rasen davon und wollen zu ihrem Volvo-Taxi, doch beim Auskundschaften der Bank hatten sie die Bahnschranke übersehen. Ausgerechnet jetzt kam ein Zug. Hermann W. bog ab, fuhr über die Bundesstraße in Richtung Bad Bramstedt. Als er an einer Tankstelle wenden wollte, kam die Polizei. Mit ihrem Bus blockierten die Beamten den Käfer. Wieder griff Hermann W. zur MP und drückte ab, doch das Magazin fiel heraus, so dass sich kein Schuss löste. Handschellen, Festnahme - auf der Landstraße bei Bad Segeberg war die Karriere des Paares beendet. Warum die Waffe versagte, fanden Kriminaltechniker später heraus: Es war quasi ein Eigenbau. Der gelernte Metallschlosser Hermann W. hatte die funktionsuntüchtige amerikanische MP der Marke Thomsen als Deko-Stück bei einem Versandhandel gekauft und in seiner Kellerwerkstatt scharf gemacht. Das Magazin stellte er selbst her.

Als das Paar vor dem Landgericht in Kiel stand, war der Andrang riesig. Hermann W. bekam dreizehneinhalb Jahre. Nach seiner Entlassung überfiel er erneut eine Bank: Im Dezember 1985 schoss er auf der Flucht in Elmshorn auf den Polizisten Lothar S., der sich mit einem Sprung zur Seite retten konnte. Mit 49 000 Mark entkam W. Am nächsten Tag nahm das Mobile Einsatzkommando den Bankräuber fest. Gisela Werler wurde zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt. Sie starb im Jahr 2003.