Die Parteien wollen morgen in der Stadtvertretung gegen den Elternwillen beschließen, dass es in Norderstedt vier Gemeinschafts- und eine Regionalschule geben wird.

Norderstedt. Im Norderstedter Rathaus wird es morgen voll und laut. Eltern und Schüler wollen ihrem Ärger über die geplanten Schul-Fusionen in der Stadtvertretung (ab 19 Uhr) Luft machen - die Elternvertreter der Realschulen Friedrichsgabe und Garstedt, der Hauptschule Falkenberg sowie der Kinder und Jugendbeirat haben Väter, Mütter und Schüler zum Protest aufgerufen. Anlass ist ein Antrag von SPD, GALiN und Die Linke, den sie mit ihrer Ein-Stimmen-Mehrheit durchsetzen können. Die Real- und Hauptschule Friedrichsgabe soll zu einer Gemeinschaftsschule, die Realschule Garstedt und die Hauptschule Falkenberg zu einer Regionalschule zusammengeschlossen werden. Diese Pläne treffen auf erbitterten Widerstand bei Eltern, Schülern und Lehrern.

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Die geplante Fusion der Hauptschule Falkenberg und der Realschule Garstedt kommt für die Betroffenen völlig unerwartet: "Die Parteien haben nicht mit uns über diese komplett neue Sachlage gesprochen. Wir haben erst vor ein paar Tagen davon erfahren", sagt Gaby Kaste, Vorsitzende des Elternbeirates der Realschule Garstedt. Die Antragsteller hätten schon formal gegen das Schulgesetz verstoßen: Danach müssten die schulischen Gremien gehört werden, bevor Beschlüsse mit so weit reichenden Konsequenzen gefasst werden. Das sei aber nicht geschehen.

Die Schulkonferenzen beider Schulen hätten entschieden, dass beide Schulen eigenständige Regionalschulen werden sollen, die Realschule Garstedt als offene und die Hauptschule Falkenberg als gebundene Ganztagsschule mit verpflichtendem Unterricht am Nachmittag. In den vergangenen Jahren habe die Stadt erheblich in die Modernisierung und Sanierung beider Schulen investiert. Die geplante Fusion würde die Investitionen ad absurdum führen, schreiben die Elternbeiräte der Realschule Garstedt und der Hauptschule Falkenberg in einem Protest-Brief an Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote und die Parteien. Wenn alle Schüler langfristig in der Realschule Garstedt lernen sollen, steige die Schülerzahl von rund 350 auf 600. Das bedeute erhebliche Kosten für neue Klassen-, Gemeinschafts- und Fachräume. Die Sporthalle sei zu klein, eine gebundene Ganztagsschule brauche eine große Mensa, für die kein Platz existiere.

Sauer sind auch die Eltern der Realschule Friedrichsgabe: "Wir sind enttäuscht und betroffen über den neuerlichen Antrag, der unsere Beschlüsse und damit die nach den Parteiprogrammen geforderte Willensbildung der Bürger ignoriert", sagt Birgit Riege, Vorsitzende des Elternbeirats. Die Schulkonferenz habe sich einhellig für die Umwandlung in eine Regionalschule ausgesprochen. Nur sie ermögliche einen Wechsel von Schülern aufs Lessing-Gymnasium und umgekehrt. Da beide Schulen im Schulzentrum Nord unter einem Dach arbeiteten, werde diese Durchlässigkeit schon erfolgreich praktiziert. "Auch wir sind sehr interessiert an diesem Modell", sagt Arndt Eilhardt, Elternbeirats-Vorsitzender des Lessing-Gymnasiums.

Der Kinder- und Jugendbeirat weist auf die Elternumfrage hin. Danach hätten sich 60 Prozent für eine Gemeinschafts- und 40 Prozent für eine Regionalschule ausgesprochen. Das bedeute für Norderstedt drei Gemeinschafts- und zwei Regionalschulen. Außerdem warnen die Jugendvertreter vor einer Überlastung der künftigen Regionalschule Garstedt: Alle Rückläufer von den vier Gymnasien könnten nur hier aufgenommen werden, da Gemeinschaftsschulen das nicht dürften. Hinzu kämen Schüler aus Henstedt-Ulzburg, dort werde es keine Regionalschule geben.

Nach dem Willen von SPD, GALiN und Die Linke wird es eine Regional- und vier Gemeinschaftsschulen in Norderstedt geben. Alle drei halten diese Schulform für die richtige. Nur das lange gemeinsame Lernen könne Nachteile, die Schüler aus "bildungsfernen Familien" hätten, erfolgreich ausgleichen. "Da die Hauptschule wegen zu geringer Schülerzahlen auf Dauer nicht eigenständig bleiben kann, halten wir die Fusion mit der Realschule Garstedt zu einer Regionalschule für sinnvoll", sagt SPD-Sprecherin Katrin Fedrowitz.

Im Übrigen sei das Schulgesetz so geändert worden, dass Schüler nach der Orientierungsstufe auch auf eine Gemeinschaftsschule wechseln könnten, die Durchlässigkeit im Schulzentrum Nord sei also gewährleistet.