Ein Transformator fiel aus, eine Pumpe versagte, und wichtige Ventile öffneten sich "unplanmäßig".

Kiel. Nach dem Störfall im Kernkraftwerk Krümmel haben der Betreiber Vattenfall und die Atomaufsicht im Kieler Sozialministerium über Tage brisante Details verschwiegen. Beide Seiten rechtfertigten ihre lückenhafte Informationspolitik gestern auch damit, dass man keine unnötige Panik erzeugen wollte. "Was soll die Öffentlichkeit mit Informationen, die sie nicht verarbeiten kann?", so Vattenfall-Sprecher Ivo Banek. Ähnlich argumentierte Ministeriumssprecher Oliver Breuer. Die Atomaufsicht habe die Hinweise zunächst prüfen müssen.

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Vor einer Woche war in Krümmel ein Transformator ausgebrannt. Bei der folgenden Schnellabschaltung des Reaktors hatte es mehrere Pannen gegeben. Das teilte das Ministerium aber erst am Dienstag mit. Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) schob den Schwarzen Peter im Gespräch mit dem Abendblatt an den Betreiber weiter. Vattenfall hätte die Öffentlichkeit informieren müssen. "Wir sind nicht das Sprachrohr von Vattenfall." Die Auffälligkeiten in Krümmel (wie berichtet) würden weiter untersucht, sagte die Ministerin. Gemeint sind drei Pannen, die sich gleich nach dem Brand des Transformators AT01 in Krümmel ereigneten:

  • Beide Transformatoren, der brennende AT01 und der intakte AT02, trennten sich vom 380-KV-Netz. Im Normalfall hätte laut Atomaufsicht AT02 den Strom für Betrieb und Überwachung des Reaktors liefern sollen. Ersatzweise wurde eine 110-KV-Leitung angezapft. Die Notstrom-Diesel mussten nicht angeworfen werden.

  • Nach der Reaktorschnellabschaltung (RESA), bei der 205 Sicherungsstäbe zwischen die 840 Brennelemente geschossen werden, versagte eine der drei Reaktorspeisewasserpumpen. Sie regulieren Druck und Wasserstand im Reaktor und müssen nach einer RESA laufen, um die Nachwärme abzubauen.

  • Um nach dem Blackout der Pumpe den Überdruck im Reaktor zu verringern, öffneten sich "unplanmäßig" zwei Sicherheits- und Entlastungsventile. Folge: Im Reaktor kam es zu einem "schnellen Druck- und Füllstandsabfall". Der Wasserspiegel sank aber nicht so stark, dass die Brennstäbe freigelegt wurden. Sekunden später sprang das Nachspeisesystem an, füllte den Reaktor mit Wasser auf.

    In der Bewertung dieser "Ereigniskette" sind sich Vattenfall und Atomaufsicht im entscheidenden Punkt einig: Die Sicherheit des Reaktors war zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Jede RESA ist ein Härtetest, vergleichbar mit der Vollbremsung eines Autos. "Bei einem alten Wagen fliegt da schon mal der Auspuff ab", frotzelte Trauernicht. Krümmel ist seit 1983 am Netz. Trauernicht versprach, den Reaktor nur wieder ans Netz zu lassen, wenn keine Gefahr besteht. Das Prüfergebnis dürfte erst in einigen Tagen vorliegen. Krümmel könnte auch mit dem verbliebenen Trafo AT02 wieder ans Netz, dann aber nur etwa 60 Prozent Last fahren. Bis dahin werden Vattenfall und Atomaufsicht erst mal am Pranger stehen. Umweltschützer nannten die späte Pannenbeichte einen Skandal und selbst aus der atomfreundlichen Nord-CDU wurde die Forderung nach Aufklärung laut.