"Eine Lady?" Warum Gisela Werler so bezeichnet wurde, hat Hans Schliemann (88) nie verstanden. So gar nichts Damenhaftes konnte der Kriminalbeamte an der Serien-Räuberin entdecken, als er sie nach der Schießerei in Bad Segeberg vernahm. "Sie war eine junge einfache Frau", erinnert sich der Pensionär, der in den 60er-Jahren die Abteilung für Schwerkriminalität im Kriminalpolizeiamt in Kiel leitete. "Sie war Packerin in einem Tapetengeschäft." Eine Lady sei die optisch unauffällige Frau nicht gewesen.
In Bad Segeberg klickten die Handschellen
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Schliemann hatte in dem Gespräch leichtes Spiel. "Sie war für unsere Fragen zugänglich." Die "Banklady" gestand während der Vernehmungen sämtliche Überfälle, die sie gemeinsam mit ihrem Komplizen Hermann W. begangen hatte. Warum die unscheinbare Frau an der Seite des skrupellosen Taxi-Fahrers Deutschlands erste Bankräuberin wurde, steht für Schliemann zweifelsfrei fest: "Sie war ihm hörig."
Das Paar habe sich von dem geraubten Geld "etwas gönnen" wollen. Sie kaufte sich schicke Kostüme und einen gebrauchten VW Käfer, er freute sich über "Kalbsteaks vom Feinsten" und fuhr mit seiner Liebsten nach Büsum oder Helgoland in den Urlaub.
Bereits vor der Festnahme hatte sich Schliemann monatelang mit den Bankräubern beschäftigt: Im Kriminalpolizeiamt, dem Vorläufer des Landeskriminalamtes, liefen regelmäßig die Meldungen über die Überfälle der Täter ein, die scheinbar nicht zu fassen waren. Schliemann verglich Fahrzeuge und Kennzeichen, untersuchte das Vorgehen an den Tatorten und informierte die örtlichen Dienststellen. Außerdem gab er Warnungen an Banken rund um Hamburg heraus.
"Konkretes konnte ich jedoch nicht liefern", sagte er. Zwar wurden mehrere Phantomzeichnungen angefertigt. Doch wegen der wechselnden Maskierung sah die Banklady auf jedem Bild anders aus. "Ich tappte im Dunkeln", sagte Hans Schliemann.











