Marc Hoffmann: Wie viele hat er noch umgebracht? Polizei sucht Leiche in seinem Wohnort. Ludger Fertmann Bremerhaven
Die Morde an Levke (8) und Felix (8) hat Marc Hoffmann gestanden, aber seit gestern stellt sich die Frage, ob der 31jährige ein regelrechter Serientäter gewesen ist. Die Polizei hat mit zwei Hundertschaften, Spürhunden und einem Hubschrauber ein 130 000 Quadratmeter großes Waldgebiet am Rande eines Gewerbegebiets in Bremerhaven durchkämmt, wo Hoffmann von 1995 bis zu seiner Festnahme Anfang Dezember 2004 wohnte.
"Wir suchen eine Leiche", sagt Torsten Oestmann, Sprecher der Sonderkommission Levke. "Im Erdreich vergraben, vermuten wir ein weiteres Opfer von Marc Hoffmann." Nicht neue Aussagen des Mörders, sondern eigene Ermittlungen hätten dazu geführt. Oestmann lehnt sich weit aus dem Fenster: "Wenn wir finden, was wir suchen, wird das bundesweit für Aufsehen sorgen."
Dabei kann es kaum um weitere ungeklärte Kindermorde im Elbe-Weser-Dreieck gehen. Ob Dennis Klein (9), der 2001 aus einem Schullandheim bei Cuxhaven entführt wurde, oder Adelina Pismak (10), die im gleichen Jahr in Bremen verschwand - ihre Leichen wurden gefunden. Das gilt auch für die anderen Fälle in der Region, die teilweise bis 1992 zurückreichen.
Wie lang das jetzt vermutete Verbrechen zurückliegen könnte, ob es sich überhaupt um ein Kind handelt, dazu wollte Oestmann "aus ermittlungstaktischen Gründen" nichts sagen. Um so mehr blühen vor Ort die Spekulationen. Drei Vermißtenfälle geraten schnell ins Visier:
Polizeisprecher Oestmann sagt nichts zu den Spekulationen. Er nennt die Suche in Bremerhaven "eine von vielen zu treffenden Maßnahmen". Die Polizei geht ihr mit Akribie nach. Zentimeter für Zentimeter wird das Gewerbegebiet mit Metallstangen abgeklopft. Metalldetektoren werden eingesetzt. Von einem Hubschrauber aus wird das Areal mit Wärmebildkamera abgetastet. Die Besatzung achtet genau auf Veränderungen der Bodenoberfläche. Die Hunde nehmen die Witterung nach Leichengeruch auf. Mit einem Bagger wird ein Erdwall abgetragen. Die Aktion soll heute fortgesetzt werden.
Die Polizei durchleuchtet seit Januar Hoffmanns Vorleben seit dem 18. Lebensjahr. Da erwarb er in seiner sauerländischen Heimat den Führerschein. Das Bewegungsbild gleichen die Ermittler mit Kindermorden in ganz Deutschland ab. Die aufwendige Ermittlung ist Konsequenz aus einem Schock: Nach seiner Festnahme im Fall Levke kam nur durch sein Geständnis heraus, daß Hoffmann auch Felix ermordet hat. Daß ein Kinderschänder wahllos gleichermaßen Mädchen und Jungen mißbraucht und ermordet, war bis dahin nahezu ausgeschlossen worden.












