Konfliktparteien gehen aufeinander zu. Inhaltlich gibt es aber weiterhin keine Einigung.

Henstedt-Ulzburg. Drei Monate nach Beginn der Mobilfunk-Affäre in der Henstedter Erlöserkirchen haben sich die Konfliktparteien am Dienstag abend erstmals getroffen und miteinander über ihre Positionen gesprochen. Im Gemeindesaal des Gotteshauses kamen Befürworter und Gegner der Kirchturmantenne zusammen. Mit dabei waren jeweils sechs Anwohner und Mitglieder des Kirchenvorstandes, darunter Pastor Lars Reimann (37) und der ehemalige Vorsitzende des Kirchenvorstandes Wolfgang Keuffel (61), also eben jene beiden Männer, die im April 2000 den auf 20 Jahre angelegten Vertrag mit dem Mobilfunkbetreiber Viag Interkom (heute O2) im Auftrag des Gremiums unterschrieben und ihrer Kirchengemeinde damit einen langwierigen und womöglich höchst kostenspieligen Rechtsstreit eingebrockt haben.

Daß es überhaupt zu diesem Treffen kam, darf bereits als Erfolg gewertet werden. Bis vor kurzem hatten sich die meisten Mitglieder des Kirchenvorstandes einem solchen Gespräch noch standhaft verweigert. Am 19. November setzte die jetzige Vorsitzende Annemarie Winter (56) den Termin schließlich doch an. Pikant: Winter wollte die Versammlung ursprünglich öffentlich abhalten. Mehrere ihrer Vorstandskollegen pfiffen sie jedoch zurück, weil sie befürchteten, der Ruf ihrer Kirchengemeinde könne sonst weiteren Schaden nehmen. "Wenn ich mich mit meiner Frau streite, gehe ich ja auch nicht extra nach draußen auf den Parkplatz", meint Keuffel.

An den inhaltlichen Positionen hat das Treffen jedoch nichts geändert. "Unsere Forderung besteht nach wie vor. Die Antenne muß stillgelegt werden", macht Anwohnersprecher Alex Janke (71) deutlich. Um die Gefährdung zu belegen, die von der Antenne im Kirchturm ausgehen könnte, hat die Interessengemeinschaft der Anwohner auf eigene Kosten den Lübecker Medizinphysiker und Mobilfunkexperten Lebrecht von Klitzing (65) beauftragt, die Strahlung an mehreren Orten in der Umgebung der Erlöserkirche zu messen. Vorgestern war Klitzing mit seinen Meßinstrumenten vor Ort. Die Ergebnisse liegen vermutlich bereits morgen vor.

Der Kirchenvorstand legt indes Wert auf die Feststellung, er habe damals im Einklang mit sämtlichen rechtlichen Vorschriften gehandelt. Zugleich gibt er aber auch zu, in den vergangenen Wochen Fehler beim Umgang mit diesem sensiblen Thema gemacht zu haben. "Das sind Fehler, die passieren können, die aber nicht passieren dürften", sagt Vorstandsmitglied Peter Fleck (42). Die Aufarbeitung dieser Fehler, so Keuffel, wolle der Kirchenvorstand jetzt intern klären. Beide betonen, es werde nun eine "drastische Richtungsänderung" in der Art und Weise geben, wie die Kirchengemeinde Henstedt-Ulzburg künftig mit dem Anwohnerprotest umgeht.