Antenne im Kirchturm: Die Verantwortlichen der Erlöserkirchengemeinde fühlen sich nicht zuständig. Kritiker fordern nun den Rücktritt der Vorsitzenden des Kirchenvorstandes

Henstedt-Ulzburg. Im Streit um die Mobilfunkaffäre der Erlöserkirche in Henstedt-Ulzburg ist es zum Eklat gekommen. Im Rahmen einer Versammlung des Pfarrbezirks Henstedt am vorgestrigen Volkstrauertag wollten die um ihre Gesundheit besorgten Anwohner und Teile des Kirchenvorstandes ursprünglich von 12 Uhr an über das Thema diskutieren. Doch bereits nach wenigen Minuten haben die Nachbarn den Gemeindesaal wutentbrannt wieder verlassen. Der Grund: Obwohl Versammlungsleiter Peter Fleck zu Beginn der Sitzung noch ausdrücklich darauf hingewiesen hatte, man wolle jetzt über die Mobilfunkantenne im Kirchturm sprechen, weigerten sich die Verantwortlichen um Pastor Lars Reimann (37) und die Kirchenvorstandsvorsitzende Annemarie Winter (56), eben dies zu tun - mit der Begründung, dies sei nicht der richtige Anlaß, und sie seien dafür nicht zuständig.

"Was sich diese Leute leisten, ist unmöglich", kritisiert Alex Janke (71), der Sprecher der Anwohner, die Kirchenoberen, "bis heute haben wir keine Antwort auf unsere schriftliche Anfrage bekommen, die wir schon im September verfaßt haben. Damals wurden wir mit dem Hinweis auf diese Versammlung vertröstet. Und nun will man das Thema schon wieder totschweigen. Das ist doch eine klassische Hinhaltetaktik."

"Das Thema wurde regelrecht abgebügelt" Auch Wolfgang Hasenberg (61), Geschäftsführer der Firma Nordimmobilien und somit Verwalter der betroffenen Häuser an der Kisdorfer Straße, hat die Sitzung miterlebt und war von dem Verhalten der Verantwortlichen der Henstedter Kirche entsetzt: "Das Thema wurde regelrecht abgebügelt. Ich hatte den Eindruck, man wollte uns ganz schnell loswerden. Aber so kann man die Menschen doch nicht behandeln." Hasenberg fühlt sich nach eigener Auskunft an Altkanzler Helmut Kohl erinnert: "Ich habe das Gefühl, die Leute von der Kirche möchten das Thema einfach aussitzen."

Doch die Hoffnung, die Menschen in Henstedt-Ulzburg könnten schon bald vergessen, daß der Kirchenvorstand im Jahr 2000 heimlich die Genehmigung für die Errichtung einer Mobilfunkantenne im Turm der Erlöserkirche gegeben hat, um dafür 8000 Mark jährlich sowie 30 000 Mark für die Anschaffung eines Busses für die Pfadfindergruppen von Pastor Reimann zu erhalten, dürfte verfrüht sein. "Wir lassen uns doch nicht für dumm verkaufen. Deshalb werden wir der Kirche jetzt so richtig einheizen", kündigt Anwohnersprecher Janke an. Für die Advents- und Weihnachtszeit sind mehrere Protestaktionen geplant. Ein Transparent hängt bereits gut sichtbar auf dem Nachbargrundstück, darauf steht die Warnung: "Achtung: Gefährliche Strahlen vom Kirchturm - Krebsrisiko!"

Zudem fordert Janke nach den Ereignissen am Volkstrauertag auch personelle Konsequenzen: "Frau Winter muß zurücktreten. Die Frau ist mit dem Amt der Vorsitzenden im Kirchenvorstand komplett überfordert. In Wahrheit ist sie doch bloß eine Marionette. Ich vermute, daß Pastor Reimann im Hintergrund die Fäden zieht."

Annemarie Winter spricht von einem Mißverständnis Annemarie Winter weist den Vorwurf zurück: "Ich werde nicht zurücktreten. Aber ich gebe zu: Die Versammlung am Sonntag ist leider total schiefgelaufen." Winter, die Vorstandsvorsitzende der Kirchengemeinde Henstedt-Ulzburg ist, spricht von einem Mißverständnis. Die Anwohner seien wohl davon ausgegangen, es habe sich um eine Versammlung der Kirchengemeinde Henstedt-Ulzburg gehandelt. Tatsächlich aber sei es lediglich eine Versammlung des Henstedter Pfarrbezirks gewesen. Für die Frage des Mobilfunks sei jedoch die gesamte Kirchengemeinde Henstedt-Ulzburg zuständig.