Insel und Badedüne könnten wieder verbunden werden. Auf der neuen Fläche sollen Hotels und Strände entstehen.

Hamburg. Helgolands Inselbürgermeister Frank Botter hatte ein solche Idee vor einigen Monaten schon einmal vorsichtig formuliert. Jetzt ist sie von dem Hamburger Bauunternehmer Arne Weber weiter konkretisiert worden. Sein spektakulärer Vorschlag: Die Insel und ihre Badedüne sollten durch Sandaufspülungen wieder verbunden werden - so wie sie es noch im 18. Jahrhundert waren. Etwa 100 Hektar neue Inselfläche für Hotels, lange Strände, Radwege, ein neuer Jachthafen und auch ein Anleger für Kreuzfahrtschiffe könnten entstehen, so Weber. Helgoland, Deutschlands einzige Hochseeinsel, würde sich in ihrer Fläche fast verdoppeln. Weber: "Das ist machbar und wird den Insel-Tourismus wieder nach vorne bringen."

Gestern Abend erläuterte er seine Vision in Cuxhaven vor Unternehmern aus der Region mit ersten Kalkulationen und Studien der TU Hamburg-Harburg. Insel und Düne würden demnach zunächst mit einer etwa ein Kilometer langen Spundwand verbunden, die in das dort nur sieben Meter tiefe Wasser gerammt würde - dann müsste der Sand aufgespült werden. Weber: "Das ist in zwei Jahren gut zu machen, Sand gibt's dort jede Menge." Etwa 80 Millionen Euro würde diese Art der Landgewinnung kosten. Damit gäbe es Neuland für weniger als 100 Euro pro Quadratmeter. Weber: "Das rechnet sich schnell und könnte über eine Projektgesellschaft oder einen Fonds finanziert werden."

Das Engagement für Helgoland ist dem Harburger Unternehmer quasi in die Wiege gelegt worden. Seit 100 Jahren ist das Traditionsunternehmen H. C. Hagemann auf der Insel aktiv, baut dort Gebäude, Molen und Schutzanlagen. Weber selbst betreibt dort ein Hotel, seine Mutter ist gebürtige Helgoländerin, und auch die Großeltern stammten von der Insel.

"1952 war ich als achtjähriger Junge an der Hand meines Vaters einer der Ersten, die die Insel nach dem Krieg wieder betreten durften", so Weber.

Helgoland, etwa 65 Kilometer vor Cuxhaven mitten in der Nordsee gelegen, gilt seit Generationen als beliebtestes Touristenziel. Hochseeklima und das klare Meerwasser sind einzigartig in Deutschland. Doch der Tourismus erlebt seit Jahren starke Einbußen. Noch in den 70er-Jahren kamen mehr als 800 000 Tagesgäste jedes Jahr. Inzwischen ist die Zahl auf weniger als 300 000 abgestürzt, nachdem Schiffslinien eingestellt worden waren. Nach Ansicht Webers müsse daher die Anbindung mit modernen Schiffstypen deutlich verbessert werden. Sein Neuland-Plan sieht zudem Aufspülungen an der Düne vor, damit der kleine Flugplatz ausgebaut werden könnte.

Die knapp 1500 Inselbewohner überlegen angesichts des dramatischen Besucherrückgangs schon seit einiger Zeit neue Konzepte - etwa den Bau einer großen Seebäderbrücke zwischen Insel und Düne. Die Idee von Sandaufspülungen hatte Bürgermeister Botter dabei im Dezember ins Spiel gebracht. "Nachdenken über ungewöhnliche Projekte muss erlaubt sein", so Botter seinerzeit.