Sie war Mutter von drei Kindern. Der Junge hatte sie mit der Kordel ihres eigenen Pullovers erdrosselt.

Steimbke/Verden. Er ist keine 1,60 Meter groß, schmächtig und erst 15 Jahre alt: Dennoch sitzt der Hauptschüler aus Steimbke nahe der niedersächsischen Kreisstadt Nienburg seit gestern in Untersuchungshaft. Er soll die 24-jährige Melanie K. aus dem gleichen Ort in der Nacht zum Freitag mit der Kordel ihres eigenen Pullovers erdrosselt haben. Und der Haftbefehl, ausgestellt vom Amtsgericht Verden, lautet auf Mordverdacht, weil der Hauptschüler die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers ausgenutzt haben soll.

Laut Staatsanwaltschaft hat der Schüler den Tathergang gestanden. Es war nach Abendblatt-Informationen das furchtbare Ende eines feucht-fröhlichen Abends, wie er in so kleinen Orten häufig vorkommt. Der Anlass war der 22. Geburtstag einer Freundin des späteren Opfers. Man feierte in diesen Geburtstag hinein, der 15-Jährige war relativ neu in der Gruppe. Er ist zwar schon früher in Steimbke zur Schule gegangen, jetzt aber erst wieder aus der Kreisstadt Nienburg hierher zurückgekommen. Und er lebte bis zu der schrecklichen Tat in unmittelbarer Nähe der Familie des Opfers.

Für die Polizei begann die Arbeit am Freitagmorgen. Da meldete ein Zeuge, er habe in einem Wassergraben am Rande des Dorfes eine Leiche gesehen - aber der Mann schwächte ab: Es könnte auch eine Schaufensterpuppe gewesen sein.

Aber es war Melanie K., der Unterkörper entblößt, das Gesicht völlig schlammverschmiert und seit Stunden tot. Die Polizei reagierte sofort, richtete eine 28-köpfige Sonderkommission ein. Bald war den Beamten klar: Mit hoher Wahrscheinlichkeit musste der Täter aus dem Umfeld der jungen Frau stammen, die gemeinsame Geburtstagsfeier in einer Gruppe nämlich ließ sich rasch rekonstruieren. Was nicht ins Bild passte: Der Unterkörper der Leiche war entblößt, aber es gab keine Spuren von Gewaltanwendung, etwa einer Vergewaltigung.

Zur Routinearbeit gehörte natürlich auch, das Alibi des geschiedenen Mannes zu überprüfen. Das aber erwies sich als hieb- und stichfest. Entsprechend konzentrierte sich die Polizei auf die anderen Teilnehmer der Feier. Hinzu kam eine erneute Beweisaufnahme am Fundort, der nach Überzeugung der Polizei auch der Tatort war. Ein Bagger wurde angefordert, das Erdreich weiträumig ausgehoben und erneut analysiert. Am Montagabend dann wurde der jetzt verdächtige Hauptschüler festgenommen, in den anschließenden Vernehmungen mit Hinweisen und Spuren vom Tatort konfrontiert. Gestern Vormittag dann gestand er die Tat. Der Haftbefehl war danach Routine. Offen bleibt, woher der schmächtige Junge die Kraft nahm, das Opfer war deutlich größer und schwerer als er.

Staatsanwalt Lutz Gaebel in Verden macht bei allen Angaben über die Tat eine Gratwanderung: Die Fakten werden mitgeteilt, aber kein Wort über die drei Kinder des Opfers, keine näheren Angaben auch über die Person des mutmaßlichen Täters - aus Gründen des Jugendrechts.