Seiner Frau erzählte Manfred Ritzek von Verfolgern und einem Schlag auf den Kopf. Gestern bedauerte er die Version. Es war ein Unfall nach einer Feier.
Kiel/Norderstedt. Das Gerücht verbreitet sich gestern Morgen wie ein Lauffeuer im Kieler Landeshaus. Um kurz nach zehn wird es zur harten Nachricht. Zum Auftakt der Landtagssitzung berichtet Vize-Präsidentin Ingrid Franzen (SPD), dass der CDU-Abgeordnete Manfred Ritzek (67) aus Norderstedt am Vorabend bei einem Überfall in Kiel niedergeschlagen wurde und verletzt im Krankenhaus liegt. Die Abgeordneten sind geschockt. Die Polizei mag das nicht bestätigen, man ermittele. Internet-Redaktionen melden den "brutalen Überfall" auf einen CDU-Politiker an der Förde.
Quelle ist Ritzeks Ehefrau Hildegard. Auch dem Abendblatt erzählt sie, dass die Polizei sie um 0.15 Uhr aus dem Bett geklingelt habe. Sofort sei sie zu ihm in die Kieler Uniklinik gefahren. Er habe Platzwunden auf dem Kopf und im Gesicht gehabt sowie Gehirnerschütterung. Aus dem Gespräch mit ihm rekonstruiert sie den Vorfall so: Auf dem Weg von einer Veranstaltung in sein Stammhotel habe er Schritte gehört. Plötzlich sei es ruhig gewesen. Er habe angenommen, dass die Männer abgebogen seien, und dann einen heftigen Schlag auf den Kopf bekommen. Auf Nachfrage sagte der Parlamentarier dem Abendblatt nachmittags am Telefon, was danach passiert sei, wisse er nicht. "Ich kann mich an absolut nichts erinnern."
Bei der Polizei laufen die Telefone heiß. "Für einen Überfall haben wir keine Anhaltspunkte", bekräftigt Polizeisprecher Jürgen Börner und verwies auf die Fakten. Gegen 23 Uhr habe ein Bürger die Polizei alarmiert, weil sich ein älterer Herr verletzt in Richtung des Nobelhotels "Kieler Kaufmann" schleppe. Der Mann sei in eine Klinik eingeliefert worden. "Die Verletzungen dürften von einem Sturz ohne Fremdverschulden stammen." Wie aus Polizeikreisen bekannt wurde, hatte dabei auch Alkoholkonsum eine Rolle gespielt.
Im Landeshaus lachen die ersten Abgeordneten über den "Vollblutpolitiker" aus Norderstedt. Einer sagt, dass Ritzek nach einer trockenen Finanztagung am Mittwochabend in Kiel mit Kollegen feierte. Am Abend meldet sich Ritzek aus dem Krankenhaus, zieht die Notbremse. Er bedauere die in den vergangenen Stunden "bekannt gewordene Darstellung". "Es tut mir leid, dass dieser Eindruck entstanden ist und für eine erhebliche Aufregung gesorgt sowie zu polizeilichen Ermittlungen geführt hat." Die gute Nachricht: Ritzek befindet sich auf dem Wege der Besserung.











