Plage: Die Schwarzen Insekten vernichten Teile der Ernte. Besonders gelb und andere grelle Farben ziehen die kleinen Flieger an. Nicht nur Bauern, sondern auch Urlauber sind zunehmend genervt.

Lübeck. Klein, schwarz, zahlreich - Rapsglanzkäfer, meist kurz Rapskäfer genannt, sind in diesem Sommer eine Plage wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Sie fliegen auf leuchtende Farben, vorzugsweise auf Sonnengelb, schwimmen in Limonade, kleben am Eis und besonders hartnäckig auf mit Sonnencreme bewehrter Haut. "Meligethes aeneus F." lautet der wissenschaftliche Name des Käfers, wobei das "F" auf den 1745 in Tondern geborenen und 1808 in Kiel gestorbenen Zoologen und Wirtschaftswissenschaftler Johann Christian Fabricius verweist, den Erstbeschreiber. Rapsglanzkäfer sind 1,5 bis 2,5 Millimeter groß, länglich-oval und - einzeln betrachtet - mit ihrem schwarzglänzenden, manchmal grün- oder blauschimmernden Chitinpanzer hübsche Tiere. Zu Einzelbetrachtungen kommt es in diesem Sommer allerdings nicht: Leuchtende Blüten biegen sich vom Gewicht der Rapskäfer. Im Raps haben sie bereits empfindliche Schäden angerichtet. Etwa 110 000 Hektar davon werden in Schleswig-Holstein angebaut, eine Fläche, die günstige Lebensbedingungen für die Insekten schafft, deren Resistenz gegen Pflanzenschutzmittel wächst. Nach Schätzungen des Kieler Landwirtschaftsministeriums haben die Käfer fünf Prozent der Rapsernte vernichtet. Die Insekten überwintern im Erdboden. Bei Lufttemperaturen um 15 Grad fliegen sie auf der Suche nach Nahrung vorzugsweise auf gelbblühende Kreuz- oder Korbblütler - und treffen auf Rapsfelder. Dort fressen sie sich in die Knospen ein und verhindern die Fruchtbildung. Zwischen die Blütenorgane legen sie Eier ab. Die Larven ernähren sich vorwiegend von Knospen und kriechen zur Verpuppung in die Erde.

Bekämpft werden die kleinen Rapsglanzkäfer bisher mit Pflanzenschutzmitteln aus der Wirkstoffgruppe der Pyrethroide. Das sind Insektizide, die dem natürlichen Chrysanthemengift Pyrethrum nachempfunden sind. Im kommenden Jahr soll mindestens ein neues Mittel auf den Markt kommen.

Das Gelbe vom Raps finden die Käfer jetzt zwar nicht mehr, dafür aber ideale Witterungsbedingungen. Millionenfach dümpeln Käferleichen in Planschbecken, Radfahrer und Jogger kommen nur mit Brille und geschlossenem Mund gut voran. Relative Ruhe vor den Käfern hat lediglich, wer sich in gedeckte Farben kleidet. Spaß haben eigentlich nur Kinder, die austesten können, welche T-Shirt-Farbe die meisten Käfer anlockt.