09.08.05

Forscher graben Nienover aus - und schütten alles wieder zu

NORTHEIM. Der Stadtplan ist fertig: Mehrere hundert Archäologen und Techniker aus Europa und Übersee haben jetzt die im 13. Jahrhundert untergegangene Stadt Nienover im südniedersächsischen Solling visuell rekonstruiert. Im Zuge der Ausgrabungen fertigten sie Hunderte von Zeichnungen an, die zeigen, wie es einst in dem mittelalterlichen Ort ausgesehen hat. "Wenn wir jetzt alle Ausgrabungsergebnisse zusammenführen, entsteht ein ganz klares Bild", sagt Archäologe Hans-Georg Stephan von der Universität Halle, der an den Ausgrabungen beteiligt ist.

Die Forscher wissen nun genau, wo die Straßen verliefen, wo in der Stadt das Bier gebraut wurde oder wo die Schmiede arbeiteten und eiserne Radreifen, Schwerter, Lanzen, Baubeschläge oder Nägel herstellten. Etwa 150 mit Holzschindeln gedeckte Lehm-Fachwerkgebäude haben in der Stadt gestanden, die von einem Graben und einem Wall mit Palisaden geschützt war. Besucher der 500 auf 3000 Meter großen Ausgrabungsstätte ziehen aber oft enttäuscht wieder ab. Es ist nämlich wenig zu sehen. Immer wenn die Forscher einen Gebäuderest im Boden untersucht haben, schütten sie die Gruben wieder zu. Ihre Funde - Scherben, Metallteile oder Münzen - sammeln sie in den Magazinen.

Die Wissenschaftler haben auch herausgefunden, daß Nienover, erbaut von 1180 bis 1190, zweimal niederbrannte. Das zeigen rote Verfärbungen im Boden und verkohlte Holzreste. Das erste Mal wurde die Stadt im Jahr 1220 zerstört, wahrscheinlich durch die Truppen des Bischofs von Paderborn. Das zweite Mal im Jahr 1270 von den Welfen.

Die Reste der Stadtbrände im Boden, Pfeilspitzen und Armbrustbolzen zeugen von heftigem Kampf. Die Bewohner müssen danach ihre brennenden Häuser eilig verlassen haben. "In einer Kellerecke fanden wir eine aufgebrochene Münzrolle mit Dinaren. Andere Geldstücke lagen zwischen Scherben eines zerbrochenen Kruges oder waren wie bei schneller Flucht im Raum verstreut", sagt Archäologe Stephan. Die Kämpfe und die Zerstörung Nienovers haben wohl die Einwohner vertrieben. Stephan: "Wir glauben, die Überlebenden gingen weg und ließen sich in anderen Städten nieder."

dpa
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